Auch 2018 gibt es nur wenige Priesterweihen
Katholische Kirche in Deutschland hat weiter Nachwuchsprobleme

Auch 2018 gibt es nur wenige Priesterweihen

2015 war der Tiefstand erreicht: Nur 58 Männer wurden in diesem Jahr in Deutschland zu Priestern geweiht. Doch auch für das Jahr 2018 sind die Prognosen nicht viel besser. Aber was tun gegen den Trend?

Von Christoph Arens (KNA) |  Bonn - 02.05.2018

Die Zahl der Priesterweihen in der katholischen Kirche in Deutschland verharrt 2018 auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Neuaufnahmen in den Seminaren zeigt zugleich, dass es auch in den kommenden Jahren keine Trendwende geben dürfte. Nach einer Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) werden 2018 in den 27 Bistümern voraussichtlich 61 junge Männer zu Diözesanpriestern geweiht. Das wäre die zweitniedrigste jemals registrierte Zahl. 2015 hatte es mit 58 Weihen einen Tiefststand gegeben, 1995 waren noch 186 Männer geweiht worden.

An der Spitze der Bistümer stehen in diesem Jahr Freiburg mit 8 und Rottenburg-Stuttgart mit 6 Weihen. In den sieben bayerischen Diözesen gibt es in diesem Jahr insgesamt 21 Priesterweihen, hinzu kommen 4 Weihen von indischen Priestern, die Priester ihrer Heimatdiözese bleiben sowie die Weihe eines Ordensgeistlichen als Mitglied seines Ordens. Die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen verzeichnen 10 Neupriester. In den ostdeutschen Bistümern stehen 4 Priesterweihen an. Die norddeutschen Bistümer melden 5 Weihen. In der Mitte und im Südwesten werden 21 Kandidaten geweiht.

Die Gesamtzahl der Priester in Deutschland sinkt seit den 80er Jahren: Gab es 1990 noch fast 20.000 katholische Geistliche, waren es 2016 noch 13.856. Zunehmend übernehmen ausländische Priester Dienste in den Gemeinden, vor allem aus Indien und Polen - was nicht immer reibungslos verläuft. Zudem legt die Kirche ihre Gemeinden zu immer größeren Einheiten zusammen. 2016 gab es 10.280 Pfarreien und Seelsorgeeinheiten, 1990 waren es noch 13.313 - ein Minus von 22,9 Prozent. Die Folge: Das Tätigkeitsprofil des Priesters ändert sich. Wer mehrere Gemeinden zu versorgen hat, kommt schnell in die Gefahr, von einer Messe zur nächsten zu hetzen.

"Der Konzern hat eine Schieflage"

"Der Konzern hat eine Schieflage", begründete der Münsteraner Priester Thomas Frings im vergangenen Jahr seinen zwischenzeitlichen Abschied aus der Gemeindeseelsorge und löste bundesweite Debatten aus. "Wir fusionieren bestimmte Abteilungen. (...) Trotzdem ist schon absehbar, dass der Betrieb auch für die fusionierten Abteilungen zu wenig Abteilungsleiter haben wird."

Was tun gegen diesen Trend? Klar ist, dass der Beruf des Seelsorgers kein Job ist wie jeder andere. Manche hoffen auf einen "Franziskus-Effekt". Bislang gibt es dafür aber kaum Anzeichen. Und der Papst? Dem Frauenpriestertum hat er eine Absage erteilt. Der Idee, bewährte verheiratete Männer zu weihen, steht er offener gegenüber.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Priester und seine Bedeutung im christlichen Glauben.

Zunächst einmal hat Franziskus aber eine Jugendsynode einberufen, bei der es auch um Berufungen zu geistlichen Berufen gehen soll. Michael Maas, Direktor des in Freiburg gelegenen Zentrums für Berufungspastoral der Bischofskonferenz, setzt große Hoffnungen darauf. Für ihn ist eine der Hauptursachen für den Rückgang der Priesterberufungen, "dass es einen ganz breiten Rückgang des Glaubens gibt". Die Kirche müsse Jugendlichen deshalb mehr Mut zu einem geistlichen Leben machen, sagt er. Und sie müsse wieder lernen, Glauben selbstbewusst vorzuleben.

Auch in Medien und Öffentlichkeit müsse Kirche wieder in die Offensive kommen und darstellen, wie vieles auch gut laufe, fügt er hinzu. Der Geistliche verweist auf die von der Bischofskonferenz ins Leben gerufenen Internetprojekte "Valerie und der Priester" sowie "Gott im Abseits", mit denen es gelungen sei, junge Menschen über Kirche und Priester ins Gespräch zu bringen.

Maas räumt ein, dass die Entscheidungswege zum Priesterberuf länger werden. Von denen, die 2017 in einem Priesterseminar waren, kamen nur rund 25 Prozent direkt von Schule und Freiwilligendienst, 30 Prozent haben zuvor Theologie mit einem anderen Berufsziel studiert. Die übrigen hatten zuvor andere Fächer studiert oder gingen aus anderen Berufen ins Priesterseminar.

59 Prozent der befragten Priester würden wieder Zölibat wählen

Vermutet werden darf, dass auch der Zölibat und die veränderten Arbeitsbedingungen den Berufswunsch "katholischer Priester" beeinflussen. Eine 2014 erhobene Umfrage "Zwischen Spirit und Stress" unter rund 8.600 Priestern, Diakonen sowie Pastoral- und Gemeindereferenten kam dabei allerdings zu überraschenden Ergebnissen. Der Dauerbrenner Zölibat erwies sich - erwartungsgemäß - als einer der wichtigsten Faktoren für die Lebenszufriedenheit der Priester. 68 Prozent berichteten dabei aber von positiven Erfahrungen, jeder achte wird jedoch nicht oder nicht gut mit der Ehelosigkeit fertig.

59 Prozent würden sich wieder für diese Lebensform entscheiden, 23 Prozent nicht. Eine ähnliche Distanz zu berufsbedingten Lebensbedingungen gebe es aber auch bei Ärzten oder Lehrern, betont die Studie. Die zuständige Forschergruppe zeigte sich erstaunt über die insgesamt hohe "Lebenszufriedenheit" der Seelsorger. Sie liege deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Von Christoph Arens (KNA)