Standpunkt

Das neue Jahr fängt gut an – dank Gottes Segen

Veröffentlicht am 02.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Katharina Goldinger – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Redewendung "Das fängt ja gut an" ist eher negativ belegt. Doch schon eine andere Betonung kann das ändern, meint Katharina Goldinger. Und mit solch positiven Impulsen könnten Christen auch dem um sich greifenden Fatalismus begegnen.

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Eine wichtige Tagung beginnt - und der Beamer streikt. Man hat Sehnsucht nach dem ersten Kaffee am Morgen – und der Satzbehälter der Kaffeemaschine will geleert werden. Sie verlassen in Eile das Haus, sind spät dran – und das Auto ist mit einer dicken Eisschicht überzogen. Das fängt ja gut an.

Kaum eine Redewendung trägt mehr Seufzer in sich als diese: Das fängt ja gut an. Wer den Satz hört, kann sicher sein: Es ist die pure Ironie, die hier aus demjenigen spricht, der sie verwendet. So oft mir der Satz in den vergangenen Wochen in den Sinn kam, verwob sich der Gedanke mit der Frage, ob er nicht auch anders zu sprechen sei. Letztlich ist der Prüfstein der Tragfähigkeit einer frohen Botschaft gerade der "Seufzermoment" und nicht die Zeit der grenzenlos scheinenden Euphorie.

Oft macht die Betonung den Unterschied. Ob man in diesem Sinne nicht auch – ganz ohne Ironie und mit fester Stimme- sagen sollte: Das fängt ja gut an! Ob man nicht schlicht das Mindset ändern und damit die Welt aus den Klauen des um sich greifenden Fatalismus befreien kann? Genau hier, genau jetzt ist Zeit für die Einlösung des Versprechens Gottes, das wir als Christinnen und Christen in unseren Herzen tragen: Alles wird gut werden. Dabei geht es weniger um die alltäglichen Stressmomente als vielmehr um die großen, die existenziellen Fragen: Wie können wir erfüllt leben, wenn doch alles vergänglich ist? Was gibt dem Leben Sinn? Wo kann ich selbst Teil von Veränderung sein, die auf eine solidarischere, auf eine barmherzigere, auf eine friedlichere Welt abzielt?

Ja, die Welt befindet sich in einer Zeit der Anspannung. Ich wünsche mir sehr, dass es uns als Christinnen und Christen gelingt, aller destruktiven, zerstörerischen Ambitionen zum Trotz, eine überzeugte, standfeste Hoffnung zu setzen: Es fängt ja gut an, das neue Jahr. Frisch und unverbraucht liegt es vor uns und trägt schon jetzt in unerschöpflichem Maße Gottes Segen in sich. Mögen wir, die Menschheit, sich der Verantwortung würdig erweisen, es gut zu gestalten.

Von Katharina Goldinger

Die Autorin

Katharina Goldinger ist Theologin und Pastoralreferentin im Bistum Speyer und Religionslehrerin an einem Speyerer Gymnasium. Sie ist sehr gerne in digitalen (Kirchen-)Räumen unterwegs und ehrenamtlich im Team der Netzgemeinde da_zwischen aktiv.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.