Schachfigur
Johannes Röser über Eucharistie und Abendmahl

Der eine Christus

Johannes Röser über Eucharistie und Abendmahl

Bonn - 15.09.2015

Die deutschen Katholiken erwarten von der Familiensynode in Rom anscheinend nur eins: die Zulassung wiederverheiratetet Geschiedener zur Kommunion. Und zur Beichte? Erweckt wird der Eindruck, als ob die Betroffenen massenhaft zu den Sakramenten drängten. Der sonntägliche Gottesdienst belegt leider das Gegenteil. Außerdem ist nicht zu verharmlosen, dass es sich bei Scheidung und Wiederheirat um den schlimmsten Treuebruch in der intimsten Beziehung des Menschseins handelt - vor Gott. Derart schwere Schuld ist kirchlich zu Recht mit Sanktionen belegt. Allenfalls nach einem geordneten Prüfverfahren von Einzelfall zu Einzelfall und Buße könnten diese aufgehoben werden.

Ganz ohne Schuld aber leiden tiefgläubige Ehepartner und Familien, die vom gemeinsamen Empfang der Kommunion und des Abendmahls ausgeschlossen sind, nur weil die Konfessionen sie trennen. Dabei bilden sie den Kern von Kirche, die Hauskirche. Eine Familiensynode sollte da vordringlich eine Lösung finden. Erstaunlicherweise herrscht im Land der Reformation dazu jedoch wie im Synodenprozess selber weitgehend Schweigen, obwohl das einmal die ökumenische Debatte beherrschte.

Bisher erlaubt Rom nur, dass evangelische Christen die eucharistischen Gaben empfangen dürfen, wenn sie die katholische Auffassung von der sakramentalen Präsenz Christi teilen und die Wirk-Vollmacht, also die "Wandlungs"-Vollmacht, des priesterlichen Amtes, seine Fähigkeit, Christus zu vergegenwärtigen, anerkennen. Umgekehrt aber gibt es keine Erlaubnis des katholischen Lehramts für Katholiken, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, obwohl dort Gastfreundschaft gewährt wird.

Von katholischer Seite wird die gültige Amtsvollmacht der evangelischen Geistlichen zur Repräsentation Christi weiterhin bestritten. Nur: Nach dieser traditionellen Ansicht würde ein Katholik, der am Abendmahl teilnimmt, eigentlich doch gar "nichts" empfangen außer Brot und Wein. Was wäre daran schlimm? Das Problem liegt offenkundig auf einer anderen Ebene: dass Katholiken beim Abendmahl die evangelische Amtsautorität anerkennen und damit den sakramentalen Alleinvertretungsanspruch des katholischen Amts indirekt infrage stellen würden. Aber: Kann man so kontroverstheologisch heute ernsthaft noch Christ sein, gesteuert obendrein von magischen Vorstellungen von "Weihegewalt" und "Wandlungsfähigkeit"? Um Schaden vom Glauben abzuwenden, sollten die vielen konfessionsverbindenden Familien voll und ganz als Kirche anerkannt werden, in jeder Hinsicht sakramental. Das muss den gleichberechtigten Empfang von Brot und Wein als Leib und Blut Christi in Eucharistie und Abendmahl einschließen. Ist denn Christus geteilt? Nein! Es gibt nur eine Taufe, eine Kommunion, ein Abendmahl, einen Christus, vergegenwärtigt im Glauben der Glaubenden.

Der Autor

Johannes Röser ist Chefredakteur der katholischen Wochenzeitschrift CHRIST IN DER GEGENWART.

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