"Wenn der Vorhang zerreißt"

Erstes Kirchenlied zu Missbrauch von NGL-Band Ruhama veröffentlicht

Veröffentlicht am 14.05.2026 um 09:39 Uhr – Lesedauer: 
Erstes Kirchenlied zu Missbrauch von NGL-Band Ruhama veröffentlicht
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Würzburg ‐ Wie kann man Missbrauch in der Kirche in der Liturgie aufgreifen? Die Kölner Band Ruhama hat dafür jetzt ein Kirchenlied veröffentlicht. Das Lied greift biblische Motive auf.

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Das wohl erste geistliche Lied, das sich ausdrücklich mit dem Missbrauch in der katholischen Kirche befasst, wird anlässlich des Katholikentags vorgestellt. Die Kölner NGL-Band Ruhama hat das Lied "Wenn der Vorhang zerreißt" gemeinsam mit der gemeinnützigen Rechercheplattform "Correctiv" am Mittwoch veröffentlicht. Die Uraufführung findet am Donnerstag in Würzburg statt. Das Lied greift eine Recherche von "Correctiv" zu Strukturen der Vertuschung bis in den Vatikan auf. Im Rahmen der Recherche wurden auch Vorwürfe gegen den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger erhoben.

Das Lied stammt von den Ruhama-Musikern Thomas Laubach (Weißer) und Thomas Quast. Laubach ist Professor für Theologische Ethik an der Universität Bamberg und Vorsitzender der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs (UKA) in der Erzdiözese Bamberg. Quast ist Vorsitzender Richter am Landgericht Köln und verhandelt als Strafrichter auch Missbrauchsfälle. Mit dem Titel "Wenn der Vorhang zerreißt" greifen die Autoren das Zerreißen des Vorhangs im Tempel von Jerusalem zur Todesstunde Jesu auf. "Der biblische Bezug steht hier für mehr als das Aufbrechen des Schweigens: Der Vorhang trennte im Tempel den heiligsten Innenraum ab, den nur der Hohepriester betreten durfte", erläutert Quast. Was zerreiße, sei also nicht nur ein Tabu, sondern die Mauer um den geschützten Sakralraum selbst.

Aufarbeitungskommission begrüßt Lied

"Schweigen hat zu lange gehalten, noch länger die Mauer aus Angst", heißt es dazu im Lied. Das Bild des Vorhangs wird im Refrain aufgegriffen: "Doch der Vorhang des Tempels zerreißt, ein Schlaglicht erhellt Dunkelheit, und in tiefster Nacht ist Ostern auf dem Weg." Der Text des Liedes wurde vor der Veröffentlichung der UKA Bamberg vorgelegt, die ihn ausdrücklich begrüßt hat. Noten und Text sind online verfügbar, um sie in Gottesdiensten und Andachten zu verwenden.

Laubach ist auch Mitglied im Vorstand des "Verbands für Christliche Popularmusik". Der Verband befasste sich mit der Frage, wie man mit der Musik von Missbrauchsbeschuldigten und -tätern umgehen kann. Im Interview mit katholisch.de betonte Laubach 2024, dass man geistliche Musik nicht allein auf ihren künstlerischen Wert reduzieren könne: "Was ist das für eine Kirche, in der Lieder oder Texte oder Kunstwerke von Menschen in den Gottesdienst integriert werden, deren Handeln dem Evangelium diametral entgegenstand? In der Auswahl der Kunstwerke, die wir liturgisch nutzen, zeigt sich, wie sich die Kirche selbst versteht, wie sich die Glaubensgemeinschaft selbst versteht."

Die Gruppe Ruhama besteht seit 1984. Der Name geht auf das biblische Buch Hosea zurück: Ruhama ist die Tochter des Propheten Hosea und seiner Frau Gomer und bedeutet etwa "Erbarmen finden". Zu den bekanntesten Liedern von Ruhama gehören "Da berühren sich Himmel und Erde" und "Keinen Tag soll es geben". (fxn)

Zum Musikvideo, Text und Noten

Alle Kirchen und Gemeinden sind konfessionsübergreifend eingeladen, "Der Vorhang zerreißt" in ihren Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen zu singen. Noten und Text stehen online zur Verfügung.

Außerdem wurde ein Musikvideo veröffentlicht.