Die äußeren Schäden sind beseitigt
Ein Jahr nach dem Brandanschlag wartet Vorra auf die ersten Flüchtlinge

Die äußeren Schäden sind beseitigt

Flüchtlinge - Der Anschlag platzte in die Vorweihnachtszeit: Vor einem Jahr steckten Unbekannte in Vorra eine geplante Asylbewerberunterkunft in Brand. Wer die Täter waren, ist weiter unklar. Jetzt kommen die ersten Flüchtlinge.

Von Klaus Tscharnke (dpa) |  Vorra - 11.12.2015

Die offensichtlich ausländerfeindliche Tat katapultierte die kleine Gemeinde im idyllischen Pegnitztal über Nacht in die Schlagzeilen. Was damals entsetzte Politiker und Bürger allerdings noch nicht ahnten: Die brennenden Flüchtlingsheime von Vorra waren nur der Beginn einer traurigen bundesweiten Serie von Anschlägen auf Asylbewerberheime. Nach Angaben von Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) gab es in diesem Jahr allein in Bayern 54 Fälle von "politisch motivierter Kriminalität" gegen Asylunterkünfte. Deutschlandweit waren es in den ersten neun Monaten 505 Fälle.

Ein Jahr später nun soll nach Angaben des evangelischen Pfarrers Björn Schukat die ausgefallene Empfangsparty für die jetzt doch in Vorra einquartierten Asylbewerber nachgeholt werden. "Die Mitarbeiter im Ehrenamtskreis sitzen bereits in den Startlöchern", erzählt er. Denn eine der ausgebrannten Flüchtlingsunterkünfte, das Wohnhaus in der Hauptstraße, ist inzwischen saniert. Der Regierung von Mittelfranken zufolge sollen in das für 18 Personen gedachte Gebäude Mitte Dezember die ersten Asylbewerber einziehen. Seit drei Wochen überwacht ein Sicherheitsdienst das weiß verputzte Wohnhaus rund um die Uhr.

Täter sind noch immer nicht gefunden

Dagegen dürfte der bei dem Anschlag ausgebrannte "Gasthof zur Krone" nach der Behördenplanung erst im April kommenden Jahres als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stehen. Dort sollen einmal 52 Asylbewerber unterkommen. Rein äußerlich erinnert kaum noch etwas an die Brandnacht. Das im vorderen Gebäudeteil frisch gedeckte Dach und die beige gestrichene Fassade verleihen dem Gebäude ein gefälliges Aussehen. Im Inneren aber gleicht es noch immer einem Rohbau.

Bundesweit gab es in diesem Jahr bislang 5050 Fälle von "politisch motivierter Kriminalität" gegen Asylunterkünfte.

Wer in der Frostnacht vom 11. auf den 12. Dezember 2014 die Brandsätze ins Treppenhaus warf, bleibt auch ein Jahr nach der Tat ungeklärt. Am Engagement der Kripo-Sonderkommission liegt es nach Ansicht der Leiterin des Asyl-Helferkreises, Elisabeth Peterhoff, nicht: "Ich bin der Überzeugung, dass sich die Polizei hier wirklich reingehängt hat." Nach Angaben der Nürnberger Polizeisprecherin Elke Schönwald ging die 20-köpfige Soko 79 Hinweisen aus der Bevölkerung nach und überprüfte rund 1.000 Spuren. Zur Soko-Bilanz gehören zudem 1.320 Vernehmungen und Befragungen.

"Hoppla, die sind ja ganz nett"

Auch dem Bürgermeister der 1.700-Seelen-Gemeinde, Volker Herzog (SPD), wäre wohler, die Täter stünden fest. Die fehlende Gewissheit, dass der Täter nicht aus dem Dorf stammt, habe in Vorra zeitweilig zur Verunsicherung geführt, räumt Herzog ein. Inzwischen sei aber längst wieder Ruhe eingekehrt. "Gott sei Dank haben die Verdächtigungen die Gemeinde nicht aufgespalten", sagt er heute. Und die Bereitschaft, in Vorra Flüchtlinge aufzunehmen, sei so groß wie vor einem Jahr.

Dass der oder die Täter aus der Dorfgemeinschaft kommen, schließt auch Pfarrer Schukat aus. "Ich bin zwar erst zwei Jahre hier. Aber da bin ich mir 100 Prozent sicher, dass Vorra nicht braun ist", macht der Geistliche deutlich. Im Gegenteil: In all den Monaten habe es nie Kritik an der Arbeit des Asyl-Helferkreises gegeben. Eher hätten sich zuletzt die Hilfsangebote in der Bürgerschaft verstärkt. Und Dank der zunehmenden Kontakte zu den im Nachbarortsteil Alfalter untergebrachten Flüchtlingen gebe es so gut wie keine Vorbehalte im Dorf, sagt Schukat. "Wenn die Leute mit den Asylbewerbern in Kontakt kommen, merken viele 'Hoppla, die sind ja ganz nett'."

Linktipp: Chronologie der Schande

Im Baden-Württemberg hat in der Nacht zu Samstag ein geplantes Flüchtlingsheim gebrannt. Das Feuer reiht sich ein in eine immer länger werdende Liste von Anschlägen. Katholisch.de dokumentiert einige Fälle der vergangenen Monate.

Von Klaus Tscharnke (dpa)