Die Gemeinschaft der Pallottiner weist viele Besonderheiten auf

Alles tun - und alle erreichen

Aktualisiert am 12.07.2015  –  Lesedauer: 
Alles tun - und alle erreichen
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Orden

Bonn ‐ Gemeinsam sollten Frauen und Männer den Glauben unter Katholiken vertiefen und den Menschen Gott nahebringen: Das war die Vision von Vinzenz Pallotti. Erst 150 Jahre nach seinem Tod konnte die Vereinigung nach seinen Wünschen entstehen.

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1835 gründete er diese Gemeinschaft aus Priestern und Laien. Gemeinsam und in gleicher Würde sollten Frauen und Männer, Priester und Ordensleute den Glauben unter den Katholiken vertiefen, neu entfachen und durch Werke der Liebe den Menschen "Gott, die unendliche Liebe und Barmherzigkeit" aufleuchten lassen. Er wollte sich mit seiner Vereinigung nicht auf ein pastorales Feld festlegen lassen. Pallottis leidenschaftliches Bestreben war es, alle Menschen zu erreichen und alles zu tun, was den Menschen in ihren Nöten hilft, ihre eigene Würde und Gottebenbildlichkeit wieder zu entdecken.

Dieses "Alle" und "Alles" ist typisch für Pallotti. Er war überzeugt, dass Gott sich im Menschen ein Gegenüber geschaffen hat, in das er sich unendlich verströmen will. Jedes vernunftbegabte Wesen ist nach der Überzeugung Pallottis ein Abbild Gottes und als solches berufen "Apostel des Ewigen Vaters zu sein". Welche Perspektiven sich aus dieser Sichtweise für den interreligiösen Dialog öffneten, das konnte Pallotti nicht ahnen. Apostolat begründet er in dieser Würde der Gottebenbildlichkeit. Jede Frau und jeder Mann ist direkt von Gott berufen und gesendet.

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Pater Michael Pfenning SAC ist der Vizeprovinzial der Pallottiner.

Die offizielle Kirche war für die Visionen Pallottis damals nicht empfänglich. Seine Vereinigung wurde vom Papst verboten. Laien waren bestenfalls die Hilfstruppe der Kleriker. Das Wesen seiner Vereinigung wurde nicht verstanden, und die Umstände führten zur Gründung von verschiedenen kirchenrechtlich eher fassbaren geistlichen Gemeinschaften: Pallottiner und Pallottinerinnen.

Geschwisterliches Miteinander

Diese "Ordensgemeinschaften" transportierten dann das Gründungscharisma des gemeinsamen Apostolates aller in der Kirche. Heute arbeiten 2.500 Pallottiner als Priester und Brüder weltweit. Sie finden sich in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern:

Hochschule, Schule, Bildungshäuser, Gemeindeseelsorge, Jugendarbeit, Missionsarbeit, Gefängnisseelsorge, Geistliche Begleitung, Therapeutische Seelsorge, Krankenhausseelsorge, und andere. Viele verstehen sich als "Anwälte der Laien". Sie sind Begleiter, die andere Menschen stark machen wollen. Immer geht es um dieses geschwisterliche und partnerschaftliche Miteinander der Dienste und Aufgaben in der Kirche.

Vinzenz Pallotti wurde von Papst Johannes XXIII. zu Beginn des II. Vatikanischen Konzils 1963 heiliggesprochen und zu einem der Patrone des Konzils erklärt. Im Konzil fanden Pallottis Visionen eine beeindruckende Bestätigung. Seine Visionen beinhalten jedoch Aspekte, die noch lange nicht eingeholt oder kirchliche Praxis geworden sind.

Die eigentliche Gründung Pallottis, die "Vereinigung des Katholischen Apostolates" fand erst im Jahr 2003 die kirchenrechtliche Bestätigung. Die Pallottiner sind heute ein Teil dieser Vereinigung (UNIO) von verschiedensten Gemeinschaften und Gruppen in verschiedenen Lebensformen. Die Pallottiner, offiziell die "Gesellschaft des Katholischen Apostolates" (SAC), wachsen weltweit.

In Deutschland nimmt die Zahl leider ab, derzeit leben hierzulande 240 Mitbrüder. Das führt dazu, neu zu überdenken, welche Aufgabengebiete und Niederlassungen sinnvoll und ausstrahlend in die Zukunft weiter geführt werden können.

Linktipp: Ein Pallottiner auf Reisen

Die Männergemeinschaft der Pallottiner hat vor allem ein Ziel: nah bei den Menschen zu sein und ihnen die Liebe Gottes zu vermitteln. Dafür nehmen drei Reisebrüder weite Wege auf sich. Einer davon ist Bruder Rainer.

Zentral bleibt der Auftrag, den Pallotti so formulierte: "Diese Vereinigung soll dazu dienen, 1. den Glauben in der ganzen Welt zu verbreiten, 2. den Glauben unter den Katholiken wiederbeleben und vertiefen, 3. durch Werke der Liebe allen Menschen helfen, den Gott unendlicher Liebe im Menschen zu erkennen." Dieser Auftrag ist weit und erfordert eine gute Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft und mit Frauen und Männern, die selbstbewusst und kreativ versuchen ihre Sendung zu leben. Also keine "Hilfskräfte" sein wollen, sondern sich selbst als Apostel sehen.

Lebens- und Arbeitsform mit Weite

Pallottiner sind gehalten mehr auf das "Wie" als auf das "Was" zu achten. Sie versuchen ihre Mitglieder entsprechend ihrer Charismen und den zugewachsenen Aufgaben auszubilden und im Apostolat einzusetzen. Das schwarze "Ordenskleid" wird an Feiertagen und zu festlichen Gemeinschaftsanlässen getragen. Die örtlichen Kommunitäten gestalten entsprechend der sehr verschiedenen Aufgaben ihr Gemeinschafts- und Gebetsleben.

Entsprechend dem Patronatsbild "Maria, Königin der Apostel" ist es wichtig, unabhängig von Amt und Würden, gemeinsam immer wieder um den Geist Gottes zu bitten, um dann wieder gestärkt und fruchtbar im Apostolat wirken zu können. Zentral ist diese ständige Bemühen: Gebet und Apostolat in eine gesunden Balance zu bringen. Die Weite der pallottinischen Lebens- und Arbeitsform birgt auch die Chance, dass Mitbrüder und Menschen einen guten Platz finden, die in einem auf Linie getrimmten System nicht leben könnten.

Pallottiner zu werden, erfordert ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, die Fähigkeit zu Toleranz und Zusammenarbeit. In der zweijährigen Einführungszeit (Noviziat) gibt es viel Raum und begleitete Zeit zur Prüfung der eigenen Motive. Die Einheit der Gemeinschaft liegt in der Zustimmung zur Weite und im Respekt und der Achtung der verschiedenen, von Gott gegeben Berufungen und Begabungen.

Die Visionen Pallottis können sich gerade durch die Vielfalt und große Bandbreite Bahn brechen in eine Kirche und Welt hinein, die nur durch Dialogfähigkeit, der Anerkennung der Vielfalt und durch Beteiligung Zukunft haben wird.

Der Autor

Pater Michael Pfenning ist Vizeprovinzial der Pallottiner.
Von Michael Pfenning