Darum ging es in den Weihnachtspredigten deutscher Bischöfe

An Heiligabend haben katholische Bischöfe in Deutschland zu Hoffnung und Mut aufgerufen und sich gegen gesellschaftliche Spaltungen und Hunger in der Welt gewandt. Viele Christen begannen die Weihnachtsfeierlichkeiten an Heiligabend mit Zusammenkünften in Familien. Traditionell besuchen sie oft auch Christmetten in Kirchen. Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu. Wann genau er vor gut 2.000 Jahren geboren wurde, ist nicht bekannt. Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest des Gottessohns ist erstmals für das Jahr 336 in Rom bezeugt. In Deutschland wird meist schon am Vorabend, dem Heiligabend, gefeiert.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte laut vorab verbreitetem Manuskript im Liebfrauendom der bayerischen Landeshauptstadt, das Christentum werde Teil des Kernprofils Europas bleiben. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Botschaft der Freiheit, der Würde und Geschwisterlichkeit aller eine Renaissance erleben werde. Christen sollten die Vision einer geschwisterlichen Welt gegen Zynismus, Eigeninteressen und Resignation verteidigen. Das "Ja zu einer Hoffnung - trotz alledem" sei eine tiefgehende Kraft.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht in Weihnachten ein Hoffnungszeichen in einer dunklen Welt. Millionen Menschen seien von bewaffneten Konflikten betroffen und auf der Flucht, sagte der Erzbischof laut Redemanuskript in der Christmette im Kölner Dom. Etwa 673 Millionen hungerten. Jeder sechste Mensch leide unter Einsamkeit. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus habe Gott aber das menschliche Leben bis hin zu Leid und Tod am Kreuz angenommen und einen Weg aus dem Dunkel aufgezeigt.
Kardinal Woelki ist Erzbischof von Köln
Gegen Nationalismus und Abschottung hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing in seiner Weihnachtspredigt gewandt. Statt egoistischen Denkens mit der Parole "Wir zuerst!" brauche es mehr Solidarität und gemeinsame Verantwortungsübernahme, sagte Bätzing laut Redemanuskript am ersten Weihnachtsfeiertag im Limburger Dom. Nur so könnten die drängenden Zukunftsfragen bewältigt werden. Bätzing verwies auf Umwelt- und Klimaschutz, auf die Debatten über einen zukunftsfesten Sozialstaat und die Sicherung der Demokratie. "Glauben wir ernsthaft, wir könnten Demokratie und Zusammenhalt hierzulande stärken, ohne unseren Sozialstaat zukunftsfähig zu machen, der darauf basiert, dass die Generationen füreinander einstehen?", fragte der Bischof.
Für den Trierer Bischof Stephan Ackermann hat mit der Geburt Jesu eine neue Wirklichkeit begonnen. Weihnachten sei die Zusage des menschgewordenen Gottes für eine bessere Welt, Versöhnung und Frieden, sagte Ackermann laut Redemanuskript in der Christmette im Trierer Dom. Wer sich diese Weihnachtsbotschaft zu Herzen nehme, könne selbst Zeichen gegen Leid, Krieg und Not setzen. Der Bischof rief dazu auf, Hass, Hetze und Lügen nicht einfach hinzunehmen. Dann sei eine friedlichere Welt möglich.
Weihnachten ist für den Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ein Aufruf für den Schutz der Würde aller Menschen. Gott sei als Kind in der Krippe Mensch geworden – damit verbinde sich die Größe und Würde eines jeden Menschen, erklärte Neymeyr in seiner Weihnachtsbotschaft. Daraus ergebe sich auch ein Auftrag zum Schutz der Würde aller Menschen und zum Bemühen um gute zwischenmenschliche Beziehungen "trotz aller gegenläufigen Missverständnisse, Abneigungen und Verletzungen".
Peter Kohlgraf ist Bischof von Mainz.
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief zu mehr Einsatz für benachteiligte und am Rande stehende Menschen auf. "Es ist gut, dass Papst Leo uns in seinem ersten großen Schreiben daran erinnert, dass unser Platz bei den Menschen am Rande ist und wir hinausgehen müssen", sagte Kohlgraf laut Redemanuskript im Mainzer Dom. Diejenigen, die sich heute in Kirchen als Hirten sehen, dürften den Kontakt zu den Menschen und ihren Nöten nicht verlieren. Der Bischof verwies mit Bezug auf Weihnachten, das ein konkretes geschichtliches Geschehen feiere, zudem auf die Bedeutung von Fakten.
Erinnerung an Kriege und Krisen
An das Leid in Kriegs- und Krisengebieten weltweit erinnerte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger – sei es in der Ukraine, in Nahost oder in Afrikas Bürgerkriegen. Angesichts dieses Leids falle es nicht leicht, Weihnachten als die Zusage Gottes zu verstehen, allen Menschen Liebe zu schenken, sagte Burger laut Predigtmanuskript in der Christmette im Freiburger Münster. Er blickte zudem mit Sorge auf Antisemitismus und Nationalismus in Deutschland.
Die Weihnachtsbotschaft sollte nach Ansicht des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt sensibler für die Situation von Flüchtlingen machen. Er verwies auf Berichte aus den aktuellen Kriegsgebieten im Gazastreifen, Sudan und der Ukraine. "Das sind Bilder, die uns in unseren gesicherten Lebensverhältnissen und warmen Weihnachtsstuben emotional überfordern können. Dennoch: Wir dürfen uns diese Bilder nicht ersparen - weil wir dort Menschengeschwister sehen, die wie du und ich betroffen sein könnten", mahnte er in seiner Weihnachtsbotschaft.
Wolfgang Ipolt ist Bischof des Bistums Görlitz.
Der Würzburger Bischof Franz Jung rief in der Christmette die Menschen dazu auf, mehr Demut zu üben. Dabei verwies er auf die sogenannte Tür der Demut bei der Geburtskirche in Bethlehem. Der Eingang ist derart niedrig gehalten, dass sich jeder Besucher und jede Besucherin bücken muss, um das Gotteshaus betreten zu können. Auch im Leben gebe es viele enge Pforten, sagte Jung laut Redemanuskript. "An Weihnachten sind wir eingeladen, mit dem Kind diese Pforten zu durchschreiten." Wer sich anstrenge und dies schaffe, für den könne eine solch enge Tür bisweilen sogar zur Heiligen Pforte werden.
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zum Einsatz für Frieden auf. Die Verheißung Gottes "Friede auf Erden" brauche den Menschen, der sie umsetzt, sagte er laut Redemanuskript in der Christmette im Essener Dom. Notwendig seien Bemühungen, Streitigkeiten und Verletzungen zwischen Völkern und Menschen zu heilen. Nach den Worten Overbecks gilt dies auch im normalen Alltag. Er mahnte mehr soziale Gerechtigkeit an: "Es braucht einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat als Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in die staatliche Ordnung."
Weihnachten hält laut Bischof Heinrich Timmerevers nicht nur für Christen eine Botschaft bereit. "Wer an der Krippe verweilt, entdeckt etwas Elementares: Das Leben findet seinen Sinn nicht im Haben, sondern im Sich-verschenken", erklärte er in seiner Weihnachtsbotschaft. "In der Fähigkeit zu lieben, sich zu verschenken, den anderen zu sehen und für ihn da zu sein. Gott geht uns diesen Weg vor – nicht mit Macht, sondern durch sein eigenes Beispiel." Weihnachten erzähle von Menschen, die sich auf den Weg machten, weil sie spürten, dass ihr Leben mehr sein könne als Alltag, Routinen oder flüchtige Freuden. Das sei nach wie vor aktuell.
Willkommensbotschaft
Von Weihnachten geht laut dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige eine große Willkommensbotschaft aus. "Christus im eigenen Leben eine Herberge zu geben, heißt zugleich aber auch, sich zu fragen: Für wen gibt es überhaupt Platz, in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, in unserem Land? Wer gehört dazu?", so Feige in seinem ebenfalls vor Heiligabend veröffentlichten Weihnachtswort. Die Frage sei präsent in Politik und Gesellschaft ebenso wie in Kirchen und Familien.
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hob vor Heiligabend darauf ab, Weihnachten sei die "Nacht der Nähe Gottes, eine Nacht, in der wir Mut fassen können. Fürchtet euch nicht, der euch tröstende Gott ist bei euch". Weihnachten vermittle, dass es einen Trost über diese Welt hinaus gebe. Gott sei "der Trost, der uns nicht fallen lässt ins Nichts".
Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer bezeichnete das Weihnachtsfest als Lichtstrahl der Hoffnung für die Menschheit. Christliche Überzeugung sei es, dass Gott an der Not der Menschen nicht achtlos vorbeigehe, sagte Krämer laut Predigtmanuskript in der Christmette im Rottenburger Dom. "In Gottes Zuwendung zu den Armen und Bedürftigen dringt ein Licht in das Dunkel dieser Welt, das nicht mehr verlöschen wird." Der Bischof rief dazu auf, sich für Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Würde aller einzusetzen.
Der Rottenburger Bischof Klus Krämer.
Zu einem entschlossenen Einsatz für Frieden rief der Aachener Bischof Helmut Dieser auf. "Jeder Hass verfehlt Gott vollkommen", sagte er laut Redeauszug in der Christmette im Aachener Dom. Dieser warnte vor militärischer Gewalt und Folter sowie dem "Krieg der Verdrehungen und der Halbwahrheiten, der Lügen, der Macht- und Kraftsprüche, der Schmähungen, Abwertungen und Skandalisierungen". Und: "Wie schnell wird auch dieser Krieg aus Verwirrung und Hetze blutig, wenn das Herz des Menschen sich davon radikalisieren lässt und zum Terrorangriff übergeht mit Hassausbrüchen und Anschlägen gegen Weihnachtsmärkte oder aus unerträglichem Antisemitismus weltweit gegen Juden wie zuletzt in Australien."
Weihnachten feiern geht auch ohne Gott – das meint der Augsburger Bischof Bertram Meier. "Bei immer weniger Menschen spielt Gott eine wirkliche Rolle. Gott ist im Gehen", sagte Meier laut Manuskript bei der Feier der Christmette im Augsburger Dom. "Doch wo wir aufhören, Gott die Ehre zu geben, fangen wir bald an, uns selbst groß aufzuspielen. Der Mensch ist nicht mehr zu retten. Wenn Gott im Gehen ist, dann sind die Götzen im Kommen."
Das Weihnachtsfest ist laut dem Bamberger Erzbischof Herwig Gössl ein Aufruf dazu, zum Frieden beizutragen sowie mitzuhelfen, Konflikte zu entschärfen. Das sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums in seiner Predigt in der Christmette. Weihnachten zeige, wie die Welt nach Gottes Willen sein könne. Dieser gebe die Menschen trotz Kriegen, Hass und Konflikten nicht auf, daher dürften sie dies ebenfalls nicht tun - nicht in großen Krisen und nicht im privaten Alltag.
Bischof Gerber nach Krankheit wieder zurück
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber blickt in seinem ersten öffentlichen Gottesdienst nach seiner Krebsdiagnose auf seine Krankheit zurück. Die christliche Weihnachtsbotschaft besteht für ihn in der Zuwendung Gottes zu jedem Menschen – unabhängig von seinen Leistungen oder Fähigkeiten. Weihnachten erzähle von einem neuen Anfang für die Menschheit, sagte Gerber in der Christmette an Heiligabend im Fuldaer Dom. Gottes Zusage und damit der Kern von Weihnachten sei: "Mensch, Du bist geliebt und gewollt. Nicht, weil Du irgendetwas Besonderes leistest, nicht, weil Du etwas Besonderes vorzuweisen hast. Du bist geliebt, weil Du Mensch bist."
Der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat an Weihnachten die Hirten von Bethlehem als christliche Schlüsselgestalten gewürdigt. Sie seien die ersten beim neugeborenen Kind Jesus gewesen, "obwohl sie eigentlich in der damaligen Gesellschaft die letzten waren", sagte Heße laut Redemanuskript im Weihnachtsgottesdienst im Hamburger Mariendom. Als Tagelöhner hätten sie zur Unterschicht gehört und als Gauner und "gottlos" gegolten. Dies bedeute: Die Botschaft Jesu beginne bei den Kleinen und Ausgestoßenen.
Der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat Weihnachten als "hochpolitisch" bezeichnet. "Jesu Botschaft ist damals wie heute Gottes Widerspruch gegen eine Welt, die ihre Probleme mit Gewalt und Krieg lösen will", sagte er laut Redemanuskript in seiner Weihnachtspredigt im Hildesheimer Dom. "Das Kind von Bethlehem widerspricht jeder Form von Verachtung, Ausgrenzung und Verrohung der Sprache."
Stefan Oster ist Bischof von Passau.
Der Passauer Bischof Stefan Oster lud dazu ein, sich Gott ans Herz gehen zu lassen. Denn dessen Sehnsucht sei es, "dass wir draußen in der Welt Friedensmenschen werden". Diese zerrissene Welt brauche nichts mehr als weihnachtliche Menschen, die wüssten, worum es gehe, "wenn es um den Frieden geht, der von Gott kommt".
Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz appellierte an die Machthaber der Welt, ihr politisches Handeln Gott gegenüber zu verantworten. Wenn sie ihn nicht als Autorität über sich haben, "wer und was ist dann der Maßstab?", fragte Bentz im Weihnachtsgottesdienst im Paderborner Dom. "Gott hat wohl keinen Platz, wenn Frieden verunmöglicht wird, weil nicht die Gerechtigkeit, sondern der eigene Vorteil, die Pose des Stärkeren und der Deal leitend sind."
Die christliche Weihnachtsbotschaft ist für den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ein Aufruf zu Anteilnahme und Mitgefühl. Weihnachten sei ein drängender Appell, für Menschenwürde, für Frieden und Gerechtigkeit einzustehen und "allen Mächten zu widerstehen, die unsere politische Kultur vergiften und die Gesellschaft spalten".
25.12.2025 11.30 Uhr - Ergänzt um wietere Bischöfe