Benedikt XVI. schreibt.
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Franziskus nimmt Rücktrittsangebot von Dario Vigano an

Medienchef tritt nach Skandal um Benedikt-Brief zurück

Ein Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wurde vom Vatikan unkenntlich gemacht und kritische Passagen gekürzt wiedergegeben. Medienchef Dario Vigano zieht nun die Konsequenzen aus dem Skandal.

Vatikanstadt - 21.03.2018

Der Präfekt des vatikanischen Kommunikationssekretariats, Dario Vigano (55), ist zurückgetreten. Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, nahm Papst Franziskus sein Rücktrittsangebot "nicht ohne einige Mühe" an. Die vielen Kritiken und Polemiken der vergangenen Tage gegen seine Arbeit gefährdeten das gesamte Projekt der Medienreform im Vatikan; daher biete er seinen Rücktritt an, schreibt der Brasilianer in einem Brief an Papst Franziskus, den der Vatikan veröffentlichte.

Bis zur Ernennung eines Nachfolgers wird der bisherige Sekretär des Mediendikasteriums, Lucio Adrian Ruiz (52), die Behörde leiten. Vigano soll nach dem Willen des Papstes in Zukunft als sogenannter Assessor weiter für das Mediensekretariat tätig sein. Welche Aufgaben mit diesem Amt verbunden sind, geht aus dem Brief von Franziskus nicht hervor. 

In der vergangenen Woche hatte es eine heftige Kontroverse um den päpstlichen Kommunikationschef gegeben. Bei der offiziellen Präsentation einer Buchreihe zur Theologie von Papst Franziskus hatte Vigano einen Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (2005-2013) verlesen. Darin lobte dieser das Publikationsprojekt an sich, lehnte aber zugleich einen Einleitungsaufsatz ab. Zur Begründung schrieb Benedikt: "Ich fühle mich nicht imstande, einen kurzen und dichten theologischen Abschnitt zu schreiben, weil ich mein Leben lang nur zu Büchern geschrieben und mich nur zu Büchern geäußert habe, die ich auch wirklich gelesen habe." Leider könne er "auch aus physischen Gründen" die elf Bände in naher Zukunft nicht lesen, zumal er noch andere Verpflichtungen habe, denen er bereits zugestimmt habe.

Erst ein, dann zwei, dann drei Absätze

Unmittelbar im Anschluss veröffentlichte Viganos Behörde jedoch nur den ersten Absatz des Briefes. Der zweite, der die Begründung der Absage enthielt, war nicht mehr dabei;  ein Foto des Schreibens wurde dafür teilweise manipuliert und Passagen unkenntlich gemacht. Die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press wertet das Vorgehen als eine Manipulation, die "die Bedeutung des Bildes in so einer Weise änderte, dass es fotojournalistische Standards verletzt".

Erst später wurde ein dritter Absatz aus dem Brief bekannt, in dem sich Benedikt XVI. verwundert über die Beteiligung des deutschen Theologen Peter Hünermann äußert. Diesem warf er unter anderem "antipäpstliche" Kampagnen vor. Weiter erinnert er an die maßgebliche Beteiligung Hünermanns an der "Kölner Erklärung", die auf heftige Weise die Lehrautorität des Papstes besonders in Moralfragen angegriffen habe. Ferner habe Hünermann die "Europäische Theologengesellschaft" anfänglich als papstkritische Organisation gegründet; erst das kirchliche Empfinden vieler beteiligter Theologen habe den Charakter der Vereinigung verändert.

Vigano begründete seine zunächst selektive Veröffentlichung des Briefes mit dessen privatem Charakter und wies jede Manipulationsabsicht von sich. Der Brasilianer war seit 2015 Präfekt des Kommunikationssekretariats der römischen Kurie und zuvor seit 2013 Direktor des Vatikanischen Fernsehzentrums CTV. (bod/KNA)

21.03.2018, 13.28 Uhr: aktualisiert um weitere Details