Die Haupteinfahrt des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.
Der Holocaust-Gedenktag erinnert an die Befreiung von Auschwitz heute vor 69 Jahren

Erinnern an das Unvergessliche

Geschichte - Anlässlich des Holocaust-Gedenktags haben Politiker und Kirchenvertreter an die Gräuel der Nationalsozialisten erinnert. Papst Franziskus prangerte im Vatikan den Holocaust als eine "Schande für die Menschheit" an und nannte die Judenvernichtung einen Horror, der sich niemals wiederholen dürfe.

Bonn - 27.01.2014

In einem persönlichen Brief an den Rabbiner von Buenos Aires, Abraham Skorka, ist laut Radio Vatikan von den Tränen die Rede, "die in der Seele und dem Leib der Völker Spuren hinterlassen haben". Der Brief sollte am Montagabend bei einem Konzert in Rom verlesen werden. Mit dem Rabbiner verbindet Jorge Mario Bergoglio eine lange Freundschaft.

Auf den Beinen statt über den Schornstein

61 Abgeordnete der Knesset, des israelischen Parlaments, haben das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. "Auschwitz wird für immer das schwarze Loch in der gesamten Menschheitsgeschichte sein", sagte Isaak Herzog, Fraktionschef der oppositionellen Arbeitspartei, in einer Ansprache. Nie wieder dürften Menschen gleichgültig auf das Schicksal anderer reagieren oder vor Antisemitismus und Rassenhass resignieren. "Wenn wir die Hoffnung verlieren, dass eine bessere Welt aufgebaut werden kann, dann verlieren wir gegen Auschwitz."

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Video: © Nicole Stroth

Zum Holocaust-Gedenktag: Wolfgang Gerstner vom Maximilian-Kolbe-Werk über Erinnern und Mahnen.

Auf ihrer Reise wurden die Parlamentarier, darunter sechs Minister, von mehr als 20 hochbetagten Holocaust-Überlebenden und Mitgliedern des israelischen Militärs begleitet. Vor der "Todeswand", an der Tausende Häftlinge erschossen worden waren, legten sie Blumen nieder und zündeten Kerzen an. "Wir haben hier schwere Zeiten durchgemacht. Ich fühle Genugtuung, dass ich diesen Ort auf meinen eigenen Beinen und nicht durch den Schornstein verlassen habe" zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP den ehemaligen Häftling Bogdan Bartnikowski. Die 88-jährige Jadwiga Bogucka war trotz ihres hohen Alters bei eisigen Temperaturen gekommen. "Ich sehe das als Pflicht", sagte sie. "Wir sind die lebenden Zeugen, wir müssen die Wahrheit künftigen Generationen weiter geben."

Schuhe, Koffer und Haare der Ermordeten

Die Besucher sahen in der im vergangenen Juni eröffneten Holocaust-Ausstellung der Gedenkstätte auch das "Buch der Erinnerung", in dem die Namen von rund 4,3 Millionen ermordeten Juden aufgelistet sind. Auch Schuhe, Koffer und Haare der Ermordeten sind in Ausschwitz zu sehen.

Soldaten der Roten Armee hatten das Lager heute vor 69 Jahren, am 27. Januar 1945, befreit. Es war das größte der nationalsozialistischen Todeslager, in dem mindestens 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge ermordet wurden. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden aus ganz Europa um. In Israel leben heute noch rund 193.000 Holocaust-Überlebende.

Derweil warnte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem vor einer Untergrabung des Existenzrechts Israels. Es bestehe zwar ein Konsens darüber, dass man den Holocaust hätte verhindern müssen. "Aber die Welt geht nicht empört gegen ein Regime vor, dass zu unserer Zerstörung aufruft, und nimmt den Mann, der es vertritt, sogar mit offenen Armen auf", sagte er mit Hinblick auf den Iran.

Gedenkstunde im Bundestag

An die Belagerung Leningrads erinnerte der russische Schriftsteller Daniil Alexandrowitsch Granin im Rahmen der Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag. Bei der über zweijährigen Blockade, die genau ein Jahr vor der Befreiung von Auschwitz endete, starben über eine Million Menschen. Der Hunger sei in die Stadt geschickt worden, um anstelle der Soldaten Krieg zu führen, sagte Granin. "Ich konnte den Deutschen lange nicht verzeihen, dass sie den Tod so vieler Menschen in Kauf genommen haben."

An der Gedenkstunde nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck auch Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Polen und anderen Ländern teil. Anschließend wurde im benachbarten Paul-Löbe-Haus die Ausstellung "Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus" eröffnet. Sie zeigt Schicksale kranker und behinderter Menschen, die während der NS-Diktatur zwangssterilisiert und ermordet wurden.

Am Abend wollten die Knesset-Abgeordneten im südpolnischen Krakau mit Parlamentariern aus anderen Ländern, darunter auch Vertretern des Bundestags, über die Lehren aus Auschwitz und die Herausforderungen durch Antisemitismus in der Gegenwart beraten. (gho/KNA/dpa)

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