Ein Priester steht während des Hochgebets am Altar.
Teil 4 der Serie "Die Feier der Eucharistie"

Eucharistische Liturgie: Gabenbereitung und Hochgebet

Katholisch.de stellt die Elemente der Heiligen Messe vor. Im vierten Teil der Serie geht es um die eucharistische Liturgie. Wir erklären Gabenbereitung, Gabengebet und das Eucharistische Hochgebet mit seinen einzelnen Teilen. Jedes Element hat eine besondere Bedeutung.

Von Fabian Brand |  Bonn - 30.03.2019

Die Gabenbereitung

Mit der Bereitung der Gaben beginnt der zweite große Teil der Heiligen Messe: die eucharistische Liturgie. Kelch, Hostienschale, Wasser und Wein werden zum Altar gebracht. Oftmals geschieht dies in relativer einfacher Form: Die Ministranten holen die Gaben von einem kleinen Tischchen (der sogenannten "Kredenz") und bringen sie auf kürzestem Weg zum Altar. Doch Gabenbereitung meint eigentlich mehr: Zum Altar gebracht werden Brot und Wein, die Gaben der versammelten Gläubigen, die in der Eucharistiefeier Gott, dem Schöpfer, anvertraut werden. So wie die Gaben auf dem Altar gewandelt werden, so wandelt sich auch die christliche Gemeinde und wird in der Kraft des Heiligen Geistes zum einen Leib des Herrn. Brot und Wein sind nichts anderes als die Anliegen der Gläubigen, die Gottes Güte anvertraut und von ihm in Liebe angenommen werden. Es ist deshalb ein sinnfälliges Zeichen, wenn die Gaben in einer längeren Prozession aus der Mitte der versammelten Gemeinde heraus zum Altar gebracht werden.

Die Kollekte, die vielerorts während der Gabenbereitung eingesammelt wird, zeugt von einem solidarischen Miteinander. Die Gläubigen treten füreinander ein und sorgen mit ihrer Geldgabe für die Menschen, die in Not und Armut leben. So wie in früheren Zeiten Naturalien für die Armen der Gemeinde mitgebracht wurden, ist es heute eine Geldspende für ein besonderes Anliegen, mit der die Gläubigen ihrer Sorge für die Nächsten nachkommen.

Bei der Gabenbereitung spricht der Priester über Brot und Wein zwei kurze Gebete. Das erste lautet: "Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns zum Brot des Lebens werde. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott." Diese Gebete, die meist leise gesprochen werden, erinnern an kurze Dankgebete aus dem Judentum. Diese kleinen Dankgebete nennt man hebräisch "Berakha" (Mehrzahl "Berakhot"), was nichts anderes als "Lob" bedeutet. Solche Berakhot gibt es im Judentum zuhauf. Mit ihnen verdeutlichen gläubige Juden, dass alles, was sie haben und benutzen, Geschenk und Gabe Gottes ist. Im christlichen Gottesdienst wird diese Formulierung aufgegriffen und verdeutlicht die enge Verbindung zum Judentum.

Wenn Weihrauch verwendet wird, inzensiert der Priester die Gaben und anschließend den Altar. Das gesamte versammelte Gottesvolk wird ebenfalls mit Weihrauch geehrt. Dies ist ein ausdrückliches Zeichen, dass die Gemeinde Christus gehört, dass jeder Einzelne kraft seiner Taufe "Tempel des Heiligen Geistes" ist (vgl. 1 Kor 6,19) und Anteil hat am königlichen Priestertum Christi. Meist geschieht die Inzens der Gemeinde in sehr schlichter Form vom Altarraum aus.

Bild: © KNA

Eine Kredenz (Gabentisch) steht an der Seite des Altarraums und hält die liturgischen Geräte zur Gabenbereitung bereit - also Kelch (unter dem Velum verborgen), Ziborium, Hostienschale und Kännchen.

Das Gabengebet

Mit der Einladung "Lasset uns beten" oder einer ähnlichen Formulierung leitet der Priester das Gabengebet ein. Stellvertretend für die ganze Gemeinde betet der Priester um die Heiligung der Gaben und um Segen für die Menschen, die ihre Gaben spenden.

Linktipp: Die Liturgie des Wortes: Antwortpsalm bis Fürbitten

Katholisch.de stellt die Elemente der Heiligen Messe vor. Im dritten Teil der Serie geht es weiter im Wortgottesdienst. Ob Evangelium, Credo oder Fürbitten: Jedes Element hat eine besondere Bedeutung. Und die Homilie ist nicht einfach eine Predigt.

Das Eucharistische Hochgebet

Mit dem Eucharistischen Hochgebet beginnt nun "Mitte und Höhepunkt der ganzen Feier" (GORM, Nr. 78). Im Hochgebet kommen unterschiedliche Elemente zu einer stringenten Einheit zusammen: Dank, Lob und Bitte. Die feiernde Gemeinde drückt ihren Dank für vergangene Heilstaten aus, sie blickt in die Vergangenheit und erinnert sich gemeinsam an die Ereignisse, die Gott in der Heilsgeschichte gewirkt hat. Zugleich stimmt die Gottesdienstversammlung in den Lobpreis des dreifaltigen Gottes ein; die Gläubigen stehen im Hier und Jetzt vor ihrem Gott, um ihm Lob zu singen und ihn für seine großen Taten zu preisen. Doch nicht nur Vergangenheit und Gegenwart finden im Hochgebet ihren angemessenen Platz, auch die Zukunft wird thematisiert: Es ist die Bitte um Gottes bleibenden Beistand, um seine Gegenwart in den kommenden Tagen, um sein heilvolles Wirken auch in der Zukunft. So werden im eucharistischen Hochgebet die drei Zeitdimensionen miteinander verknüpft und bilden ein sinnvolles Ganzes. Mittendrin zwischen Vergangenheit und Zukunft steht die versammelte Gemeinschaft, die gerade Gottesdienst feiert und vor dem Angesicht Gottes zusammengekommen ist.

Vor der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil war das Verständnis des eucharistischen Hochgebets stark auf die Einsetzungsworte eingegrenzt. Die Wandlung der Gaben von Brot und Wein – so die Sichtweise – würde allein bei den Einsetzungsworten stattfinden. Daher rührt bis heute der Brauch, die "Wandlung" durch Glockenläuten anzuzeigen und die gewandelten Gaben sofort nach den Einsetzungsworten durch eine Kniebeuge zu verehren.

Doch die Wandlung der Gaben lässt sich nicht auf einen einzigen Punkt begrenzen. Die Feier der Eucharistie ist kein "Hokuspokus", bei dem mit einem "Zauberspruch" die Wandlung geschieht. Vielmehr ist das ganze eucharistische Hochgebet als eine Einheit zu verstehen, in der sich die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi vollzieht. Teile des Hochgebets ausfallen zu lassen oder zu ersetzen, widersprechen daher auch dem Sinn des eucharistischen Hochgebetes.

Die Präfation

Den Beginn des eucharistischen Hochgebets markiert die Präfation. Sie beginnt mit einem kurzen Wechselgesang, in dem sich die versammelten Gläubigen neu der Gegenwart des auferstandenen Herrn bewusst werden. "Im Namen des ganzen heiligen Volkes verherrlicht der Priester Gott, den Vater, und sagt ihm Lob und Dank für das gesamte Heilswerk oder für eine bestimmte Heilstat, je nach Tag, Fest oder Zeit." (GORM, Nr. 79a) Für die unterschiedlichen Festtage und Festzeiten gibt es verschiedene Texte für die Präfation. Sie alle münden in der Einladung, Gott, dem Herrn, zusammen mit den himmlischen Mächten Lob und Preis zu singen.

Der Prophet Jesaja auf einer griechischen Ikone.

Das Sanctus

Wie der Gloria-Hymnus am Beginn der Eucharistiefeier besitzt auch das Sanctus einen fest vorgeschriebenen Text. Er beginnt mit dem dreimaligen "Heilig"-Ruf und endet mit dem Jubelruf "Hosanna in der Höhe". Dabei greift das Sanctus einen biblischen Text auf, der sich im Buch des Propheten Jesaja findet. Dort beschreibt Jesaja in einer Vision der Herrlichkeit Gottes den Gesang der himmlischen Mächte: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit" (Jes 6,3). Mancherorts wird anstelle des Sanctus auch irgendein beliebiges Lob- oder Danklied gesungen, das nicht auf dem Text des dreimal "Heilig" basiert. Dies aber verschleiert eine wichtige Intention dieser Akklamation: Denn gerade im Einstimmen in den Lobgesang der Engel weiß sich die irdische Gemeinde mit der himmlischen Gemeinschaft verbunden.

 "Geheimnis des Glaubens"

Nach den Einsetzungsworten sind die Gläubigen eingeladen, wiederum mit einer kurzen Akklamation zu antworten. Die ganze Eucharistiefeier ist ein "Geheimnis des Glaubens" – besonders in der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi kommt dies zum Ausdruck. "Was dem Auge sich entziehet, dem Verstande selbst entfliehet, sieht der feste Glaube ein", heißt es daher auch in einer Übertragung der Sequenz "Lauda Sion" des Thomas von Aquin.

"Durch ihn und mit ihm und in ihm"

Eine dritte Akklamation bildet schließlich die sogenannte "Schlussdoxologie". Sie ist der große Lobpreis, der am Ende des eucharistischen Hochgebets steht. Alles Beten, Bitten und Danken mündet in das Lob des dreifaltigen Gottes: "Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit." Die Gläubigen bekräftigen diese Lobpreisung mit dem zustimmenden "Amen". Die Antwort der versammelten Gemeinde bezieht nicht nur auf die Doxologie, sondern auf das gesamte eucharistische Hochgebet. Dieses wird vom Priester alleine gesprochen und doch ist es das Gebet aller Gläubigen. Dies kommt zum Ausdruck, indem die Gemeinde das Hochgebet mit dem "Amen" abschließt und dadurch gewissermaßen alle vorgehenden Gebete bestätigt.

Hinweis: Die weiteren Elemente der eucharistischen Liturgie werden im fünften Teil der Serie behandelt.

Von Fabian Brand