Schachfigur
Joachim Valentin über Udo Lindenberg und dessen Phantastereien

Hinterm Horizont geht's weiter…

Joachim Valentin über Udo Lindenberg und dessen Phantastereien

Von Joachim Valentin |  Bonn - 18.05.2016

…ein neuer Tag; hinterm Horizont, einfach weiter, gemeinsam sind wir stark" – so schrieb Udo Lindenberg nach dem viel zu frühen Tod seiner Hamburger Gefährtin Gabi Blitz nicht ohne weltanschauliche Tiefe und emotionale Ergriffenheit. Er traf mit diesem und anderen Songs zielgenau einen religiösen Ton wie er für eine Mehrheit unserer Zeitgenossen auch in den Texten eines Herbert Grönemeyer durchaus tolerabel zu sein scheint, und wie er sich – nur im Ton seriöser – auch im Wort des Religionsphilosophen Gabriel Marcel niederschlägt "'Ich liebe dich' sagen, heißt sagen: 'Du sollst nicht sterben'".

Udo Lindenberg ist gestern 70 Jahre alt geworden und gilt sicher nicht als ein Ausbund an Frömmigkeit und bürgerlicher Moral. Vielmehr positioniert er sich selber als diesseitsorientierten Skeptiker. "Es kann so schön im Himmel wie auf Erden, schön flexibel und reich an Vielfalt werden" singt er und sagt: "Ich interessiere mich für Religion, aber nicht, weil ich jeden Tag Halleluja singe und so". Vielmehr sieht er realistisch "den religiösen Fanatismus, ich sehe, wie Leute eben nicht ins Gespräch kommen, um endlich Frieden hinzukriegen auf dem kleinen, blauen, zerbrechlichen Planeten".

Ist Udo Lindenberg "einer von uns"? Jedenfalls ist er für viele eine 'Institution', glaubwürdig in seiner coolen Hilflosigkeit und seinen mutig-verrückten Phantastereien. Es geht ihm um etwas, Liebe ist wichtig und stark, es ist nicht egal, was aus Himmel und Erde wird, und man darf sich auch mal lächerlich machen, wenn es um etwas Wichtiges geht.

Dafür, dass er nicht nur träumt, sondern sich immer wieder ganz konkret für gesellschaftliche Ziele, wie etwa die deutsche Wiedervereinigung, stark gemacht hat, kann man auch als Katholik zum Geburtstag ruhig mal "Danke" sagen und ihm ordentlich "power" für die nächsten Jahre wünschen.

Der Autor

Joachim Valentin ist Direktor des katholischen Kultur- und Begegnungszentrums "Haus am Dom" in Frankfurt am Main und stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen.

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Von Joachim Valentin