Militärpfarrer haben einen Kreuzweg für Einsteiger konzipiert

"Lourdes ist immer eine Einführung"

Aktualisiert am 22.05.2016  –  Lesedauer: 
Soldatenwallfahrt
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Lourdes ‐ Soldaten aus 40 Nationen sind zur Wallfahrt nach Lourdes gekommen. Viele von ihnen wollen Botschaft und Lehre der Kirche besser verstehen. Deshalb gibt es für sie einen besonderen Kreuzweg.

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"Jeder Weg, den ich gehe, hat nicht nur mit mir zu tun, sondern auch mit meinen Begleitern", erklärt Plümper. Auf dem steilen Weg hinter der Rosenkranzbasilika will er deshalb nicht mit ihnen beten, sondern dabei helfen, sich in den Figuren der 15 Stationen wieder zu finden. "Lourdes ist immer eine Einführung", sagt Militärdekan Hans-Richard Engel. Die Krux an der Kirche sei, dass sie immer ihren ganzen Reichtum an Glauben und Tradition anbieten will, die meisten Menschen aber bei Null anfangen würden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Plümper hat er deshalb den "Kreuzweg für Einsteiger" zur Internationalen Soldatenwallfahrt konzipiert. Damit wollen sie einen Wunsch vieler Gläubiger erfüllen, den sie häufig spüren würden: die Geheimnisse der Kirche verständlich erklären.

Immer weiter weg vom Trubel in Lourdes

Sehr zahlreich sind die Gläubigen in Flecktarn heute jedoch nicht erschienen. Gut ein Dutzend Teilnehmer haben sich am Rand des Heiligen Bezirks versammelt. Darunter auch Soldaten aus der Panzerbrigade, in der Plümper stationiert ist. Man kennt sich und vor allem schätzt man sich. Unter der Führung des Geistlichen ziehen die Zuhörer durch die warme Vormittagssonne, immer weiter weg vom Trubel des Marienwunderlandes Lourdes.

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Militärpfarrer Jörg Plümper spricht mit den Soldaten über die Verurteilung Jesu vor Pilatus.

Die Soldaten sollen auf dem Weg aber keine Ruhe finden, sondern sich selbst entdecken. Dazu übersetzt Plümper die Stationen des Kreuzwegs in Bilder, die für die Uniformierten verständlicher sind. Dem lebensgroßen Christus an der zweiten Station wird das Kreuz nicht einfach aufgeladen, er scheint es geradezu ungeduldig in seinen offenen Armen zu erwarten. Sich gegen eine schwere Aufgabe zu wehren, ist zuweilen zwecklos, stattdessen muss man sie bereitwillig annehmen, erklärt Plümper. "Dass die Familie hinter einem steht, ist eines der höchsten Güter", sagt er an der vierten Station, der Begegnung Jesu mit seiner Mutter. Jedem Soldaten dürfte spätestens im Auslandseinsatz selbst erfahren haben, wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckt.

Nach einer Stunde Schweigen beten die Soldaten leise

Zur Mittagszeit ist die Gruppe auf dem Gipfel des Hügels angekommen, die Bäume bieten willkommenen Schatten. Durch das Laubwerk der Kronen hebt sich die Kreuzigungsgruppe in den Himmel. Der Geistliche deutet auf die weinende Maria und sagt zur Gruppe: "Es ist für alle Eltern das Schlimmste, wenn ihr Kind vor ihnen stirbt." Dieses Bild macht auch beim zivilen Zuhörer Eindruck. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn das eigene Kind im Sarg aus dem Einsatz zurückkehrt? Und dann wird auch gebetet, das Vaterunser. Ein Gebet für Einsteiger, weil es jeder mitsprechen kann. Nach einer Stunde Schweigen und Nachdenken beten die Soldaten sehr leise.

"Bilder oder sogar Piktogramme sind leichter zu verstehen", erklärt Militärpfarrer Plümper beim Abstieg zurück zur Basilika seinen Ansatz. Er weiß, dass er es oft mit Menschen zu tun hat, deren religiöses Wissen sehr gering ist. Darum versuche er, sich verständlich, aber nicht banalisierend auszudrücken. Er habe festgestellt, sagt der Pfarrer, dass gerade diejenigen mit niedrigerem Bildungsniveau Wert darauf legen würden, herausgefordert zu werden. "Die sagen: Wir sind erwachsene Menschen, wir wollen auch so behandelt werden." Diese Haltung findet man in seiner Kreuzwegbetrachtung wieder: Was er sagt, ist anders, aber nicht die Art, wie er es sagt. Gäbe es eine pastorale Durchschnittssprache, Plümper beherrschte sie fließend.

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Die Soldaten schätzen ihren Pfarrer: "Mit ihm kann mal auch bei Bier und Bratwurst miteinander reden."

"Das macht ihn so authentisch", sagt Hauptmann Matthias Weishäupl, der in jener Panzerbrigade in Nordrhein-Westfalen dient, der Plümper als Standortpfarrer zugeordnet ist. Der Einsteiger-Kreuzweg, wie überhaupt die Angebote seines Pfarrers, gefallen dem Katholiken gut. "Er spricht die Sprache, die die Soldaten hören sollen." Ein weiterer Pluspunkt Plümpers: Man sehe ihn oft "in Grün". Vor seinem Theologiestudium hatte der Priester selbst seinen Wehrdienst geleistet. Daher kennt er den Betrieb Bundeswehr von innen. Heute lege er viel Wert darauf, immer bei seinen Soldaten zu sein; ob einen Tag lang auf dem Schießstand oder eine Woche im Geländetraining. Bei der Truppe kommt dieses Engagement sichtlich gut an.

Rauskommen, abschalten, mit dem Pfarrer sprechen

Leutnant Carola Schuster, ebenfalls aus der westfälischen Panzerbrigade, weiß diese Erreichbarkeit ihres Seelsorgers sehr zu schätzen. "Da kann man auch mal abends bei Bier und Bratwurst miteinander reden." Ein so guter Kontakt sei besonders im Auslandseinsatz wichtig. Ihre Einheit war bereits im afghanischen Masar-e Sharif. Und in ein paar Tagen steht für Schuster die nächste Mission an: vier Monate Kosovo. Die junge Frau sieht dem Einsatz gelassen entgegen, zumal sie keinen Partner in der Heimat lassen würde, was den Abschied noch erschweren würde. Trotzdem tue es ihr besonders gut, in Lourdes zu sein. Weniger wegen der Gebete. Noch einmal raus kommen, abschalten, andere Menschen treffen, vielleicht auch mit dem Pfarrer sprechen. Nur zur Ruhe kommen wird sie im Marienwunderland Lourdes wohl kaum.

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Von Kilian Martin