Das haben Jesuiten und Jedi-Ritter gemeinsam
Eine etwas andere Analyse zum Kinostart von "Star Wars"

Das haben Jesuiten und Jedi-Ritter gemeinsam

Heute startet "Solo: A Star Wars Story" in den Kinos. Sind Sie ein Fan? Wenn ja, dann dürften Sie diese Parallelen zwischen den legendären Jedi-Rittern und dem legendären Jesuitenorden interessieren.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 24.05.2018

Der immerwährende Kampf Gut gegen Böse, die allumfassende transzendentale "Macht" und eine Jungfrauengeburt am Beginn: Die Star-Wars-Saga war schon immer voll von religiösen Motiven und Anspielungen. Und das dürfte sich auch im neuesten Ableger der Reihe kaum ändern. Am heutigen Donnerstag startet in den deutschen Kinos mit "Solo: A Star Wars Story" einer der am sehnlichsten erwarteten Filme des Jahres. Millionen Fans weltweit haben dem neuen Teil des Weltraumepos entgegengefiebert. Ob die Anhänger der Saga aber wissen, dass ihre heißgeliebten Jedi-Ritter – in den Filmen die Kämpfer für das Gute – zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem katholischen Jesuitenorden haben? Der Orden selbst jedenfalls sieht auch gewisse Paralellen – Augenzwinkern inklusive.

Der Glaube an eine "Macht"

Jesuiten und Jedis glauben beide an eine das ganze Universum durchdringende spirituelle Kraft. In Star Wars heißt diese Kraft schlicht die "Macht", die der Jedi Obi-Wan Kenobi im ersten "Krieg der Sterne"-Film von 1977 wie folgt erläutert: "Die Macht ist ein mächtiger Verbündeter, sie durchdringt uns, sie umgibt uns, sie hält die Galaxis zusammen." Parallelen zu Gott, zu seinem Wirken im Heiligen Geist sind unübersehbar. Wie die Jedi streben auch die Jesuiten danach, die Macht/Gott in allem zu suchen und zu finden – nicht allein in den Mitmenschen, sondern in der gesamten Schöpfung. Der Segenswunsch "Möge die Macht mit dir sein" dürfte selbst denen bekannt sein, die mit Star Wars nicht viel anfangen können – und erinnert doch sehr an christliche Formeln wie "Möge Gott dich behüten".

Lange Zeit der Vorbereitung

Jedi-Ritter – in den Filmen übrigens selbst als "Orden" bezeichnet – beginnen ihre Ausbildung zumeist schon als Kleinkinder. Sie durchlaufen dabei verschiedene Rangstufen, vom "Jüngling" über den sogenannten "Padawan" hin zum "Ritter" und "Meister". Bis die Jedi-Schüler voll ausgebildet sind, können zwei Jahrzehnte verstreichen. So früh wie die Jedi starten die Jesuiten ihre Ausbildung zwar nicht – die meisten Anwärter beginnen im Studentenalter –, doch auch hier ziehen viele Jahre ins Land. Die klassische Ausbildung zum Jesuitenpater sieht nach Noviziat und dem Ablegen der ersten Gelübde mehrjährige Philosophie- und Theologiestudien vor sowie praktische Arbeiten und eine weitere Ausbildung oder ein Aufbaustudium nach der Priesterweihe. Die gesamte Ausbildungslaufbahn bis zu den letzten Gelübden kann durchaus 10 bis 15 Jahre dauern.

Der ältere, weisere Mentor

Luke Skywalker, der Protagonist der ursprünglichen "Star Wars"-Trilogie, zählt zu den populärsten Charakteren der Reihe. Auch Luke ist ein Jedi und wurde als Schüler – so wie alle Anwärter – von einem "Meister" ausgebildet: in seinem Fall vom berühmten grünen Zwerg und Satzverdreher Yoda. Ähnlich beginnen auch die Jesuiten als Novizen und werden dabei von einem älteren, weiseren Ordensmitglied als Mentor begleitet: dem Novizen-Meister. Selbst wenn die ersten Gelübde abgelegt sind, haben Jesuiten weiter einen spirituellen Begleiter an ihrer Seite. Der soll den Auszubildenden in seinem geistlichen Leben Beistand leisten – als Trainer im Lichtschwert-Kampf wie bei den Jedi fungiert er hingegen nicht.

Verhaltenskodex und Zölibat

In der Star-Wars-Reihe binden sich die Jedi-Ritter an den sogenannten "Jedi-Kodex". Er bildet die philosophische Grundlage, um die Macht für das Gute in der Galaxis einzusetzen, und stellt für die Jedi-Ritter einen unverzichtbaren Leitfaden für ihr Handeln dar. Laut dem Kodex müssen Jedis übrigens zölibatär leben, sind also nicht verheiratet und ohne romantische Beziehungen. Und auch die Jesuiten haben als Gemeinschaft ein Grundstatut – die Constitutiones –, das durch die päpstliche Bulle "Regimini militantis ecclesiae" von 1540 genehmigt wurde. Es regelt das Zusammenleben im Orden der Societas Iesu – und natürlich legen Jesuiten auch ein Gelübde der Keuschheit ab.

Papst Franziskus ist selbst Mitglied im Jesuitenorden. Ob er sich "Solo: A Star Wars Story" anschauen wird?

Der gewählte Vorsitzende und der Rat

Geführt wird der Jedi-Orden in den Episoden I bis III der Star-Wars-Reihe vom sogenannten "Hohen Rat der Jedi". Seine zwölf Mitglieder – alle Meister – übernahmen die geistige Leitung des Ordens und dienten als Berater auch der Politik in Person des Obersten Kanzlers der Galaktischen Republik. Aus der Mitte der Zwölf (!) wurde ein Jedi zum Vorsitzenden des Rates gewählt. Auch die Jesuiten leitet ein solcher Vorsitzender, der Generalobere mit Sitz in Rom. Den wiederum wählt die Generalkongregation – die Versammlung von Delegierten des Jesuitenordens aus der ganzen Welt. In Rom wird der Generalobere – seit 2016 ist das Arturo Sosa SJ – bei seiner Arbeit durch einen "Rat" aus Mitarbeitern, die alle Regionen der Erde repräsentieren, unterstützt.

Unterdrückung durch imperiale Kräfte

Als die Galaktische Republik durch das finstere "Imperium" abgelöst wurde, wurden auch die Jedi-Ritter als Hüter des Guten verfolgt und fast vollständig ausgelöscht. Maßgeblichen Anteil daran hatten der düstere Darth Vader und der zum Imperator aufgestiegene Kanzler Palpatine. Anfeindungen und Verfolgungen durch imperiale Kräfte erlebten auch die Jesuiten in ihrer Geschichte mehrfach. Gründe waren ihr gegenreformatorisches Wirken sowie Verschwörungstheorien rund um die Gesellschaft Jesu, die ihre Gegner streuten und die sich teils bis heute halten. Dies ging so weit, dass Papst Clemens XIV. auf Druck der Staaten Frankreich, Spanien und Portugal den Orden 1773 zeitweise aufhob. Doch trotz verschiedener Vertreibungen und Verbote in der Geschichte: Die Jesuiten konnten sich immer wieder neu formieren und zu alter Stärke zurückfinden. Wer wissen will, ob das den Jedi in Star Wars auch gelingt, der muss ins Kino gehen.

Von Tobias Glenz

Der Artikel erschien erstmals am 14.12.2017 und wurde am 24.05.2018 aktualisiert.