Kerzen anlässlich einer Rorate-Messe in Herz Jesu Bad Godesberg
Zwei Kinder starben auf tragische Weise

Pfarrer zu Traktor-Unglück: Unser Dorf ist in "Schockstarre"

Die Unfall-Tragödie im Allgäu mit zwei toten Kindern sorgte am Wochenende für Erschütterung. Der kleine Ort Balderschwang ist seitdem im Ausnahmezustand. "Selten war in meinem Leben eine priesterliche Präsenz so notwendig", sagt der örtliche Pfarrer.

Balderschwang - 15.07.2019

Nach dem Traktor-Unfall bei Balderschwang im Oberallgäu, bei dem am Samstagabend zwei Kinder gestorben sind, sieht der örtliche katholische Pfarrer Richard Kocher (59) das Dorf "in Schockstarre". "Das ist ein ganz heftiges Ereignis, da muss man schon sehr stark sein", sagte Kocher am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

In Balderschwang war es am Samstagabend zu einer Tragödie gekommen. Ein Mädchen und ein Junge im Alter von 13 und 10 Jahren befanden sich in einem an der Front eines Treckers montierten Transportbehälter; das Fahrzeug fuhr ein 15-Jähriger. Aus noch ungeklärter Ursache wurden die Kinder auf einmal aus der Kiste geschleudert und überfahren. Ein weiteres 12-jähriges Mädchen, das sich ebenfalls in dem Behältnis befand, blieb körperlich unversehrt, erlitt aber einen schweren Schock.

Keine billigen Trostworte geben

Kocher, der auch Programmdirektor des christlichen Privatprogramms Radio Horeb in Balderschwang ist, erklärte, er sei unmittelbar nach der Katastrophe Teil der Krisenintervention gewesen und habe mit den Betroffenen gebetet. "Selten war in meinem Leben eine priesterliche Präsenz so notwendig", sagte er. "Es ging darum, einfach da zu sein und Christus zu repräsentieren, den Herrn durch mein Priestersein wirken zu lassen. Keine billigen Trostworte zu geben, aber das Gefühl, dass wir in aller Fassungslosigkeit doch im tiefsten Innersten getragen sind."

Am Sonntag stellte Kocher nach seinen Worten dann den üblichen Gottesdienst ganz ins Zeichen des Geschehens vom Vorabend. "Unsere kleine Kirche war komplett voll, da waren vielleicht 150 Leute, also praktisch der ganze Ort. Es gab da eine ganz eigentümliche Stille." Er habe den Eindruck, dass das gemeinsame Gebet bei den Menschen etwas gelöst habe, so dass eine Verarbeitung des Unglücks einsetzen könne. Er selbst, so Kocher weiter, wolle nun im stillen Gebet Kraft sammeln, um über die "schrecklichen Bilder" vom Abend des Unfalls hinwegzukommen. Das Geschehnis werde die Balderschwanger unweigerlich noch einige Zeit beschäftigen. (KNA)