"Die Natur vergibt nie"
Franziskus verrät Details über seine Umwelt-Enzyklika

"Die Natur vergibt nie"

Enzykliken gelten als die wichtigsten Lehrschreiben der Päpste - ihre programmatische Bedeutung reicht oft über das Pontifikat hinaus. Daher wird die erste eigenständige Enzyklika von Papst Franziskus mit besonderer Spannung erwartet, zumal das Thema "Ökologie" zum ersten Mal im Mittelpunkt eines solchen Kirchendokuments steht.

Vatikanstadt - 18.01.2015

Auf dem Flug von Sri Lanka auf die Philippinen gab Franziskus am Donnerstag einen ungewohnten und freimütigen Einblick in die Entstehung, in das "Laboratorium" eines solchen Textes und auch in die umweltpolitische Agenda des Heiligen Stuhls.

Schon im Sommer hatte Franziskus bei einer "fliegenden Pressekonferenz" über sein theologisch-literarisches Umwelt-Projekt informiert: Dass er den zuständigen Kurienkardinal Peter Turkson vom Päpstlichen Rat "Justitia et Pax " um einen ersten Entwurf gebeten habe. Dass er selbst mit etlichen Bischöfen und Theologen, aber auch mit Wissenschaftlern und Vertretern anderer Religionen über das Thema gesprochen habe. Dass er von einigen Kirchenführern eine direkte Zuarbeit erbeten habe - darunter nach eigenen Angaben auch der auf diesem Feld ausgewiesene Amazonasbischof Erwin Kräutler aus Österreich.

Bild: © KNA

Auf dem Rückflug vom Weltjugendtag 2013 in Rio (29. Juli) gibt Papst Franziskus im Flugzeug eine Pressekonferenz.

Diesen ersten Entwurf von Turkson und seiner Crew habe er mit einigen Experten gesichtet und bearbeitet, berichtete Franziskus. Dann habe er zusammen mit einigen Theologen einen dritten Entwurf erstellt und diesen der Glaubenskongregation, dem Staatssekretariat und dem Theologen des Päpstlichen Hauses zugeleitet. Sie müssten den Text gründlich durchsehen, damit keine "Dummheiten" stehen blieben, wie er schmunzelnd meinte. Denn gerade bei Äußerungen zu naturwissenschaftlichen Fragen ist besondere Sorgfalt angesagt, um ungute Festlegungen zu vermeiden.

Im März soll die Enzyklika fertig werden

Vor drei Wochen sind nun diese Antworten und Kommentare eingetroffen, allesamt konstruktiv, hob Franziskus hervor. Im März wolle er sich eine ganze Woche Zeit nehmen, um das Werk abzuschließen.

Dann beginnt der langwierige Übersetzungsprozess: Die Enzyklika soll gleichzeitig in den wichtigsten Sprachen erscheinen. Zuständig sind dafür traditionell die Sprachabteilungen des vatikanischen Staatssekretariats. Wenn der zuständige Innenminister Angelo Becciu ihm entsprechend helfe, dann könnte das Dokument bis Juni oder Juli fertig sein, meinte der Papst scherzend.

Der Termin orientiert sich an der vatikanischen Ferienzeit. Ab Mitte Juli amtieren im Vatikan nur noch die "Stallwachen", weil die Bischöfe und Monsignori allesamt auf Heimaturlaub sind. Man habe beim Erscheinungstermin aber auch die nächste UN-Klimakonferenz im Blick gehabt, die vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris stattfindet, verriet Franziskus. Er machte keinen Hehl daraus, dass er mit den Ergebnissen des letzten Klimagipfels im peruanischen Lima nicht zufrieden war. Er sei vom "Mangel an Mut" der Konferenz enttäuscht gewesen und hoffe, dass die Delegierten in Frankreich mehr Fortschritte machen würden. Dazu wolle er mit seiner Enzyklika einen Beitrag leisten - der rechtzeitig einige Monate vorher vorliegen sollte.

Über den Inhalt des Schreibens machte Franziskus keine näheren Angaben. Allerdings hatte er bereits wiederholt die Schädigung der Natur durch den Menschen beklagt. Der Mensch beherrsche die Schöpfung, spiele sich zum Herrn der Natur, der "Schwester Erde" auf. "Gott vergibt immer, wir - die Menschen - vergeben manchmal, die Natur vergibt aber nie", zitierte er ein Sprichwort. Als Beispiel verwies er auf die enormen Abholzungen im Amazonas, aber auch auf bedenkliche Monokulturen etwa der Sojapflanze, die dem Boden alles abverlange und ihn damit auslauge. Aber neben klassischem Umweltschutz soll es auch um Fragen der "Ökologie des Menschen" gehen.

Zur Vorbereitung auf seine Enzyklika habe er viel gelesen und viele Gespräche geführt, ließ Franziskus wissen. Ausdrücklich verwies er auf den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel, der seit vielen Jahren im Umweltschutz engagiert ist. Immerhin handele es sich um ein Problem, dass die gesamte Menschheit betreffe. Daher gehöre dieses Thema auch in den Dialog zwischen den Religionen. "Auch andere Religionen haben dazu gute Visionen", meinte der Papst.

Von Johannes Schidelko (KNA)