Der Karlsschrein im Aachener Dom.
In Aachen starten am Donnerstag die Festtage zu "800 Jahren Karlsschrein"

Karl dem Großen ganz nah

Bistum Aachen - Vor 800 Jahren ließ Friedrich II. die Gebeine Karls des Großen im Aachener Dom in einen Schrein betten. Das Jubiläum muss gefeiert werden: Ab heute lädt das Bistum ein, "800 Jahre Karlsschrein" zu begehen. Denn der berühmte Herrscher hat bis heute Bedeutung.

Von Sophia Michalzik |  Bonn - 22.07.2015

800 Jahre ist die Szene nun her, die der Mönch Reinerus von Saint-Jacques einst beschrieb. Das runde Jubiläum ist Anlass für fünf Aachener Festtage, die unter dem Motto "Karl so nah wie nie" stehen. Start der Feierlichkeiten ist an diesem Donnerstag. Dafür hat der zweieinhalb Meter lange Schrein sogar seinen Platz gewechselt. Normalerweise steht er in der Chorhalle des Aachener Doms. Doch für die Feierlichkeiten ist er nun in die Nähe seines ursprünglichen Platzes im Zentralbau gebracht worden. Der Weg dahin war zwar nicht weit, doch einfach war der kleine Umzug deswegen nicht: Unter der Regie von Dombaumeister Helmut Maintz wurde der Schrein auf einem speziellen Transportwagen mehrere Treppen heruntergebracht. Das über 150 Kilogramm schwere Kunstwerk, das insgesamt 93 Knochen beschützt, musste dabei in der Waagerechten bleiben.

Am Karlsschrein werde die Berührung mit der Persönlichkeit Karls des Großen besonders spürbar, sagt Dompropst Manfred von Holtum. "Der Schrein hat dem Aachener Dom als Grabeskirche Karls des Großen eine einzigartige Bedeutung verliehen."  Durch den veränderten Standort könnten die Besucher Karl dem Großen besonders nahe sein und ihn aus einer ganz neuen Perspektive erleben. Auf Hochglanz poliert ist der Schrein ohnehin: Ein Silberschmied hat das reich verzierte Schmuckstück am Montag in Kleinarbeit von Belägen befreit.

Die Bronzestatue zeigt einen Mann mit Vollbart, die Kaiserkrone auf dem Kopf, Zepter in der rechten, den Reichsapfel in der linken Hand. Im Hintergrund weht die EU-Fahne.
Bild: © KNA

Die Statute Karls des Großen vor dem Aachener Dom. Der Kaiser, der schon zu Lebzeiten "Vater Europas" genannt wurde, spielt in Aachen eine ganz besondere Rolle.

Karl der Große: Der Name ist wörtlich zu nehmen. 1,84 Meter maß der einstige König des fränkischen Reiches, der am 25. Dezember 800 als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde erhielt. Unter ihm gelangte das Frankenreich zu seiner größten Ausdehnung und Machtentfaltung. Der bedeutende Herrscher, der auch in kirchenpolitischen Fragen großen Einfluss besaß,  wurde bereits zu Lebzeiten als "Vater Europas" bezeichnet.

Einfluss und Bedeutung Karls des Großen sind bis heute spürbar: Jedes Jahr strömen rund 1,3 Millionen Menschen in den Aachener Dom. Grund genug also, den 800. Jahrestag seiner Umbettung in den Schrein besonders zu würdigen. Während der Festtage gibt es für die Besucher daher eine Vielzahl an Gottesdiensten, aber auch Konzerte, Vorträge und weitere kulturelle Angebote.  Den Festgottesdienst am Sonntag zelebriert Weihbischof Johannes Bündges. Jeden Tag gibt es außerdem 30-Minuten-Führungen zum Thema Karlsschrein.

Zum Jubiläum hat das Domkapitel übrigens eine Gedenkmünze herausgegeben. Die offizielle Sonderprägung "800 Jahre Karlsschrein" ist in Feinsilber und in einer limitierten Feingold-Variante erhältlich – und damit fast so besonders wie der berühmte Karlsschrein selbst. (mit Material von KNA)

Weitere Informationen zum Program

Das vollständige Programm der Festtage ist im Internet abrufbar. Unter dem Titel "Knochen to go - Die Zähne sind als erstes weg" präsentiert beispielsweise Wendelin Haverkamp am Freitag und Sonntag jeweils um 19.30 Uhr ein Kabarett. Eintrittskarten sind im Vorverkauf für 12,15 Euro erhältlich. "Kulturen der Toleranz" heißt das Konzert im Dom am Samstag um 19.30 Uhr. Es spielt das Ensemble Sarband aus München. Der Eintritt zum Konzert ist frei. Ebenfalls am Samstag gibt es von 10 bis 15 Uhr mehrere Vorträge in der Domsingschule. Mehrere Referenten beschäftigen sich mit Themen rund um Karl den Großen.

Von Sophia Michalzik