Immer dieselbe Frage sei "nervig"

Ordenschefin Madl beklagt alte Klischees über Ordensfrauen

Veröffentlicht am 05.03.2026 um 08:53 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Frau an der Spitze – und alle fragen, warum: Franziska Madl sieht sich mit alten Klischees konfrontiert und fand ihre Wahl nur folgerichtig. Die Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz wünscht sich mehr Offenheit.

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Die neue Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Schwester Franziska Madl, sieht Frauen in kirchlichen Leitungspositionen weiterhin mit stereotypen Erwartungen konfrontiert. Dass sie als erste Frau an der Spitze der Ordenskonferenz immer wieder auf ihr Geschlecht angesprochen werde, empfinde sie als ermüdend, sagte die Dominikanerin im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress anlässlich des Internationalen Frauentags (8. März).

"Wahrscheinlich ist es nervig, weil es immer dieselbe Frage ist", so Madl. Denn: "Männer werden so nicht gefragt." Ihre Wahl im Herbst 2025 habe sie selbst weniger außergewöhnlich erlebt, als dies medial dargestellt worden sei. Dass sie als erste Frau in dieser Funktion vielfach als historischer Moment wahrgenommen werde, akzeptiere sie, doch für sie war es der nächste logische Schritt sowie Folge ihrer langjährigen Tätigkeit in der Ordenskonferenz.

"Seltsame, exotische Wesen"

Zugleich erkennt die Ordensfrau eine Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung der Ordensfrauen und der Außenwahrnehmung durch die Öffentlichkeit. "Was mir jeden Tag begegnet, sind alte Klischees", so Madl. Nicht selten werde sie als Ordensfrau zunächst als eine Art Kuriosum wahrgenommen: "Wir sind immer noch so seltsame, exotische Wesen." Dazu zähle auch die Verwunderung darüber, dass Ordensfrauen akademisch ausgebildet seien oder Leitungsfunktionen innehätten.

Das verzerrte, klischeehafte Bild von Ordensfrauen in der Öffentlichkeit erklärte Madl mit dem fehlenden Kontakt vieler Menschen mit Ordensfrauen wie -männern – "was zu gegenseitiger Fremdheit führen kann". Generell wünsche sich die Theologin und Psychotherapeutin mehr Offenheit und Interesse an ihrer Lebensrealität. Und: "Mit uns kann man über alles reden", so die Ordensvorsitzende.

Vielen Menschen fehle der Kontakt zu Ordensleuten, sagt Madl.
Bild: ©picture-alliance/Godong/Pascal Deloche (Symbolbild)

Vielen Menschen fehle der Kontakt zu Ordensleuten, sagt Madl.

Ordensgemeinschaften könnten laut Madl ein Modell für gelingendes Zusammenleben sein. Denn in Klöstern lebten oft mehrere Generationen unter einem Dach, getragen von gemeinsamen Regeln und einer spirituellen Ausrichtung. "99,9 Prozent der Ordensgemeinschaften sind ein gutes Beispiel dafür, wie mehrere Generationen zusammenleben. Und dass jeder den Raum hat, in seinem Tempo etwas beizutragen."

Gleichzeitig müssten sich Orden mit schrumpfenden Mitgliederzahlen, Überalterung und Schließungen auseinandersetzen. Entscheidend sei, dabei weder Mut noch Demut zu verlieren. Selbst wenn ein Kloster oder ein Standort ende, gelte: "Wir folgen unserer Berufung und dann ist das, was jetzt dran ist, möglicherweise in unserer religiösen Interpretation der Wille Gottes." Die Zukunft des Ordenslebens hänge nicht von großen Zahlen ab. Auch das Alter sei kein Hindernis: "Man muss ja nicht jung und fit sein, um seine geistliche Berufung sinnvoll zu leben."

Madl: Glaube ist nicht parteipolitisch

Kritisch äußert sich Madl über Versuche, christliche Symbolik parteipolitisch zu vereinnahmen. "Überall, wo es parteipolitisch wird, wird das Christentum meiner Meinung nach verraten." In gesellschaftlichen Debatten beobachte sie zunehmend, dass religiöse Begriffe oder Traditionen als politische Marker eingesetzt würden. Dabei werde das Christentum rasch entlang eines Links-Rechts-Schemas eingeordnet, was seiner eigentlichen Botschaft nicht gerecht werde. Glaube lasse sich nicht auf politische Lager reduzieren, betonte die Ordensfrau. Gerade in polarisierten Zeiten müsse das Christentum vielmehr eine kritische wie verbindende Stimme bleiben. (KNA)