Die Regensburger Initiative "Keine Bedienung für Nazis" ist mit dem Preis "Das unerschrockene Wort" für ihre Zivilcourage ausgezeichnet worden.
Regensburger Gastwirte bekommen Zivilcourage-Preis

Kein Bier für Nazis

Auf einmal standen sie im Schankraum des "Picasso" in Regenburg und droschen auf den Kellner ein. Die Neonazis fühlten sich provoziert, weil der Wirt sie wenige Tage zuvor zurechtgewiesen hatte, als einige von ihnen eine farbige Frau und deren Kind anpöbelten. Das war im Sommer 2010. Der Schock saß tief, und es dauerte eine Weile, bis die Regensburger ihre Lehren aus der Attacke zogen.

Eisleben - 13.04.2013

Einige Wirte wollten ein Zeichen setzen: sie schlossen sich zusammen und gründeten die Initiative "Keine Bedienung für Nazis", die sich vorgenommen hat, Rechtsradikalen in den Regensburger Kneipen keine Heimat mehr zu bieten.

Jetzt werden die Gastwirte für diese Initiative ausgezeichnet. Die 16 deutschen Lutherstädte haben sich von dem Luther-Wort "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" zu einem Preis inspirieren lassen, der Persönlichkeiten auszeichnet, die im Sinne des Reformators Martin Luther Zivilcourage gezeigt haben. Der Preis "Das unerschrockene Wort" ist mit 10.000 Euro dotiert und ehrt Menschen und Initiativen, die von einer Sache überzeugt sind, Risiken in Kauf nehmen und trotzdem Stellung beziehen.

Wirte beziehen Stellung

Stellung beziehen wollten auch die Wirte in Regensburg. Den Gründern der Initiative ging es nicht nur um kurzfristige Solidarität. "Wir wollten das Problem dauerhaft ansprechen - und lösen", erklärt Ludwig Simek, Sprecher der Initiative. Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Rassisten werden hier nicht bedient" prangt seitdem in pinken Lettern am Eingang jener Betriebe, die sich beteiligen. "Rassismus ist das Bundeglied zwischen dem Alltagsrassismus der Stammtische und den Gewaltbereiten Neonazis, die daraus ihre Kraft schöpfen und mit diesem Nährboden zu Gewalttätern und Mördern werden." Es gehe dabei nicht um bloße Symbolik, der Aufkleber sei eine nützliche Argumentationshilfe, wenn es darum gehe, Störenfriede möglichst höflich hinauszukomplimentieren.

Rechtsextreme demonstrieren in deutschen Städten.

Rechtsextreme demonstrieren in deutschen Städten.

Simeks Bilanz fällt positiv aus: Zu Beginn waren es 130 Wirte, die keine Rassisten bedienen wollten - mittlerweile sind es fast 170. Jeder kann sich die Aufkleber aus dem Internet herunterladen und sich unbürokratisch der Initiative anschließen. Eine Broschüre gibt zudem Tipps , welche Symbole in der Szene gerade aktuell sind oder wann man genauer hinschauen sollte, wer da eigentlich eine Versammlung in den eigenen vier Wänden abhalten möchte und warum. Vor allem an Geburts- oder Todestagen einschlägiger Größen des NS-Regimes oder Jahrestagen zentraler Ereignisse pflegen Neonazis gerne in der Öffentlichkeit ihre Opfermythen. Zudem klärt die Broschüre über die Aktivitäten führender Rechtradikaler im Landkreis Regensburg auf.

Initiative ist Exportschlager

Die Initiative ist mittlerweile eine Art Exportschlager: Wirte der Städte Landshut, Schwandorf, Passau, Coburg, Nürnberg, Neumarkt in der Oberpfalz und Hersbruck haben sich die Aktion bereits zu Eigen gemacht. Und wenn "Keine Bedienung für Nazis" am heutigen Samstag den Luther-Preis in der Petrikirche in Eisleben verliehen bekommt, hofft Simek, werden noch mehr Menschen auf die Initiative aufmerksam: "Der Preis ist Ehre und Ansporn für uns. Wir hoffen, dass andere Städte da auch mitmachen, so dass wir irgendwann bundesweit aktiv sind und keine Gaststätte in Deutschland mehr Rassisten bedient."

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb Simek die Auszeichnung viel bedeutet: "Der Staat zieht sich immer weiter zurück, wenn es um den Kampf gegen Rechts geht: Fördertöpfe werden gekürzt oder ganz eingestellt, wichtige Initiativen wie 'Exit' müssen ums Überleben bangen - und das gerade jetzt, kurz vor dem NSU-Prozess." Daher hat der Luther-Preis für ihn vor allem symbolische Bedeutung: "Es zeigt, dass die Kirchen das Problem erkannt haben und sich dem annehmen, da auch mal Geld locker machen, und ein Zeichen setzen."

Von Michael Richmann