Die Kirche des Christkinds jubiliert
Nürnberg feiert 200 Jahre katholische Frauenkirche

Die Kirche des Christkinds jubiliert

Erzbistum Bamberg - Vor 200 Jahren wurde den Katholiken in Nürnberg die Frauenkirche als Pfarrkirche übergeben. Sie ist Magnet für Gläubige der Stadt und für Touristen aus aller Welt. Am Wochenende wird das Jubiläum begangen.

Von Marion Krüger-Hundrup (KNA) |  Nürnberg - 18.06.2016

Das Spektakel erinnert an die 1356 von Kaiser Karl IV. erlassene "Goldene Bulle", mit der die Wahlordnung für den deutschen König festgelegt wurde. Und dass dieser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten hatte.

"Oh, what a nice museum!", "ein schicker Raum" - so manchem Besucher aus dem In- und Ausland ist den Ausrufen nach zu urteilen kaum bewusst, dass es sich bei "Unserer Lieben Frau" um eine Kirche handelt. Vom Balkon aus eröffnet jedes Jahr im Advent eine rauschgoldengelhaft verkleidete junge Stadtschönheit den weltberühmten "Christkindlesmarkt". Deswegen müssen die Bewerberinnen um dieses Wahlamt schwindelfrei sein.

Konfessionell bewegte Vergangenheit

Doch die Frauenkirche, ein Kleinod der Spätgotik, ist nicht nur dankbare Kulisse für allerlei Events und beliebtes Fotomotiv. Mitten im Trubel lädt sie zum Innehalten ein. Menschen entzünden Opferkerzen und nehmen zum stillen Gebet auf den Bänken Platz. Die fotografierenden Touristen staunen. Für den Sonntag hat sich hoher Besuch angekündigt: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick feiert in Nürnberg einen Festgottesdienst und spendet dabei zwei erwachsenen, konvertierten Frauen das Sakrament der Firmung. Es gibt ein kleines Jubiläum zu feiern.

Das "Männleinlaufen" im Giebel der Nürnberger katholischen Frauenkirche.

Das Gotteshaus hat eine konfessionell bewegte Vergangenheit. 1525 wurde in der freien Reichsstadt die Reformation eingeführt und damit die Frauenkirche evangelisch. 1806 kam Nürnberg zum neuen Königreich Bayern, zum ersten Mal in der Neuzeit konnten die Christen der Stadt ihre Konfession frei wählen. 1816, also vor 200 Jahren, wurde den Katholiken die Frauenkirche übergeben - in einem erbärmlichen Zustand, ohne jede Inneneinrichtung. Aus Beständen säkularisierter Klosterkirchen erhielt sie dann eine neue Ausstattung.

Pfarrer Markus Bolowich macht von dieser Geschichte kein großes Aufheben. Für ihn ist das Gotteshaus "durchbeteter Raum seit dem 14. Jahrhundert". Baumeister war vermutlich Peter Parler (um 1330-1399), der Schöpfer des berühmten Veitsdomes in Prag. "Vernünftig predigen" ist auch für den katholischen Pfarrer das Gebot der Stunde. Zumal bei dem internationalen Publikum, das ins Sightseeing zwischen Burg und Germanischem Nationalmuseum auch eine Messfeier einplant.

Junge Kirchgänger und Obdachlosenfrühstück

"Neun von zehn Gottesdienstbesuchern kommen nicht aus dem Pfarrgebiet", erzählt Bolowich und freut sich über das jugendliche Durchschnittsalter von 34 Jahren seiner Kirchgänger. "Wir kochen auch nur mit Wasser, aber es ist schön, dass die Leute sich hier angenommen fühlen", wehrt der Pfarrer die Frage nach seinem "Geheimrezept für eine volle Kirche" ab.

Programm: 200 Jahre Pfarrei Unsere Liebe Frau in Nürnberg

Zum Jubiläumsjahr feiert Nürnberg am Samstag, 18.06., 20.00 Uhr einen Historischen Abend mit Ausstellungseröffnung in der Frauenkirche und am Sonntag, 19.06., 10.00 Uhr einen Festgottesdienst mit Erzbischof Ludwig Schick. (luk)

Für eine lebendige Gemeinde sorgt Bolowich mit seinem kleinen Team von Hauptamtlichen und ein paar Ruhestandspriestern aber nicht allein. Seit 25 Jahren richten Ehrenamtliche ein Obdachlosenfrühstück aus und bewirten dabei regelmäßig weit über 100 Menschen. Immer wieder finden Flüchtlinge bei "Unserer Lieben Frau" in Nürnberg Kirchenasyl. Und für kunsthistorische Kirchenführungen haben sich 40 Frauen und Männer eigens schulen lassen.

Was wünscht sich der Pfarrer für die nächsten 200 Jahre? Bolowich überlegt nicht lange: "Dass sie eine offene Kirche bleibt, und dass eine hörende Gemeinde wach ist für die Zeichen der Zeit und Gottes Stimme."

Von Marion Krüger-Hundrup (KNA)