Sarah: Priester sollen Richtung Osten zelebrieren
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Kurienkardinal kritisiert aktuelle liturgische Praxis

Sarah: Priester sollen Richtung Osten zelebrieren

Sakramente - Das Konzil habe niemals verlangt, zum Volk hin zu zelebrieren, sagt Kurienkardinal Robert Sarah. Gleichzeitig kritisiert er, dass heute viele Liturgien den Charakter von Theatervorstellungen hätten.

Paris - 31.05.2016

Vielmehr hätten die Konzilsväter die Notwendigkeit für alle betont, "in die Teilnahme am gefeierten Mysterium einzutreten", so der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung weiter. Die Zelebration dem Volk gegenüber sei durch die Konstitution "Sacrosanctum Concilium" möglich, aber nicht verpflichtend. Es gehe darum, "Christus uns ergreifen zu lassen und uns mit seinem Opfer zu verbinden". Die Orientierung der versammelten Gemeinde zum Herrn hin sei ein einfaches und konkretes Mittel zur Förderung der wahren Teilnahme aller an der Liturgie.

"Dabei handelt es sich nicht, wie man manchmal hören kann, darum, mit dem Rücken oder mit dem Gesicht zum Volk hin zu zelebrieren", erklärte Sarah. Das Wichtige sei nicht, den Priester zu sehen, sondern einen gemeinsamen Blick auf den Herrn zu werfen. Durch das Anschauen des Volkes und das Sprechen zu ihm laufe der Priester zudem Gefahr, sich selbst als das Zentrum der Aufmerksamkeit zu empfinden. Bereits im Juni 2015 hatte Sarah im italienischen "Osservatore Romano" vorgeschlagen, dass die Priester und die Gläubigen sich wenigstens während des Bußritus, des Glorias, des Tagesgebets und des eucharistischen Hochgebetes nach Osten hin ausrichten.

Sarah: Kirchenkrise ist eine Krise der Eucharistie

Die Forderungen dürften laut Sarah auch nicht als Rückschritt verstanden werden. Man müsse zwar feinfühlig und pädagogisch vorgehen. Zugleich könne man aber auch fragen, ob die gegenwärtige "Art und Weise der Zelebration den Glauben an die Eucharistie, an die Realpräsenz Gottes wachsen lassen" habe. Sarah glaubt das nicht, sondern sieht die Liturgie vielmehr in Gefahr. Er sei überzeugt, "dass die ganze Krise, die die Kirche erfährt – die Krise der religiösen Praxis, die doktrinäre Krise, die moralische und die spirituelle – daher kommt, dass die Gegenwart Gottes in der Eucharistie nicht wahrgenommen, das heißt in der Praxis negiert wird".

Insgesamt stelle Sarah fest, "dass viele unserer Liturgien den Charakter von Theatervorstellungen haben". Oft zelebriere der Priester nicht mehr die Liebe Christi durch sein Opfer, sondern eine Begegnung unter Freunden, ein Gemeinschaftsmahl, einen Moment brüderlichen Beisammenseins. "Wenn sich die eucharistischen Zelebrationen jedoch in menschliche Selbstzelebration transformieren, ist eine immense Gefahr im Verzug, denn Gott verschwindet."

Bereits im April hatte Sarah gemeinsam mit dem US-Kardinal Raymond Leo Burk eine Banalisierung der Sakramente beklagt. Vielen Gläubigen und selbst manchen Priestern fehle heute das Verständnis und die Ehrfurcht vor den Riten, so die beiden Kardinäle bei einer Buchvorstellung in Rom. Damals kritisierte Sarah, dass der Tabernakel, in dem die geweihten Hostien aufbewahrt werden, nach dem Konzil in den meisten Kirchen vom Zentrum an einen untergeordneten Platz neben dem Altar gerückt worden sei. Dabei sei die Hostie der eigentliche Orientierungspunkt hin zu Gott. (bod)