Forschen für Franziskus
Zu Besuch in den Laboren der Kinderklinik "Bambino Gesu"

Forschen für Franziskus

An diesem Dienstag begeht das vatikanische Kinderkrankenhaus "Bambino Gesu" sein 150. Jubiläum. Was viele nicht wissen: Die Klinik ist auch in der Forschung aktiv. Allein im Jahr 2017 haben die Wissenschaftler des Krankenhauses 16 neue seltene Krankheiten entdeckt.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA) |  Rom - 19.03.2019

Wo früher ein Fußballplatz war, wird heute im Auftrag von Papst Franziskus geforscht: Am Sitz der vatikanischen Kinderklinik bei Sankt Paul vor den Mauern in Rom geht es zu wie im Bienenstock, immer wieder eilen Laboranten ein und aus, während andere konzentriert arbeiten, begleitet vom Surren der technischen Geräte.

Seit den 1990er Jahren hat das Bambino Gesu – auch bekannt als Kinderklinik des Papstes – hier einen Standort; 2014 begann die Ausweitung mit neuen Laboren und Patientendiensten auf 5.000 Quadratmetern, die das Ende des Fußballplatzes und den Beginn des Forschungszentrums der Vatikankinderklinik auf vier Stockwerken bedeuteten. Was nach viel Platz klingen mag, reicht jedoch nicht: Bruno Dallapiccola, wissenschaftlicher Leiter des Bambino Gesu, telefoniert gerade, um Vergrößerungspläne zu besprechen. Der Genetiker ist seit 2010 Chef der Forschungsabteilung, die inzwischen rund 400 Mitarbeiter zählt.

Vor 150 Jahren als erstes Kinderkrankenhaus Italiens gegründet

Bis dahin war es ein langer Weg. Vor genau 150 Jahren, am 19. März 1869, wurde das Bambino Gesu von Herzogin Arabella Salviati als erstes Kinderkrankenhaus in Italien gegründet. Damals ging es mit vier Krankenbetten unter der Betreuung von Ordensschwestern im Stadtteil Trastevere los; 1887 entstand der Hauptsitz am Hügel Gianicolo, 1924 kam die Kinderklinik in den Besitz des Vatikan: Als Schenkung an den Heiligen Stuhl.

Linktipp

Weitere Informationen zur Kinderklinik "Bambino Gesu" und ihrer Forschungsarbeit finden Sie in englischer Sprache auf der Internetseite des Krankenhauses.

Forschungschef Dallapiccola betont jedoch die finanzielle Unabhängigkeit: "Nicht ein Cent kommt vom Vatikan!" Zur Forschung stünden mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung, ein Teil aus Spenden und Fundraising, ein anderer Teil dank nationaler und internationaler Ausschreibungen. Zudem gibt es Mittel vom italienischen Gesundheitsministerium: Dort ist das Bambino Gesu seit 1985 als Forschungseinrichtung anerkannt.

Doch auch jenseits Italiens hat die laut eigenen Angaben größte Poliklinik mit Forschungszentrum für Kinderkrankheiten in Europa einen guten Ruf und arbeitet mit derzeit mehr als 225 ausländischen Einrichtungen zusammen, davon 86 Prozent in Europa. Deutschland liegt mit mehr als 30 Kooperationen an der Spitze; in der Schweiz sind es hingegen weniger als zehn Partner, in Österreich noch etwas weniger.

Daneben kümmert sich das Bambino Gesu auch um Patienten aus dem Ausland: 55 Kinder wurden etwa im Jahr 2017 aus humanitären Gründen aufgenommen und behandelt. Und auch die Ausbildungskooperationen sind Dallapiccola sehr wichtig: Während er von der Mission des Bambino Gesu berichtet, gestikuliert der Italiener begeistert und holt all die Teams, die Kollegen in Konfliktländern bei OPs anleiten, quasi in sein Büro.

Der Eingang zur vatikanischen Kinderklink "Bambino Gesu" in Rom.

Von dort ist es nur ein Katzensprung in die gegenüberliegenden Labors. Hier wird zu genetischen und seltenen Krankheiten geforscht, zu Immunologie und Infektionskrankheiten. Auch an der Entwicklung von Arzneimitteln für Kinder wird gearbeitet. Multifaktorielle und komplexe Krankheiten sind ebenso Thema wie Onkologie und Hämatologie, klinische und technische Entwicklung – es riecht deutlich nach Technik, vermischt mit dem Geruch klinischer Sauberkeit. Stolz präsentiert Dallapiccola die neueste Errungenschaft des Bambino Gesu namens "NovaSeq 6000". Der Apparat, der äußerlich an einen Kopierer erinnert, ist ein Ass der Genomanalyse, erklärt der Forschungsdirektor: Ein Tropfen Blut und ein Tag reichten, dann spuckt das Gerät 384 Analysen aus.

Vor zwei Jahren entdeckte die Klinik 16 neue Krankheiten

Die werden direkt nebenan verarbeitet; aufgrund der Datenmenge wird der Einsatz von Bioinformatikern wie Emanuele Agolini immer wichtiger. Der 35-jährige Forscher sucht anhand der Ergebnisse Besonderheiten, um Rückschlüsse auf Krankheiten ziehen zu können. Dazu sitzt er, wie so oft und viele seiner jungen Kollegen, am Computer. Fast 80 Prozent seiner Arbeit erledigt der Biologe mit Hilfe des PCs. Gerade vergleicht er anonymisierte Patientendaten mit Referenzdaten. Allerdings können DNA-Varianten einerseits Krankheiten auslösen, andererseits tun sie es nicht, erklärt er die Sisyphusarbeit. Die lohnt sich jedoch oft: Im Jahr 2017 entdeckte das Bambino Gesu beispielsweise 16 neue seltene Krankheiten.

Für Dallapiccola sind dies mit die schönsten Momente bei der Arbeit in der Klinik: "Mal ist es, wenn eine Krankheit endlich bestimmt werden kann, bei anderen wieder eine geglückte Transplantation – jede Hilfe ist ein Erfolg."

Von Stefanie Stahlhofen (KNA)