Ein Kind steht vor einem Adventskranz.
Von Hamburg trat der Adventskranz seinen Siegeszug an

Früher gab’s mehr Kerzen

Der Adventskranz gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Symbolen der Vorweihnachtszeit. Tatsächlich ist er eine relativ junge Erfindung. Überdies hatte er anfangs deutlich mehr als vier Kerzen. Aber der Reihe nach.

Von Christoph Meurer |  Bonn - 02.12.2012

Als Schöpfer des Adventskranzes gilt der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808 -1881). In der Mitte des 19. Jahrhunderts gründete Wichern in Horn, das damals noch ein Vorort Hamburgs war, eine Anstalt zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher, das sogenannte "Rauhe Haus". 1839 hängte Wichern hier den ersten Adventkranz auf – ein schlichtes Holzrad mit Lichern. Der Pfarrer hatte es als symbolische Antwort auf die Frage seiner Schützlinge, wann denn endlich Weihnachten sei, angebracht. Am ersten Advent wurde die erste Kerze entzündet, dann jeden Tag bis Heiligenabend eine weitere. So konnte jedes Kind die Tage bis zum Fest abzählen.

Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808-1881) gilt als Erfinder des Adventskranzes.

Von Hamburg aus, mittlerweile mit Tannengrün und Schmuck versehen, trat der Adventskranz seinen Siegeszug an. Dass heute nur noch vier Kerzen den Kranz zieren, hat praktische Gründe. Schließlich sind große Geflechte mit mehr als zwanzig Lichtern schwieriger herzustellen als die kleinen Varianten. Einzug in katholische Kreise erhielt der Adventskranz nach dem Ersten Weltkrieg. Für das Jahr 1925 ist ein Kranz in einer katholischen Kirche in Köln belegt, 1930 dann in einer katholischen Kirche in München.

Für den katholischen Theologen und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti ist der Adventskranz ein Brauch mit "halbsakralem" Charakter. Er meint, dass die Tradition zwar nicht aus der Kirche komme, sich mit dem Weihnachtsfest aber gut in Verbindung bringen ließe. Seine Symbolik vertrage sich durchaus mit den liturgischen Vorgaben, also den religiösen Riten der katholischen Kirche.

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Video: © Sarah Stöber

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Das Licht diene als Bild für Christus, die Tannenzweige als Hinweis auf Christi Geburt, schreibt Becker-Huberti in seinem Lexikon der Bräuche und Feste. Dazu verweist er auf das Johannes-Evangelium der Bibel, in dem Jesus als das "wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" bezeichnet wird. Ebenso könne der Kranz, so der Experte weiter, als "Hinweis auf den Kreislauf der Zeit verstanden werden."

Heutzutage gibt es Adventskränze nicht nur in Deutschland. Im katholischen Teil Irland hat das Gebinde allerdings fünf Kerzen: drei Kerzen in lila sowie eine in rosa stehen für die Adventssonntage. Die weiße Kerze in der Mitte wird am Weihnachtstag selbst entzündet und symbolisiert die Geburt Jesu Christi.

Von Christoph Meurer