Dialog als Alternative zu Gewalt

Preis für christlich-jüdische Verständigung an Jesuit Rutishauser

Veröffentlicht am 08.03.2026 um 14:15 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Theologie und Gespräche könnten Gewalt und Antisemitismus eindämmen, heißt es in der Würdigung des Einsatzes von Pater Christian Rutishauser. Der Schweizer Jesuit erhielt nun in Köln die Buber-Rosenzweig-Medaille.

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Der Judaist Christian Rutishauser hat am Sonntag für seine Verdienste um Verständigung im interreligiösen Kontext die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten. In seiner Laudatio würdigte Christoph Markschies, Theologe und Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, den christlich-jüdischen Einsatz des Schweizer Jesuiten.

Rutishauser zeige, wie man durch gute Theologie das Gewaltpotenzial reduziere und wie man entschlossen dem Antisemitismus einen Riegel vorschiebe, sagte Markschies. Der Preisträger habe schon früh eine enge Verwandtschaft des jesuitischen und rabbinischen Glaubens- und Weltverständnisses gesehen. Der Laudator sprach dem katholischen Geistlichen einen "praktisch gewordenen Dialog" zu. Er arbeite mit Theologie und Gesprächen Schulter an Schulter gegen Antisemitismus. Damit bezog sich Markschies auf das Jahresthema der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 2026: "Schulter an Schulter miteinander".

Begegnungen als Prävention

Rutishauser zeigte sich dankbar, dass seine Arbeit gesehen werde, denn der Einsatz geschehe im normalen Alltag. Er forderte dazu auf, Juden und Jüdinnen in der heutigen Gesellschaft zu verstehen. "Christen überstülpen ihre Sicht häufig auf die Jüdinnen und Juden", so der Pater. Wichtig sei, die andere Perspektive auch anzunehmen. Neben Bildung und Erinnerungsarbeit sei es eine dauerhafte Aufgabe, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zu vermitteln. Dafür müssten auch "indirekte Wege" gegangen werden, denn die Menschen müssten sich in ihrer Unterschiedlichkeit kennenlernen. Begegnungen beispielsweise bei Kunst und Sport seien Prävention gegen Antisemismus. Der Preisträger appellierte mit Blick auf die aktuellen Konflikte in Nahost, den Dialog als Alternative zu Gewalt anzuerkennen. Jeder Einzelne müsse seine Beziehungen pflegen, an Begegnungen und Freundschaften wieder anknüpfen.

Wüst: Deutschland ist vielfältiges Land

Bei der Preisverleihung im Gürzenich in Köln sprach Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ein Grußwort. Er betonte die Bedeutung des christlich-jüdischen Dialogs in Anwesenheit des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, und des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) unterstrich in seiner Rede, dass es Aufgabe von Deutschland sei, jüdisches Leben sicher und sichtbar zu machen. "Antisemitismus nimmt seit dem Überfall der Hamas mehr Platz in unserer Gesellschaft ein. Wir dürfen nicht zulassen, dass Juden sich unsicher fühlen", so Wüst. Er ergänzte: "Deutschland ist ein vielfältiges Land - und das soll so bleiben."

Frühere Träger der Medaille sind unter anderen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Schriftsteller Navid Kermani und der Sportverband Makkabi Deutschland. 2025 wurden der Historiker Meron Mendel und die Politologin Saba-Nur Cheema ausgezeichnet. Der Preis ist nach den jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929) benannt. Verantwortlich ist der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. (KNA)