Recht in Frankreich
Ehemaliger Oberhirte von Orléans deckte Priester

Bischof wegen Missbrauchsvertuschung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Nun ist das Urteil da: Der ehemalige Bischof von Orléans hat den von einem seiner Priester begangenen Missbrauch vertuscht – und muss dafür die Konsequenzen tragen. Von dem Urteil soll eine Signalwirkung ausgehen.

Orléans - 23.11.2018

Der emeritierte Bischof von Orléans, André Fort, wurde zu acht Monaten Haft auf Bewährung für die Vertuschung von Missbrauch verurteilt. Wie die Zeitung La Croix berichtet, hat das Strafgericht von Orléans den 83-Jährigen am Donnerstag in Abwesenheit verurteilt. Der Priester, dessen Taten Fort vertuscht hatte, wurde vom selben Gericht für den Missbrauch von mehreren Jungen zu drei Jahren Haft verurteilt, ein Jahr davon wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Der Staatsanwalt hatte für Bischof Fort ein Jahr Gefängnis beantragt und forderte eine Strafe, die durch die französische Kirche "wie ein elektrischer Schlag" gehen solle. Der Bischof blieb der Urteilsverkündung aus medizinischen Gründen fern und wurde nur von seinem Anwalt vertreten. Gegenüber der Agentur AFP zeigte sich eines der Opfer des Priesters zufrieden mit dem Urteil: Die Opfer seien gehört worden. Auch der Anwalt der Opfer ist überzeugt, dass das Urteil ein Signal aussende, um künftig solche Vertuschungen zu verhindern.

Bisher härteste Strafe gegen französischen Bischof

Fort war von 2002 bis 2010 Bischof von Orléans. Gegen den nun verurteilten Priester wurden 2012 Ermittlungen eingeleitet, nachdem Forts Nachfolger von einem Opfer informiert worden war und die Fälle der Justiz gemeldet hatte. Fort hatte von dem Übergriff gewusst, aber keine Anzeige erstattet.

Die Strafe gegen Fort ist die bisher härteste gegen einen französischen Bischof. 2001 wurde der damalige Bischof von Bayeux, Pierre Pican, zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Pican hatte sich damals uneinsichtig gezeigt und angekündigt, jederzeit wieder so zu handeln. Bei ihrer jüngsten Vollversammlung verabschiedeten die französischen Bischöfe einen Maßnahmenplan gegen Missbrauch. Unter anderem soll eine unabhängige Untersuchungskommission eingerichtet werden. Die Bischofskonferenz zieht damit Konsequenzen aus einem im Oktober veröffentlichten Missbrauchsbericht. (fxn)