"Maria 1.0": Bischofskonferenz hat falsche Antworten auf Krise
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Kritik an "synodalem Weg"

"Maria 1.0": Bischofskonferenz hat falsche Antworten auf Krise

Im Jahr 2018 verzeichnete die Kirche alarmierend hohe Austrittszahlen. Für die Initiative "Maria 1.0." ist der "synodale Weg" aber nicht geeignet, um den Trend zu stoppen. Diese Sicht teile auch der Papst, sind sich die Initiatoren sicher.

Augsburg - 23.07.2019

Nach Ansicht der Initiative "Maria 1.0." zieht die Deutsche Bischofskonferenz die falschen Schlussforderungen aus der aktuellen Kirchenstatistik. Die Kirche in Deutschland habe ein Glaubens- und kein Strukturproblem, hieß es in einer Pressemitteilung am Montag. Es sei "nicht zielführend, wenn Personen, die Lösungen in Strukturreformen statt in einer Rückbesinnung auf die Sakramente sehen, an der Kirche 'herumdoktern wollen'".

Evangelisierung und Bekehrung

Konkret kritisiert Maria 1.0 den "synodalen Weg" der Bischofskonferenz scharf. Dieser werde unter dem "falschen Blickwinkel" der Struktur beschritten. Papst Franziskus habe Ende Juni in seinem Brief an die Gläubigen in Deutschland aber "unmissverständlich" klar gemacht, dass "die bisherige 'synodale Sichtweise' die bestehenden Probleme nicht lösen" könne. Nur Evangelisierung und Bekehrung seien aus Sicht des Papstes zielführend, glaubt Maria 1.0.

"Wer die Kirche verlässt, weil sie nicht dem Zeitgeist entspricht, zeigt damit nur, dass er keinen Glauben mehr hat", so die Initiative. Für Gläubige sei die Eucharistie unverzichtbar, und daher sei ein Kirchenaustritt "trotz aller möglichen Probleme" nie eine Option. Forderungen etwa nach der Abschaffung des Zölibats oder Frauenordination seien ein "alter Hut". Wer sich davon Wachstum erhoffe, ignoriere, dass die evangelische Kirche ebenfalls hohe Austrittszahlen vorzuweisen habe. Menschen sollten "wieder in die Kirche gehen, weil sie Sehnsucht nach den Sakramenten haben und nicht weil der Pfarrer eine Frau hat oder ist".

Ganz anders sehen andere Frauengruppen innerhalb der katholischen Kirche die aktuelle Situation. "Ich glaube, dass ganz viele Menschen, Frauen und Männer, Kleriker und Laien auf dem Weg sind und verstanden haben, dass die Kirche sich wirklich bewegen muss", sagte etwa Dorothee Sandherr-Klemp, Geistliche Beirätin im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) am Montag im Interview mit domradio.de. Ihr Verband fordert unter anderem den Zugang aller Getauften und Gefirmten zu den Weiheämtern. Den Verweis auf die evangelische Statistik sei problematisch, da die Kirchenbindung dort "immer anders" gewesen sei. Mit seiner neuen Aktion "Maria, schweige nicht!", die am Wochenende startete, möchte der KDFB an der reformorientierte Aktion Maria 2.0. anknüpfen. Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) fordert die Öffnung aller kirchlichen Dienste und Ämter für Frauen. Ein entsprechendes Positionspapier wurde im Juni auf der kfd-Bundesversammlung beschlossen.

"Fürbewegung" zu Gott

Maria 1.0 wurde im Mai von der Augsburger Katholikin Johanna Stör gegründet. Sie bezeichnet ihre Initiative nicht als Gegenbewegung zu Maria 2.0, sondern als "Fürbewegung" zu Gott. "Ich möchte damit zeigen, dass es auch Frauen gibt, die treu zur Lehre der Kirche halten", so die 33-jährige Lehrerin. Die gerade veröffentlichte aktuelle Kirchenstatistik zeigt einen sprunghaften Anstieg der Austrittszahlen von 167.504 im Jahr 2017 auf 216.078 im Jahr 2018. Das ist ein Anstieg von fast 30 Prozent. (gho)