Warum der Papst zur Türkei schweigt
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Franziskus äußerte sich auch zu Kardinal Pell und seinem Sturz in Polen

Warum der Papst zur Türkei schweigt

Papst Franziskus - Warum ist der Papst während eines Gottesdienstes in Polen gestürzt? Und warum äußert er sich nicht zur Lage in der Türkei? Antworten darauf hat Franziskus während seines Rückflugs aus Polen gegeben.

Rom/Krakau - 01.08.2016

Doch wenn er zu der Überzeugung gelangen sollte, dass er etwas sagen müsse, dann werde er das tun, auch wenn es der Türkei nicht gefalle, so Franziskus vor mitreisenden Journalisten. Zwar gelte es, Schaden von der katholischen Minderheit in dem Land fernzuhalten, "aber nicht um den Preis der Wahrheit".

Der Papst verwies darauf, dass er auch die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als "Völkermord" bezeichnet habe, obwohl dies den Protest der Türkei hervorgerufen habe. Wörtlich sagte er: "Als ich etwas sagen musste, das der Türkei nicht gefiel, von dem ich aber überzeugt war, habe ich das getan, mit den Folgen, die ihr kennt". Im April 2015 und während seiner Armenien-Reise im Juni hatte Franziskus von einem "Völkermord" an den Armeniern gesprochen.

Franziskus gegen Vorverurteilung Pells

Franziskus wandte sich während des Flugs außerdem gegen eine Vorverurteilung des australischen Kurienkardinals George Pell. Der Fall liege in der Hand der Justiz und "man darf nicht urteilen, bevor die Justiz geurteilt hat", sagte der Papst. Gegen den Kardinal wird wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs ermittelt. Bis dahin gelte für Pell der Rechtsgrundsatz 'im Zweifel für den Angeklagten'. Erst nachdem die Justiz gesprochen habe, werde er selbst sich zu Pell äußern.

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Australische Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass die Polizei im Bundesstaat Victoria wegen Missbrauchsverdachts gegen Kurienkardinal Pell ermittelt. Nach Angaben des Fernsehsenders ABC wurden die Ermittlungen eingeleitet, nachdem Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss der australischen Regierung entsprechende Vorwürfe erhoben hätten.

Die Schwarze Madonna war Schuld

Auch über seinen Sturz während eines Gottesdienstes im polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau hat der Papst während seiner Rückreise gesprochen. Dabei hat er nach eigenen Angaben keine Blessuren davongetragen. "Ich habe die Madonna angeschaut und nicht an die Stufe gedacht, und als ich gemerkt habe, dass ich stürze, habe ich mich fallen lassen. Das hat mich gerettet, denn wenn ich mich gewehrt hätte, hätte ich mir wehgetan", sagte der 79-Jährige. So gehe es ihm aber bestens. Der Papst war am Donnerstag mit einem Weihrauchfass in der Hand vor dem Heiligtum der Schwarzen Madonna gestolpert und hingefallen.

Bei der Pressekonferenz im Flug war Franziskus sichtlich gut aufgelegt und setzte sich auch einen Panama-Hut auf, den ihm ein Journalist geschenkt hatte. Der nächste Weltjugendtag findet 2019 in Panama statt. (bod/KNA/dpa)