Eine Nahaufnahme der gefalteten Hände eines Franziskaners.
Bild: © KNA
Der Kleidungsstil kann Hinweise liefern

Erkennen Sie den Orden?

Bei den hochsommerlichen Temperaturen dieser Tage dürfte vor allem eine Gruppe häufiger ins Schwitzen geraten: Ordensleute in ihren langen und oft dunklen Gewändern. Doch Obacht – kein Habit gleicht dem anderen.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 13.07.2017

Das Klischee ist weit verbreitet: "Mönche" tragen immer ein braunes Gewand mit Kapuze und einen Rosenkranz, "Nonnen" stets eine schwarze Tracht und schwarzen Schleier. Dieses Bild haben Darstellungen in Film und Fernsehen geprägt, an der Wirklichkeit hingegen geht es vorbei. Jede Ordenstracht, auch Habit (von lateinisch habitus: Gestalt, Gesinnung) genannt, hat ihre spezifischen Erkennungsmerkmale. Mal sind die Unterschiede zu anderen Ordensgemeinschaften sehr deutlich, mal eher gering. Männer und Frauen allein anhand ihrer Kleidung dem richtigen Orden zuzuordnen, dürfte den meisten Laien in jedem Fall schwerfallen. Die Vielzahl von Gemeinschaften und Kongregationen macht die Sache nicht leichter. Katholisch.de hat den "Dresscode" von vier großen Ordensbewegungen genauer unter die Lupe genommen.

Benediktinermönche beim Gebet
Bild: © KNA

Benediktiner tragen einen schwarzen Habit, bestehend aus einer Tunika als Untergewand und dem Skapulier, einem bodenlangen Obergewand. Der Gürtel wird unter dem Skapulier getragen.

Benediktiner

Der Orden des heiligen Benedikt (Ordo Sancti Benedicti, OSB) gilt als älteste Gemeinschaft des westlichen Ordenslebens. Gegründet von Benedikt von Nursia in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts, ist der Orden noch heute für seinen Grundsatz "Ora et labora" ("Bete und arbeite") gemeinhin bekannt. Typischerweise tragen Benediktiner einen schwarzen Habit – Schwarz als Farbe der Einfachheit, Demut und Buße. Dieser besteht aus einer Tunika als Untergewand; darüber ein "Skapulier" genanntes schwarzes, bodenlanges Obergewand. Ein Gürtel beziehungsweise Zingulum wird unter dem Skapulier getragen. Benediktinermönche tragen Kapuzen an ihren Gewändern. Benediktinerinnen verwenden eine weiße Haube, die das Haar verdeckt, und darüber einen schwarzen Schleier – bei Novizinnen ist auch dieser weiß.

Ein Detail, das den Habit der Benediktiner von vielen anderen Gemeinschaften unterscheidet, ist der fehlende Rosenkranz. In zahlreichen Orden wird er sichtbar am Gewand getragen, während die Benediktiner auch aus durchaus praktischen Gründen darauf verzichten. Seit den Anfängen haben sich die Mönche gemäß ihrer Ordensregel harter Arbeit, unter anderem in der Landwirtschaft, verschrieben – weshalb ein am Habit baumelnder Rosenkranz hier nur hinderlich gewesen wäre. Benediktiner, die die Ewige Profess abgelegt haben, tragen beim Stundengebet oder zu besonderen Anlässen zusätzlich zum gewöhnlichen Habit noch eine sogenannte "Kukulle": ein faltenreiches, bodenlanges Übergewand mit weiten Ärmeln.

Bild: © KNA

Dominikaner tragen einen weißen Habit. Gut zu erkennen sind die einzelnen Elemente: weißer Schulterüberwurf mit Kapuze, darunter das an den Seiten offene Skapulier, darunter der Ledergürtel mit auffällig großem Rosenkranz, der die Tunika als Untergewand umfasst.

Dominikaner

Im frühen 13. Jahrhundert gründete der heilige Dominikus den Predigerorden (Ordo Fratrum Praedicatorum, OP) – auch Orden der Dominikaner genannt. Optisch lässt er sich sehr leicht von zahlreichen anderen Gemeinschaften unterscheiden. Denn die Dominikaner tragen einen weißen Habit – Weiß als Farbe der Reinheit des Lebens Jesu, das die Ordensleute nachahmen. Wie bei den Benediktinern unterscheidet sich die Gewandung von Männern und Frauen allein durch die Kopfbedeckung: weiße Kapuze an einem separaten Schulterüberwurf bei den Dominikanern beziehungsweise weiße Haube und schwarzer Schleier bei den Dominikanerinnen.

Auch wenn noch in anderen Orden die Farbe Weiß getragen wird – besonders in heißeren Regionen der Erde ist das bei vielen Ordensleuten allgemein üblich –, lassen sich Dominikaner stets gut von ihnen unterscheiden: Sie tragen einen Ledergürtel, an dem ein auffällig großer Rosenkranz befestigt ist. Zu verschiedenen Anlässen sind Dominikaner außerdem mit einem schwarzen Chormantel, auch "Capa", bekleidet: eine Art Umhang, der über dem normalen Habit getragen wird.

Franziskaner beten an einer Station während des Kreuzweges.
Bild: © KNA

Der Habit franziskanischer Gemeinschaften ist, je nach Orden, leicht verschieden. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Schlichtheit der "Kutte" und ihr Zingulum, ein weißer Strick mit drei oder vier Knoten. Obligatorisch ist auch die Kapuze, die unterschiedlich lang und spitz ausfallen kann.

Franziskaner

Die franziskanische Familie ist groß, zahlreiche Gemeinschaften berufen sich auf den heiligen Franz von Assisi und seine Ordensregel. Ihren Ausgangspunkt nahm die Bewegung etwa zur selben Zeit wie die der Dominikaner im 13. Jahrhundert, als Franziskus seinen "Bettelorden" gründete. Heute gibt es zahlreiche franziskanische Zweige, die sich grundsätzlich durch einen schlicht gehaltenen Habit – in diesen Orden zuweilen "Kutte" genannt – auszeichnen; oft tragen die Ordensleute nur eine Tunika. Die Franziskaner (Ordo Fratrum Minorum, OFM) wie auch die Kapuziner (OFMCap) sind in Braun gekleidet, die Minoriten (OFMConv) in Schwarz oder Grau.

Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal der franziskanischen Gemeinschaften ist das von ihnen auch schlicht als "Kordel" bezeichnete Zingulum: Der auffallend weiße Strick, der über dem Gewand getragen wird, weist drei – manchmal vier Knoten – auf. Diese stehen für die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams; ein vierter ist Zeichen für ein weiteres, "Marianisches" Gelübde zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Am Zingulum ist meistens auch ein Rosenkranz zu finden. Obligatorisch ist die Kapuze: Bei Franziskanern und Minoriten befindet sie sich an einem Schulterüberwurf; bei den Kapuzinern ist sie direkt am Habit angenäht und etwas länger und spitzer als bei den anderen beiden Orden.

Die bekannteste Frauengemeinschaft mit franziskanischen Wurzeln ist der von der heiligen Klara von Assisi gegründete Orden der Klarissen (Ordo Sanctae Clarae, OSC). Gleich den Franziskanern und Kapuzinern tragen die Klarissenschwestern einen braunen Habit mit weißer geknoteter Kordel. Lediglich die Kapuze ist wiederum durch eine weiße Haube und einen schwarzen Schleier ersetzt. Allgemein gilt: Sandalen an den Füßen sind häufig ein Zeichen, dass es sich um Ordensleute mit franziskanischen Wurzeln handelt.

Ordensschwestern posieren vor dem neu errichteten Karmelitinnen-Kloster in Ikskile am 22. Oktober 2013.
Bild: © KNA

Karmelitinnen tragen einen braunen Habit und einen schwarzen Schleier (die Novizin einen weißen). Die Ausläufer ihrer weißen Kopfhauben sind im weiten Ausschnitt des Skapuliers gut sichtbar.

Karmeliten

Einen braunen Habit besitzen auch die Karmeliten. Der Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel entstand Mitte des zwölften Jahrhunderts am Karmelgebirge im Heiligen Land. Im 15. Jahrhundert wurde der weibliche Zweig, die Karmelitinnen, gegründet. Aus der Reform des Karmeliterordens durch Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz im 16. Jahrhundert gingen wiederum die sogenannten Unbeschuhten Karmelitinnen und Karmeliten hervor. Um Missverständnisse zu vermeiden: "Unbeschuht" ist nicht wörtlich zu verstehen; Sandalen oder normales Schuhwerk sind heute durchaus üblich.

Karmeliten tragen im Unterschied zu den Franziskanern stets ein (dunkelbraunes) Skapulier über der Tunika. Sie sind besonders bekannt für dieses kittelähnliche Kleidungsstück, da dem heiligen Simon Stock – einem Karmeliten im 13. Jahrhundert – die Jungfrau Maria das Skapulier anempfohlen haben soll; der Verheißung nach soll derjenige, der es trägt, vor dem Feuer der Hölle bewahrt werden. Unter dem Skapulier wird ein Ledergürtel getragen, an dem ein Rosenkranz befestigt ist. Häufig sind Karmeliten zusätzlich mit einem weißen Chormantel bekleidet. Die Kapuze ist wie bei den Franziskanern an einem separaten Schulterüberwurf befestigt. Karmelitinnen hingegen tragen einen schwarzen Schleier. Besonders auffällig bei ihnen: Die Ausläufer ihrer weißen Kopfhauben sind unterhalb des weit ausgeschnittenen Skapuliers gut sichtbar.

Große Vielfalt

So groß die Vielfalt an Ordensgemeinschaften, so groß ist die Vielfalt der Habite. Weltberühmt ist etwa der weiß-blaue Sari der Missionarinnen der Nächstenliebe, auch als Mutter-Teresa-Schwestern bekannt. Ähnlich markant, wenn auch weniger bekannt, die Kopfbedeckung der Birgitten (Orden des Allerheiligsten Erlösers): Über ihrem schwarzen Schleier tragen sie eine Krone aus drei weißen Leinenstreifen mit fünf roten Punkten – diese symbolisieren die fünf Wundmale Christi. Manche Gemeinschaften hingegen besitzen keine eigene Ordenskleidung – dazu zählt auch der weltweit größte Orden, die Jesuiten. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) sind die Regeln für Ordenstrachten allgemein gelockert worden. In vielen Orden, in denen es traditionell einen eigenen Habit gibt, ist es daher heute gestattet, Zivilkleidung zu tragen.

Von Tobias Glenz

Dossier: Bekannte Orden: Benediktiner, Dominikaner und mehr

Die kirchliche Ordenslandschaft ist bunt und vielfältig. Zahlreiche unterschiedliche Ordensgemeinschaften prägen das geistliche Leben in Deutschland. Katholisch.de stellt bekannt Orden mit ihrer Geschichte und ihren Traditionen vor.