Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Porträt
Ex-Glaubenspräfekt sieht Jesuiten-Rektor in Verantwortung für Lehre

Müller gegen "faulen Kompromiss" im Fall Wucherpfennig

Für die Rechtgläubigkeit Wucherpfennigs könne nicht der Jesuitenorden einstehen, ist Müller überzeugt. In der Kirche seien zuletzt zu viele "faule Kompromisse" geschlossen worden. Als Beispiel nennt der Kardinal einen weiteren für Deutschland relevanten Fall.

Köln - 25.10.2018

Im Konflikt um die ausstehende vatikanische Bestätigung für den gewählten Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Pater Ansgar Wucherpfennig, fürchtet der frühere Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, "einen faulen Kompromiss". Für die Rechtgläubigkeit Wucherpfennigs könne nicht der Jesuitenorden einstehen, sagte Müller am Donnerstag dem Internetportal des Erzbistums Köln, domradio.de. Der Jesuitenpater sei eine eigenverantwortliche Persönlichkeit. "Insofern muss er verantwortlich für seine Lehre eintreten."

Müller: den "ganzen" katholischen Glauben akzeptieren

Wucherpfennig war im Februar für eine dritte Amtszeit als Rektor von Sankt Georgen wiedergewählt worden. Der Vatikan erteilte ihm bislang nicht die erforderliche Unbedenklichkeitserklärung ("Nihil obstat"). Der Geistliche hatte sich in Interviews kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen geäußert. Laut einem unbestätigten Bericht der "Herder Korrespondenz" (November) ist der Vatikan bereit, grünes Licht für Wucherpfennig zu geben, wenn der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, die Verantwortung für die "Rechtgläubigkeit" von Wucherpfennig übernimmt.

Nach den Worten Müllers muss ein Hochschulmitarbeiter, der an führender Stelle die katholische Lehre vermittelt, "den ganzen katholischen Glauben als Basis seiner wissenschaftlichen Auslegung" akzeptieren. Diese sei auf dem "natürlichen Sittengesetz und dem offenbarten Glauben" aufgebaut. "Es gibt eine ganz klare Anthropologie, ein christliches Menschenbild, und dazu gehört die Dualität von Mann und Frau", so Müller. Die Grundwirklichkeit der Ehe sei nur für einen Mann und für eine Frau möglich. "Personen gleichen Geschlechts können keine Ehe eingehen", so der Kardinal.

Der frühere Präfekt wandte sich entschieden dagegen, dass die katholische Kirche ihre Sexualmoral "der angeblich modernen" anpasse. Denn was als moderne Sexualmoral bezeichnet werde, habe es schon lange vor dem Christentum gegeben und existiere im außerchristlichen Bereich. "Insofern kann man nicht sagen, dass die katholische Lehre in irgendeiner Weise konservativ oder mittelalterlich wäre", betonte Müller.

Bis 2017 Chef der Glaubenskongregagation

Nach seinen Worten gibt es in letzter Zeit "oft so faule Kompromisse", die der Kirche schwer schadeten. Dazu gehöre die Frage des Kommunionempfangs durch Personen, die nicht voll der katholischen Kirche angehörten. "Theologisch ungelernte Personen" seien auf die Idee gekommen, ein Bischof könne hier nach eigenem Gutdünken entscheiden. Müller stand von 2012 bis 2017 an der Spitze der obersten Glaubensbehörde im Vatikan. (KNA)

Medien: Vatikan bei Wucherpfennig zu Kompromiss bereit

Ist eine Lösung in der Causa Wucherpfennig in Sicht? Offenbar ist der Vatikan zu einem Kompromiss bereit und könnte dem Jesuiten-Rektor doch noch das "Nihil obstat" erteilen. Das wäre allerdings an eine ungewöhnliche Bedingung geknüpft.