Ernesto Cardenal dementiert Asylsuche
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Urteil gegen Befreiungstheologen aufgehoben

Ernesto Cardenal dementiert Asylsuche

"Sie könne mein Haus umstellen, aber ich gehe nicht aus dem Land." - Der Befreiungstheologe Ernesto Cardenal widerspricht Gerüchten, dass er Nicaragua verlassen will.

Managua - 20.02.2017

Ein Gericht in der nicaraguanischen Hauptstadt hat nach lokalen Medienberichten vom Sonntag (Ortszeit) ein Urteil gegen den Dichter Ernesto Cardenal (92) aufgehoben, das ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 750.000 Euro gegen den Befreiungstheologen vorsah. Hintergrund war ein jahrelanger Streit um Grundstücke auf dem Archipel Solentiname, wo Cardenal einst eine urchristliche Kommune errichtet hatte.

Zugleich widersprach Cardenal Aussagen aus seinem Umfeld, nach denen er sich aufgrund des Rechtsstreits politisch verfolgt fühle und daher erwäge, Asyl in Deutschland, Spanien oder Chile zu beantragen. "Ich habe kein Asyl beantragt", sagte er der Tageszeitung "La Prensa" (Sonntag). Stattdessen bekräftigte er seine Absicht in Nicaragua zu bleiben: "Sie könne mein Haus umstellen, aber ich gehe nicht aus dem Land."

Cardenal nennt sich "Sandinist, Marxist und Christ"

Cardenal gilt als eine der schillerndsten Figuren Lateinamerikas. Er nennt sich selbst "Sandinist, Marxist und Christ". Papst Johannes Paul II. verbot ihm 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes, weil er nach dem Sturz der Somoza-Diktatur in Nicaragua das Amt des Kulturministers in der Revolutionsregierung bekleidete.

Für sein literarisches Werk erhielt Cardenal 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur. Kritiker nennen ihn den "Begründer der mystischen lateinamerikanischen Literatur" oder einen "der originellsten christlichen Mystiker des 20. Jahrhunderts".

Am 4. März wird Cardenal die Ehrendoktorwürde der Bergischen Universität Wuppertal verliehen. Die Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften würdige damit seinen Beitrag zur Weltliteratur und sein Engagement für den kulturellen Austausch zwischen Nicaragua und Deutschland, teilte die Universität mit. (KNA)