Papst: Jesus hat kein Brot vermehrt – er lehrte Menschen zu teilen
Franziskus deutet berühmte Wundererzählung

Papst: Jesus hat kein Brot vermehrt – er lehrte Menschen zu teilen

Die sogenannte "Brotvermehrung" zählt zu den bekanntesten Wundern Jesu: Fünf kleine Brote machen 5.000 Menschen satt. Doch eine wirkliche Vermehrung habe gar nicht stattgefunden, sagt Papst Franziskus.

Rom - 24.06.2019

Papst Franziskus hat die Christen Roms dazu aufgefordert, sich von Wut und negativer Stimmung nicht herunterziehen zu lassen. Auch sollten sie teilen und nicht für sich selber anhäufen, mahnte er bei einem Fronleichnamsgottesdienst am Sonntagabend im römischen Stadtteil Casal Bertone. In der Erzählung von der sogenannten Brotvermehrung, die am Fronleichnamsfest gelesen wird, komme das Wort "vermehren" gar nicht vor, so Franziskus auf dem Platz vor der Kirche "Santa Maria Consolatrice" (Maria Trösterin). Jesus habe aus fünf Broten nicht 5.000 gemacht; im Bibeltext gehe es allein um die Worte "brechen, geben, austeilen".

Wörtlich sagte Franziskus: "Es ist wichtig: Jesus betreibt keine Magie, er verwandelt die fünf Brote nicht in fünftausend, um dann zu sagen: 'Verteilt sie jetzt.'" Stattdessen würde Jesus beten, die Brote segnen und beginnen, sie im Vertrauen auf den Vater zu brechen. "Und diese fünf Brote gehen nicht mehr aus. Das ist nicht Magie, es ist Vertrauen auf Gott und auf seine Vorsehung."

Dagegen werde überall sonst nach Vermehrung des Gewinns und nach Umsatzsteigerung gesucht. "Aber zu welchem Zweck? Zum Geben oder zum Haben? Zum Teilen oder zum Anhäufen?", fragte das Kirchenoberhaupt. Die "'Ökonomie' des Evangeliums" hingegen vermehre durch Teilen; "sie befriedigt nicht die Gefräßigkeit der Wenigen, sondern sie gibt der Welt Leben".

Nicht von Arroganz anstecken und von Bitterkeit einnehmen lassen

Weiter forderte der Papst die Christen auf, anstatt einander zu beschimpfen, sollten sie einander segnen - was im Grunde bedeute, gut übereinander zu reden und Mut zuzusprechen. Leider scheine oft derjenige Zustimmung zu erhalten, "der mehr und stärker schreit, der wütender ist". Dennoch solle man sich nicht von Arroganz anstecken und von Bitterkeit einnehmen lassen, bat Franziskus die Menschen.

Bezugnehmend auf anhaltende Klagen der Römer über ihre Stadt sprach das Kirchenoberhaupt von "Verfall und Vernachlässigung", unter denen Rom leide. Angesichts einsamer alter Menschen, Familien in Schwierigkeiten und junger Menschen, die keine Arbeit finden, forderte der Papst dazu auf, ebenfalls zu teilen. Auch wenn der Einzelne oft nur wenig habe, könne das Wenige durch Teilen viel bewirken.

Casal Bertone, erbaut für im Zweiten Weltkrieg ausgebombte Einwohner Roms, liegt wie eine Insel zwischen Verkehrsknotenpunkten sowie Bahngleisen und Schnellstraßen. Im vergangenen Jahr fand die Fronleichnamsfeier mit dem Papst erstmals nicht an der Lateranbasilika, sondern in der römischen Hafenstadt Ostia statt.

Das Fronleichnamsfest (Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi) ist ein Hochfest im Kirchenjahr, mit dem die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Beim traditionellen Mittagsgebet auf dem Petersplatz hatte Papst Franziskus am Sonntag Katholiken aufgefordert, das Eucharistiesakrament neu für sich zu entdecken. Fronleichnam sei eine gute Gelegenheit dazu, sagte das Kirchenoberhaupt. Der Kommunionempfang in der Messe dürfe keine reine Gewohnheit werden. Das "Amen", das der Gläubige dazu sagt, müsse "aus dem Herzen kommen", damit die Liebe Jesu Christi, der in Brot und Wein gegenwärtig sei, das Leben der Gläubigen verwandle. (tmg/KNA)

24.06.2019, 14.12 Uhr: ergänzt um weitere Details aus der Predigt