Faszination Fatima
Die Geschichte des berühmten Wallfahrtsortes in Portugal

Faszination Fatima

Die Erscheinungen von Fatima begeistern auch noch nach hundert Jahren die Gläubigen. Jährlich pilgern mehr als fünf Millionen Menschen in die portugiesische Kleinstadt. Viele wollen Buße tun.

Von Roland Müller |  Fatima - 12.05.2017

Vor hundert Jahren, am 13. Mai 1917, geschah in dem kleinen portugiesischen Ort Fatima etwas Unglaubliches: drei einfache Hirtenkinder sahen Erscheinungen der Gottesmutter Maria. Bereits 1916 wollen die Geschwister Francisco und Jacinta Marto und ihre Cousine Lucia dos Santos drei Erscheinungen von Engeln gehabt haben, die sie auf die marianischen Visionen vorbereiten sollten. Jeweils am 13. eines Monats, von Mai bis Oktober 2017 sprach Maria zu den Seherkindern und vertraute ihnen Botschaften für die Welt an. Am 13. Oktober 1917 gab es mit der letzten Erscheinung ein geradezu furioses Finale: Zehntausende Gläubige wurden Zeugen eines von den drei Kindern angekündigten Sonnenwunders. Fortan sollte Fatima nicht mehr nur ein kleines Bauerndorf sein, sondern sich zu einem weltweit bekannten Pilgerort entwickeln.

Erscheinungen im Tal des Friedens

Bereits 1919 begann der Bau einer Kapelle in der Senke "Cova da Iria" (Tal des Friedens), dem Schauplatz der Marienerscheinungen. Zwei Jahre später feierte man dort die erste Messe. Aufgrund der wachsenden Zahl von Pilgern wurde 1928 eine Kirche oberhalb des Tals errichtet, die 1953 geweiht wurde. 1930 erklärte der zuständige Ortsbischof von Leira die Erscheinungen für glaubwürdig und erlaubte die öffentliche Verehrung "Unserer Lieben Frau von Fatima". Das Gotteshaus wurde unter den Schutz "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" gestellt und ein Jahr später in den Rang einer Basilika erhoben. Durch ihre Kolonnaden rahmt die hohe, helle Kirche den Pilgerbereich von Fatima ein. Gegenüber der Rosenkranzbasilika steht seit 2007 die Basilika der Heiligen Dreifaltigkeit.

Papst Franziskus besucht zum Fatima-Jubiläum 2017 den portugiesischen Marienwallfahrtsort.

Das offizielle Logo der Reise von Papst Franziskus zum Fatima-Jubiläum 2017.

Heute pilgern jedes Jahr mehrere Millionen Gläubige nach Fatima – Tendenz steigend. Fatima ist nach Lourdes der zweitgrößte Marienwallfahrtort in Europa und einer der größten weltweit. 2016 wurden offiziell 5,3 Millionen Pilger gezählt, die an 10.000 religiösen Feiern teilgenommen haben. Von diesen mehr als fünf Millionen Besuchern waren 693.000 als Fußpilger registriert. Diese nähern sich oft auf Knien rutschend der Erscheinungskapelle und der davor stehenden Marienstatue, die nach Angaben der Seherin Lucia angefertigt wurde. Zu diesem Zweck gibt es auf allen Abschnitten der Pilgerwege glatte Marmorplatten, die das Aufschürfen der Knie verhindern. Denn anders als in Lourdes, wo die Krankenheilung im Zentrum der Wallfahrt steht, kommen die Pilger nach Fatima, um Buße zu tun. Damit halten sie sich an die Weisungen der erschienenen Gottesmutter, die zu Gebet und Besserung aufgerufen hatte.

Papst Franziskus besucht Fatima

Neben der Erscheinungskapelle ist auch die Rosenkranzbasilika ein Ziel der Wallfahrt in Fatima. Dort befinden sich die Gräber der drei Seherkinder. Francisco und Jacinta starben noch im Kindesalter an der Spanischen Grippe und wurden 2000 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Die Reliquien von Lucia, die 2005 als Ordensschwester starb, wurden ebenfalls in der Basilika beigesetzt. Für sie läuft derzeit ein Seligsprechungsprozess.

Zum hundertsten Jubiläum der Erscheinungen besucht Papst Franziskus den Wallfahrtsort – so wie auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. vor ihm. Franziskus ist es ein großes Anliegen, zu diesem bedeutenden Ort des Katholizismus zu pilgern, denn er hatte sein Pontifikat kurz nach der Wahl zum Papst im März 2013 unter den Schutz der Muttergottes von Fatima gestellt. Gemeinsam mit Franziskus werden mehr als eine halbe Million Pilger in Fatima erwartet. Nicht nur wegen des Jahrestages, sondern auch, weil Franziskus den Gläubigen ein Geschenk machen will: Er wird die beiden Sehergeschwister heilig sprechen. Damit kommt der Papst der wachsenden Verehrung der Muttergottes von Fatima nach. Diese ist so groß, dass die berühmte Marienstatue seit 1947 auf allen Weltteilen zu Gast war – ganz im Sinne der Erscheinungen von Fatima: Maria möchte den Menschen entgegen kommen.

Von Roland Müller

Linktipp: "Ihr habt die Hölle gesehen"

Der portugiesische Wallfahrtsort Fatima zieht jedes Jahr mehrere Millionen Pilger an. Vor 100 Jahren erschien dort drei Hirtenkindern die Muttergottes - und teilte ihnen drei Geheimnisse mit. (Artikel vom Mai 2017)

100 Jahre Fatima: Kardinal Marx ruft zu Marienfrömmigkeit auf

Zum 100. Jahrestag der Marienerscheinungen in Fatima haben die katholischen Bischöfe in Deutschland zu einer stärkeren Marienfrömmigkeit aufgerufen. "An Maria erkennen wir, wie sich das Leben grundlegend verändern kann, wenn wir erkennen und glauben, dass Gott in Jesus von Nazareth der Bruder aller Menschen geworden ist", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Freitag in Bonn. Die Gottesmutter sei "die große Zeugin der Menschennähe und Menschenfreundlichkeit Gottes und damit ein Ansporn zum Frieden und zur Versöhnung unter den Menschen". Marx verwies auch auf den am heutigen Freitag beginnenden Besuch von Papst Franziskus in dem portugiesischen Wallfahrtsort. Dabei wird Franziskus zwei der Seherkinder von 1917 heiligsprechen. Der Papst wolle die Christen ermuntern, "als Pilger der Hoffnung und Liebe im Alltag, in unseren Kirchen an der Hand der Gottesmutter österliche Zeugen der Hoffnung für alle Menschen zu werden", so der Kardinal. (KNA)

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