Die indische Flagge weht an einem Fahnenmast vor blauem Himmel.
Indische Katholiken fordern Papst zur Amtsenthebung auf

Bischof soll Ordensfrau vergewaltigt haben

Ein indischer Bischof soll eine Ordensfrau mehrfach sexuell missbraucht haben. Die Polizei ermittelt, der Bischof streitet die Vorwürfe ab. Doch prominente indische Katholiken fordern den Papst nun zur Amtsenthebung auf.

Neu Delhi - 14.07.2018

Führende katholische Persönlichkeiten und Organisationen in Indien appellieren in einem Brief an Papst Franziskus, den unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Bischof Franco Mulakkal (54) seines Amtes zu entheben. Konkret "bitten" die 168 Unterzeichner in dem Schreiben Kardinal Oswald Gracias als Vorsitzenden der Indischen Bischofskonferenz und den päpstlichen Nuntius Erzbischof Giambattista Diquattro, dem Papst "zu raten", den Bischof von Jalandhar von seinen "pastoralen Verantwortlichkeiten zu entbinden, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews (Freitag).

Bleibe Mulakkal im Amt, werde das "das Vertrauen der Menschen erodieren, dass die Kirche ihre Politik der Null-Toleranz umsetzt und bei Missbrauchsfällen angemessen handelt", heißt es in dem Schreiben. Der Brief wurde unter anderen von prominenten Mitgliedern der "Vereinigung indischer Theologen", des "Frauen-Theologen-Forums" und der "Bewegung christlicher Frauen in Indien" unterzeichnet.

Vorwürfe frei erfunden?

Die indische Polizei hat ein Ermittlungsverfahren gegen Mulakkal eingeleitet. Im Juni 2017 hatte eine katholische Ordensfrau den Prälaten beschuldigt, sie vor vier Jahren vergewaltigt und in den folgenden zwei Jahren 13 mal sexuell missbraucht zu haben. Der Bischof weist die Anschuldigungen zurück. Die Ordensfrau habe die Vergewaltigung frei erfunden, um von einem kircheninternen Disziplinarverfahren gegen sie wegen des Vorwurfs abzulenken, ein sexuelles Verhältnis mit dem Ehemann einer Cousine gehabt zu haben.

Mit dem Vorwurf gegen den Bischof hat der massive Vergewaltigungsskandal in Indien auch die katholische Kirche erreicht. Zudem verschärft der Fall die Debatte um den Umgang der Kirche in Indien mit Missbrauch. Erzbischof Leo Cornelio von Bhopal bestätigte im Juni, dass die Bischofskonferenz "Richtlinien" für den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester verfasst habe; diese seien aber "nicht öffentlich". In dem jüngsten Schreiben zu Mulakkal fordern die Unterzeichner Kardinal Gracias auf, diese Richtlinien unverzüglich zu veröffentlichen.

Indien gilt weltweit als Land mit der höchsten Zahl von Vergewaltigungsfällen. 2016 laut wurden nach Polizeiangaben 39.000 Fälle angezeigt. Drei Bundesstaaten haben seit Dezember die Todesstrafe für Vergewaltiger eingeführt. (KNA)