Die fertig renovierte Kirche
Bild: © privat
Ehrenamtliche machten Kirchensanierung möglich

Damit die Kirche im Dorf bleibt

Ehrenamt - De kleine Kirche St. Otmar war schon einige Jahre in einem desolaten Zustand. Im Frühjahr wollte ein Gemeindemitglied das nicht länger hinnehmen – und gab Anstoß für eine beispiellose Renovierungsaktion.

Von Johanna Heckeley |  Niedereschach - 01.08.2016

Vor etwa acht Jahren war zwar der Chorraum der Kirche renoviert worden, "für das Kirchenschiff hat allerdings das Geld nicht gereicht", erzählt Stefan Fornal. Er ist Diakon und Gemeindemitglied. Über die Jahre konnte keine Lösung gefunden werden, unterdessen sammelten sich im Chorraum schon wieder Ruß und Dreck an den Wänden. "Das hat Helmut Zehnder, der auch Chorvorstand ist, keine Ruhe gelassen. Der wollte schon Farbe kaufen und einfach loslegen!", erzählt Fornal. "Aber so einfach geht das ja nicht, eine solche Renovierung muss vom Ordinariat genehmigt und begleitet werden."

Stefan Fornal, der hauptamtlich im Gebäudemanagement der Verrechnungsstelle für Kirchengemeinden in Villingen arbeitet, fragte beim Bistum nach – und weil er gelernter Zimmermeister und Gebäudeenergieberater ist und das Erzbistum Freiburg keine Einwände hatte, wurde er mit der Betreuung der Arbeiten beauftragt. Fornal stellte eine Kostenberechnung auf, schrieb einen Sachbericht und kam in Zusammenarbeit mit der Finanzabteilung zu dem Schluss, dass die Pfarrei sich die Sanierung leisten kann – vorausgesetzt, die Arbeiten werden größtenteils ehrenamtlich erledigt. Auch das wurde vom Bistum genehmigt. "Durch die Begutachtung des Bistums habe ich erst gemerkt, dass da viel mehr Arbeit drin steckt, als ich zuerst dachte", berichtet Helmut Zehnder. "Ich war von einem Projekt von zwei, drei Tagen ausgegangen." Aber das schreckte den gelernten Fernmeldetechniker nicht ab – im Gegenteil.

"Helmut Zehnder hat dann einen Aufruf in der Gemeinde gestartet und um Mithilfe gebeten", so Stefan Fornal. "Ab da lief es eigentlich von alleine." Kirchenbänke ausbauen, Wände im Kirchenschiff abfräsen, neu verputzen und streichen, neue Elektrik und neuen Boden verlegen – das schafften die Ehrenamtlichen in 13 Wochen und rund 600 Arbeitsstunden. "Da war ein harter Kern aus etwa zehn Männern, die meisten Rentner – rüstig und tatkräftig", erzählt Fornal. "Und auch viele, die hin und wieder mal Hand angelegt haben – und das längst nicht alles Kirchgänger!" Ein "super Team" sei das gewesen, erinnert sich auch Zehnder. "Wir haben morgens etwa vier Stunden gearbeitet, sodass noch etwas Zeit blieb. Es war schon anstrengend, aber es sind alle bei der Stange geblieben." .Weil sie bei den Malerarbeiten nichts falsch machen wollten, beauftragte Fornal eine Maler- und Restaurationsfirma mit der technischen Leitung bei Putz und Farbe. Auch das Gerüst wurde von einer Fachfirma aufgestellt.

Die Spezialfirma schliff kostenlos den Boden ab

Als sich herausstellte, dass die Wände des Kirchenschiffs unten feucht und porös bis ins Mauerwerk waren, übernahm die Wiederherstellung der Putzflächen ein Fachmann. Auch dem Elektriker gingen die Ehrenamtlichen zur Hand: "Sie haben zum Beispiel die Kabelschlitze hergestellt, Kabel verlegt und die Lampenöffnungen in der Decke ausgesägt, sodass der Elektriker nur zur Installation kommen musste." Beim Holzboden unter den Bänken war Zimmermeister Fornal gefragt: "Ich habe das Holz besorgt und die Helfer beim Verlegen angeleitet." Der Boden wurde wiederum von einer Spezialfirma abgeschliffen – kostenlos. Für die Verpflegung an jedem Arbeitstag sorgten einige Frauen aus der Gemeinde – und für die Grundreinigung nach der Sanierung. Am 25. Juni konnte der erste Gottesdienst in der frisch renovierten Kirche gefeiert werden.

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Jetzt fehlt noch die Heizung: Sie wird in die Sitzpolster der Bänke integriert, sodass nicht mehr die ganze Kirche beheizt werden muss. "Dann hat sich die Heizung hoffentlich in sechs bis acht Jahren amortisiert", so Fornal. Er habe zwar noch nicht alle Rechnungen, aber die Sanierung habe "deutlich unter 60.000 Euro" gekostet – "unmöglich ohne die vielen Helfer!" Zwar werde die Gemeinde vom Bistum für jede ehrenamtlich gearbeitete Stunde finanziell belohnt, "aber über Spenden freuen wir uns natürlich nach wie vor." Wie alt die Kirche insgesamt ist, da ist sich Fornal nicht sicher. "Die Grundsubstanz des Turms stammt aus der Zeit vor 1275. Die Türe zum Turm und der Tabernakel stehen unter Denkmalschutz. Alles andere ist jünger – aber wie jung, das weiß ich nicht."

Die Aktion hat die Gemeinde verändert

Hell und freundlich leuchtet die Kirche nun. Helmut Zehnder ist sehr glücklich mit dem Ausgang der Renovierung. "Und alle, die mitgemacht haben, sind stolz drauf." Viel Zuspruch hätten sie auch aus dem Dorf bekommen. Die Aktion hat die kleine Gemeinde verändert, hat Stefan Fornal beobachtet. "Die Leute, die mitgearbeitet haben, sind auch wieder im Gottesdienst und haben weitere angesteckt zu kommen." Ihnen sei sehr wichtig gewesen, dass die Kirche im Dorf erhalten bleibt. "Es ist einfach wunderbar, was machbar ist, wenn man sich in Gemeinschaft auf den Weg macht." Diese Erfahrung hat auch Zehnder gemacht: "Ich habe gelernt, das man in der Gemeinschaft was erreichen kann, wenn man es gut organisiert." Am Gelingen der Aktion hat Stefan Fornal indes nie gezweifelt: "Ich kenne die Gemeinde schon jahrelang. Wenn die zu etwas 'Ja' sagen, dann meinen sie auch 'Ja'."

Spenden erwünscht

Um die Kosten der Renovierung zu bezahlen, hofft die Gemeinde noch auf Spenden: Kirchengemeinde an der Eschach, IBAN: DE14694500650000109373, Verwendungszweck: St. Otmar, Kirchenrenovation.

Von Johanna Heckeley