Kein Schwerkranker soll sich rechtfertigen müssen
Erzbischof Heße warnt vor Legalisierung der Sterbehilfe

Kein Schwerkranker soll sich rechtfertigen müssen

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße hat vor einer Legalisierung des assistierten Suizids gewarnt. Als Christ lehne er sowohl die organisierte kommerzielle Sterbehilfe als auch die ärztlich assistierte Selbsttötung ab, sagte er am Freitagabend in Hamburg.

Hamburg - 31.10.2015

Stattdessen brauche es einen noch viel stärkeren Ausbau des Palliativ- und Hospizwesens. Er wünsche sich eine Gesellschaft, die zum Leben stehe - "gerade dem der Schwächsten", sagte Heße bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "In Würde sterben" des Hamburger Bundestagsabgeordneten und familienpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Fraktion, Marcus Weinberg. Der Bundestag will am Freitag über eine Gesetzesregelung zur Sterbehilfe abstimmen. 

Ich möchte keine Gesellschaft, in der sich ein Schwerkranker dafür rechtfertigen muss, dass er leben möchte.

Zitat: Erzbischof Stefan Heße

"Ich möchte keine Gesellschaft, in der sich ein Schwerkranker dafür rechtfertigen muss, dass er leben möchte", sagte der Erzbischof. Im Falle einer Legalisierung der Sterbehilfe könnten Sterbende sich gedrängt fühlen, ihrem Leben ein vorzeitiges Ende zu setzen. Christen seien in solchen Situationen besonders aufgerufen zu helfen und anscheinend ausweglose Situationen mit Sinn zu füllen. Auch die Palliativmedizin, deren Ziel nicht Heilung, sondern bestmögliche Lebensqualität für sterbenskranke Menschen ist, leiste hier Enormes.

Heße widersprach denjenigen, die als Argument für eine Legalisierung das Selbstbestimmungsrecht des Menschen ins Feld führen. Selbstbestimmung dürfe nicht mit Autarkie verwechselt werden.

Die Hamburger Palliativmedizinerin Maja Falckenberg warnte vor einem Dammbruch. So sei in den Niederlanden seit der Legalisierung die Zahl der Fälle von "Euthanasie" stetig gestiegen. Von den 4.000 im vergangenen Jahr getöteten Menschen seien rund 600 zu dem Zeitpunkt nicht mehr einwilligungsfähig gewesen. Längst würden zudem auch Neugeborene und psychisch Kranke getötet, so die Anästhesistin. (KNA)