Standpunkt

Wie es Auswege aus Hass und Zerstörung geben kann

Veröffentlicht am 23.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Regina Nagel – Lesedauer: 

Bonn ‐ Wie kann all das, was derzeit an Hass und Zerstörung geschieht, aufgehalten werden? In ihrem Kommentar schreibt Regina Nagel über mögliche Auswege.

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Tag für Tag erreichen uns besorgniserregende, oft verwirrende Informationen aus Kriegsgebieten, begleitet von Bildern einer Zerstörung, von der unzählige Menschen existenziell betroffen sind. Ebenso alltäglich sind realitätsferne, beleidigende und gefährliche Posts des amerikanischen Präsidenten. Aus MAGA- und AfD-Kreisen melden sich zudem Pseudochrist*innen, die das Evangelium so zurechtbiegen, dass es ihren Machtinteressen und ihrem demokratiefeindlichen, menschenverachtenden Weltbild entspricht.

Zum Glück gibt es Stimmen, die mahnen, warnen, aufklären und Widerstand leisten. Darunter sind – neben Menschen unterschiedlichster Weltanschauung – viele Christ*innen, die ihr Handeln am Evangelium ausrichten. Myriaden von Schwestern und Brüdern, so sagte Papst Leo vor wenigen Tagen, halten die Welt aufrecht – trotz der Zerstörungswut mächtiger Tyrannen.

Und doch bleibt die Frage: Kann all das, was derzeit an Hass und Zerstörung geschieht, aufgehalten werden? Gibt es noch einen Ausweg?

"Natürlich gibt es Auswege", sagte die neuropolitische Philosophin Liya Yu vor einigen Wochen in einem Interview mit Harald Lesch. Solange es menschliche Gehirne gebe, bestehe Hoffnung, zukunftsfähige Szenarien zu entwickeln. Allerdings – so ihre Überzeugung – müsse es schnell gehen. Vor allem brauche es die Bereitschaft, zu verstehen, wie unsere Gehirne funktionieren und warum gerade Rechtspopulist*innen oft leichtes Spiel haben, menschliche Schwächen gezielt auszunutzen. In ihrem Buch "Hirn statt Moral" plädiert sie für ein ideologiefreies Verständnis der Prozesse in unserem Kopf und für einen neuen Gesellschaftsvertrag, der Menschen wieder zusammenführt.

Mit ihrem neuropolitischen Ansatz ist Liya Yu derzeit eine gefragte Stimme. Sie zeigt, dass Demokratie oft an den Grenzen unserer kognitiven Fähigkeiten scheitert, weil uns die Anforderungen von Inklusion, Toleranz und Diversität überfordern. Diese Problematik nennt sie "neuropolitische Dissonanz". Zugleich beschreibt sie Wege, wie es gelingen kann, ein liberales, demokratiefähiges und demokratieförderndes Denken in uns zu kultivieren. Es lohnt sich, ihr zuzuhören – gerade dann, wenn man sich angesichts der Nachrichtenlage überfordert und hilflos fühlt.

Von Regina Nagel

Die Autorin

Regina Nagel ist Religionspädagogin, Wirtschaftspsychologin und Autorin. Sie studiert derzeit Geschichte Europas an der FernUniversität Hagen und engagiert sich bei den Omas gegen Rechts Deutschland e.V.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.