Ferdinand, der "Katholische König"
Vor 500 Jahren starb ein Wegbereiter des modernen Spanien

Ferdinand, der "Katholische König"

Geschichte - An der Seite seiner Frau Isabella I. prägte er eine Epoche, die Spanien und die Welt verändern sollte: König Ferdinand II. von Aragon. Am 23. Januar jährt sich der Todestag des auch durch die "Reconquista" bekannt gewordenen Herrschers zum 500. Mal.

Von Andreas Drouve (KNA) |  Granada - 23.01.2016

Schauplatz war Granada, wo sich der Herrscher Boabdil ergab. Damit fand die "Reconquista" nach fast 800 Jahren muslimischer Herrschaft ihren Abschluss. Diese Rückeroberung stand im Zeichen des Kreuzes und unter der Schutzherrschaft des heiligen Jakobus.

Inquisition und Kampf gegen Juden und Muslime

In der Innenpolitik kamen in Ferdinands Ära die Einführung der Inquisition, die Vertreibung der Juden und Zwangsbekehrungen muslimischer Glaubensfeinde hinzu. Außenpolitisch teilten sich Spanien und Portugal 1494 durch den Vertrag von Tordesillas vorsorglich ihre kommenden Besitztümer in der "Neuen Welt" auf. Lateinamerika wurde künftig teils spanisch, teils portugiesisch geprägt.

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Heute wird im spanischen Parlament aus Kronprinz Felipe der neue König: Felipe VI. Von seinem Vater Juan Carlos erbt er auch den Titel der "Katholischen Majestät". Schon seit Jahrhunderten führen Spaniens Könige diesen einst vom Papst vergebenen Ehrentitel. Trotzdem werden bei der schlichten Krönungszeremonie im Plenarsaal des Parlaments religiöse Symbole fehlen.

Ferdinand, auf Spanisch Fernando, stammte aus Sos del Rey Catolico, heute ein pittoreskes Steindorf im Norden Spaniens. Der Beiname des Ortes "Rey Catolico" bedeutet "Katholischer König". Dieser Ehrentitel wurde Ferdinand Ende des 15. Jahrhunderts von Papst Alexander VI. (1492-1503) verliehen, jenem berühmt-berüchtigten Renaissancefürsten aus der spanischen Dynastie der Borgia. Isabella durfte sich fortan "Katholische Königin" nennen.

Die "Katholischen Könige" waren freilich nicht gläubiger als andere. Ihr Wirken war vorrangig von politischen Überlegungen geleitet, wohl nicht von außerordentlichem Weitblick gelenkt. Über weltpolitische Visionen dürften ein 17-Jähriger und eine 18-Jährige - so alt waren Ferdinand und Isabella zum Zeitpunkt ihrer Heirat in Valladolid - nicht verfügt haben.

In der historischen Rückschau bedeutete ihr Eheschluss allerdings nicht nur, dass die Reiche Kastilien und Aragonien, also weite Teile der Iberischen Halbinsel, künftig eng verknüpft sein würden. Die Eheunion bereitete auf längere Sicht den Boden zur Entstehung des modernen spanischen Nationalstaates, der gesamtspanischen Monarchie und des Aufstiegs im 16. Jahrhundert zur Kolonial- und Weltmacht. Zudem legten die "Katholischen Könige" die Grundlagen des spanischen Staatskirchentums.

In der Capilla Real in Granada liegen König Ferdinand II. (1452-1516) und seine Frau Isabella begraben.

Nach dem Tod seiner Frau Isabella 1504 übernahm Ferdinand zunächst die Regentschaft auch in Kastilien. Kurzzeitig gab er sie an seinen Schwiegersohn Philipp den Schönen, den Gemahl seiner Tochter Johanna (genannt "die Wahnsinnige"). Nach Philipps frühem Tod 1506 übernahm Ferdinand die kastilische Herrschaft aufs Neue. Er heiratete in zweiter Ehe Germaine de Foix, eine Nichte des Königs von Frankreich. Unter Ferdinands Führung wurde 1512 die letzte fehlende Krone, die des Königreichs Navarra, in die entstehende spanische Monarchie eingegliedert.

Bestattet in der Capilla Real von Granada

Ferdinand II. starb am 23. Januar 1516 in Madrigalejo in der Extremadura. Begraben liegt er, zusammen mit Isabella, im andalusischen Granada in der Königlichen Kapelle, Capilla Real. Dort findet am 500. Todestag ein großer Gottesdienst statt. Auch in seinem Sterbeort Madrigalejo stehen Gedenkfeierlichkeiten für den "Katholischen König" an.

Von Andreas Drouve (KNA)