Gottesdienst mit dem neuen Generaloberen der Jesuiten, Arturo Sosa Abascal am 15. Oktober 2016 in Rom.
Bild: © KNA
Mit Arturo Sosa Abascal leitet erstmals ein Nichteuropäer den Jesuitenorden

Der neue "schwarze Papst"

Erstmals leitet mit dem Venezolaner Arturo Sosa Abascal ein Nichteuropäer die Gesellschaft Jesu. Dabei sei seine Herkunft gar nicht entscheidend für die Wahl gewesen, heißt es unter Jesuiten.

Von Thomas Jansen (KNA) |  Rom - 15.10.2016

Nun kommen beide Päpste aus Lateinamerika, der "weiße" und der "schwarze" - das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und der Generalobere der Jesuiten. Das Generalkapitel wählte am Freitag in Rom erstmals in der annähernd 500-jährigen Geschichte des Ordens einen Nichteuropäer zum Generaloberen: den Venezolaner Arturo Sosa Absacal (67). Künftig wird er den größten Männerorden der katholischen Kirche leiten.

Damit ist auch die letzte europäische Bastion unter den großen Männerorden genommen. Die Salesianer, der zweitgrößte Männerorden, wählten bereits 1996 einen Nichteuropäer und Lateinamerikaner an ihre Spitze. Auch Benediktiner, Franziskaner, oder Kapuziner sind seit geraumer Zeit nicht mehr auf europäische Generalobere abonniert und haben zumindest Nordamerikaner gewählt.

Seit 2014 Erfahrung in der Ordenszentrale

Über die Grenzen Lateinamerikas hinaus bekannt machte den Venezolaner Sosa nicht zuletzt seine Aufgabe als Beauftragter für die internationalen Einrichtungen der Jesuiten in Rom. Seit 2014 war er damit in der Ordenszentrale etwa für die Päpstliche Universität Gregoriana, die vatikanische Sternwarte, aber auch alle internationalen Häuser des Ordens in der italienischen Hauptstadt zuständig. Bereits 2008 hatte ihn der bisherige Generalobere Adolfo Nicolas zum Berater berufen. Führungserfahrung hat er aus seiner Zeit als Leiter der Jesuiten-Provinz in Venezuela, der er von 1996 bis 2004 vorstand.

Linktipp: Jesuiten haben einen neuen Generaloberen

Die "Schlauen Jungs" haben gewählt: Am Freitag wählte die Generalkongregation Arturo Sosa als neuen Leiter für den Jesuitenorden. Seine Wahl stellt ein Novum für den Orden dar.

"Schwarzer Papst" wurde der Generalobere der Jesuiten früher genannt. Das war eine Anspielung auf seine Machtfülle und die Farbe seines Gewands. Innerhalb seines Ordens hat der neue Generalobere Sosa auch heute noch eine im Vergleich zu anderen Orden äußerst starke Position. Innerhalb der katholischen Kirche insgesamt ist der Einfluss der Jesuiten zweifelsohne geringer als in früheren Zeiten. Daran hat auch die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum Papst nichts Wesentliches geändert. Franziskus achtet sorgsam darauf, den Eindruck zu vermeiden, er bevorzuge seinen Orden.

Sosa muss die Jesuiten durch eine Zeit des Umbruchs führen. Wegen Nachwuchsmangels werden in Europa und den USA reihenweise Provinzen zusammengelegt. Die deutsche Ordensprovinz wird in Kürze nicht nur mit den Österreichern und Schweizern, sondern auch mit Ungarn und Litauen fusioniert. Vor allem in Indien und in den jungen Kirchen der Südhalbkugel hat der Orden hingegen an Attraktivität gewonnen. Fast jeder zehnte Jesuit ist mittlerweile Afrikaner.

Die Herkunft war kein entscheidendes Argument

Als "humorvoll, freundlich und kompetent" beschrieb Bernhard Bürgler, der Leiter der österreichischen Ordensprovinz Sosa nach der Wahl. Viele Mitbrüder hätten gute Erfahrungen mit dem Venezolaner gemacht, so Bürgler. Der neue Obere sei "ein sehr geistlicher Mensch, dem die Armen ein Anliegen sind und der Erfahrung mit dem Leiten hat". Seine Herkunft aus Lateinamerika sei für die meisten Wähler nicht das entscheidende Kriterium gewesen.



Sosa selbst sagte, er sei über seine Wahl "sehr überrascht" gewesen. Zu seiner künftigen Aufgabe sagte er nur, es gehe jetzt darum, wie der Orden sich künftig ausrichten wolle. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatte den Jesuiten ans Herz gelegt, der "Option für die Armen" mehr Gewicht beizumessen. Andere wünschen sich einen stärken Akzent auf der Bildung. Sosa wurde am Freitag nicht konkreter. Offenbar sieht er sich jedoch als Team-Player: "Das kann ich nicht als Einzelner tun, wir müssen das gemeinsam angehen."

Gute Kontakte in den Vatikan

Als Franziskus am Freitag telefonisch die Wahl des neuen Generaloberen mitgeteilt wurde, hörte er einen bekannten Namen. Sosa soll über einen guten Draht zum Papst verfügen. Kennengelernt haben sich beide während der Generalkongregation des Ordens im Jahr 1983 in Rom. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, den zweiten Mann im Vatikan, kennt er noch aus dessen Zeit als vatikanischer Botschafter in Venezuela.

Der weiße Papst soll bei der Wahl des schwarzen keine Rolle gespielt haben. Das betonte der Präsident der Jesuiten-Konferenz von Kanada und den USA, Timothy Kesicki: Es sei allein darum gegangen, den besten Mann für die Leitung der Gesellschaft Jesu zu finden.

Von Thomas Jansen (KNA)