Feuer in Notre-Dame vollständig gelöscht – Macron: Wiederaufbau
Solidaritätsbekundungen aus aller Welt

Feuer in Notre-Dame vollständig gelöscht – Macron: Wiederaufbau

Der Morgen danach: Fast so, als wäre nichts gewesen, erscheint das Äußere der Pariser Kathedrale Notre-Dame nach dem verheerenden Brand. Doch das Großfeuer hat schwere Schäden angerichtet. Solidaritätsbekundungen gibt es aus aller Welt – auch aus Deutschland.

Paris - 16.04.2019

Nach dem verheerenden Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist der Brand nach Angaben der Feuerwehr inzwischen vollständig gelöscht worden. Am Morgen hatte es noch einzelne Glutnester gegeben. Den Angaben zufolge konnte die Grundsubstanz der Kirche sowie die Fassade mit den beiden Haupttürmen gerettet werden. Offenbar ebenso wie wichtige Gemälde, Kunstgegenstände und Reliquien, darunter auch die traditionell verehrte Dornenkrone Jesu. Über 400 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Medienberichten zufolge wurde ein Feuerwehrmann schwer verletzt. Der Brand hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Nun werde mit der Begutachtung der Schäden begonnen, hieß es weiter.

Das Feuer war am Montagabend ausgebrochen, Flammen und meterhohe Rauchwolken standen über dem Hauptschiff. Der gesamte Dachbereich brannte. Wie es zu dem Brand kam, wird derzeit untersucht. Möglich ist ein Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten am Dachstuhl. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert brannte aus und stürzte ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte einen Wiederaufbau von Notre-Dame zu.

"Ich versichere Ihnen das Gebet der Gläubigen in Deutschland"

Weltweit reagierten Vertreter von Kirche und Politik mit Trauer und Entsetzen. Mit Fassungslosigkeit und Erschütterung hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, auf den verheerenden Brand der Kathedrale Notre-Dame in der französischen Hauptstadt Paris reagiert. In einem Brief an den Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, schreibt Marx am Dienstagmorgen: "Was gestern mit Ihrer Bischofskirche Notre-Dame geschehen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich übermittle Ihnen, den Gläubigen des Erzbistums Paris und allen Menschen Frankreichs meine tief empfundene Anteilnahme."

Mit dem Feuer und der weiten Zerstörung von Notre-Dame sei das Herzstück des katholischen Glaubens in Paris ebenso getroffen worden wie eines der Wahrzeichen ganz Frankreichs und Europas, so Marx. "In Notre-Dame haben sich über Jahrhunderte Baustile, Kunstgeschichte und bedeutende historische Ereignisse vereint, die den europäischen Kontinent mit prägten. In der Sprachlosigkeit über diesen Schicksalsschlag für Ihr Land versichere ich Ihnen das Gebet der Gläubigen in Deutschland." Die Kathedrale von Paris sei jener Ort, an dem französische Geschichte geschrieben und angesichts nationaler Katastrophen in Trauer und Gebet gedacht wurde: "Jetzt ist dieser Ort der Einkehr selbst ein Ort der Trauer. Die Karwoche mit ihren aufrüttelnden Bildern und Texten ist für Paris, Frankreich und Europa zu einer Woche tiefster Trauer geworden", so Marx.

Der Pariser Erzbischof Aupetit rief zum Gebet und zur Zuversicht auf. Der Sprecher der Französischen Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas, äußerte sich auf Twitter "furchtbar traurig" über "den Verlust, den dies für die Katholiken unseres Landes und alle Franzosen bedeutet". Der Rektor der Pariser Großen Moschee, Dalil Boubakeur, twitterte: "Bitten wir Gott, dieses für unsere Herzen so wertvolle Denkmal zu bewahren."

Mit "Schock und Trauer" reagierte der Vatikan auf die Nachricht. Man sei den Katholiken und allen Menschen in Frankreich nahe, erklärte Vatikansprecher Alessandro Gisotti. Papst Franziskus brachte seine Nähe zu den Katholiken Frankreichs und der Pariser Bevölkerung zum Ausdruck. Wie Gisotti am Dienstagmorgen twitterte, betet der Papst für alle, die sich der dramatischen Lage gestellt haben und dies weiter tun.

Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame in Paris brennt lichterloh am 15. April 2019.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erklärte am Abend: "Berlin und Paris verbindet seit 1987 eine enge Freundschaft und Partnerschaft, daher berührt es uns in Berlin besonders, wenn dieses herausragende Wahrzeichen zerstört wird." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete Notre-Dame auf Facebook als das "spirituelle Zentrum, so etwas wie die Seele von Paris".

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße erklärte am Dienstagmorgen: "Der Brand und die teilweise Zerstörung der Kathedrale Notre-Dame in Paris haben mich schockiert. Diese Kirche ist ein Symbol des Glaubens weit über Paris hinaus" Seit Jahrhunderten werd in dieser Kathedrale gebetet und Gottesdienst gefeiert. Für unzählige Menschen sei sie eine geistliche Heimat. "Meine Gedanken sind heute bei ihnen. Es ist ein sehr großer Verlust", so Heße. Am Dienstag um 12 Uhr werde der Hamburger St.-Marien-Dom wie die evangelischen Hauptkirchen der Stadt die Trauerglocke als Zeichen der Anteilnahme und des Mitgefühls läuten, hieß es. Auch die Diözesen Köln, Mainz, Freiburg und Regensburg kündigten Gebet und Geläut für Notre-Dame an.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick äußerte sich schockiert über das Feuer. "Der Brand in Notre-Dame geht mir zu Herzen", schrieb Schick am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Er leide mit den Franzosen, für die die Kathedrale ein Symbol ihrer Nation sei. "Sie muss bald restauriert werden", so der Erzbischof. Zugleich zeigte er sich erleichtert, dass die Dornenkrone Christi aus dem Inneren gerettet werden konnte. Sie sei seinem Namenspatron, dem heiligen Ludwig, so kostbar gewesen, erklärte Schick.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich von den Bildern der brennenden Kathedrale "bis ins Mark erschüttert". Er sei dort mehrfach zu Gast gewesen und habe die Kathedrale "als einen Ort erlebt, wo Menschen Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit finden", sagte der Bischof des Bistums Dresden-Meißen am Dienstag. "Die Kathedrale ist ein Ort voller Hoffnung und Sehnsucht der Menschen, ein Zeugnis des christlichen Glaubens", erklärte Timmerevers. "Nun mussten wir erleben, wie verletzlich und zerbrechlich diese Kathedrale ist, an der Menschen über Jahrhunderte zur Ehre Gottes gebaut haben. Dass dieses Refugium für die Menschen aus Paris, Frankreich und aller Welt nun massiv zerstört ist, berührt mich zutiefst."

"Wie der Wiener Stephansdom am 12. April 1945..."

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte im ORF, er wünsche sich, dass die Kathedrale wiederaufgebaut werde. "So muss es den Menschen gegangen sein, als am 12. April 1945 der Stephansdom gebrannt hat." Der Jüdische Weltkongress drückte seine Solidarität mit Frankreich und der katholischen Kirche aus.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, schrieb am Montagabend, es tue weh, diese "schrecklichen Bilder" zu sehen. "Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur." Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sprach Frankreichs Katholiken Anteilnahme aus. "Notre-Dame ist mehr als ein Kirchenbau; sie ist euer Zentrum und für alle Europäer ein wunderbarer Ort." Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay forderte eine schnelle Beurteilung der Schäden. Schon in den ersten Stunden müssten strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Notre-Dame ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen in Paris; sie wird jährlich von zwölf bis 14 Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale ist Sitz der Erzbischofs von Paris und befindet sich im Herzen der französischen Hauptstadt auf der Île de la Cité. Die Geschichte der Kirche reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Damit ist Notre-Dame eine der ältesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs. Nahezu 200 Jahre dauerte der Bau des Gotteshauses, das als wichtigste Reliquie die Dornenkrone beherbergt, die Jesus Christus bei seiner Passion getragen haben soll. Laut aktuellen Medienberichten konnte die Krone vor dem Feuer gerettet werden. (tmg/KNA)

16.4., 9:26 Uhr: Ergänzt um Stellungnahmen der Erzbischöfe Heße und Schick. 11:18 Uhr: Ergänzt um Angaben zur vollständigen Brandlöschung, zu den Solidaritätsbekundungen aus Mainz, Freiburg und Regensburg sowie die Stellungnahme von Bischof Timmerevers.