Der Eingangsbereich der neuen Kathedrale von Créteil bei Paris.
In sechs Ländern der Welt gibt es neue Bischofskirchen

Sie bau(t)en eine Kathedrale – Neue Domkirchen der letzten fünf Jahre

Den Kölner Dom oder das Essener Münster abreißen, um ein neues Gotteshaus an ihre Stelle zu setzen? Auf diese Idee käme in Deutschland wohl niemand. In anderen Ländern sieht das anders aus. Katholisch.de stellt die Kathedralneubauten der vergangenen fünf Jahre vor.

Von Cornelius Stiegemann |  Bonn - 21.07.2019

Norwegen: St. Olavsdom, Trondheim

Der neue katholische Dom St. Olav in Trondheim, Norwegen. Im November 2016 wurde das Gotteshaus geweiht.

In Norwegen machen Katholiken eigentlich nur drei Prozent der Bevölkerung aus. In der Prälatur Trondheim, die vom Osloer Bischof in Personalunion geleitet wird, leben auf einer Fläche von 56.000 Quadratkilometern (das ist fast doppelt so groß wie Brandenburg) nur 10.000 Katholiken. Für viele Jahre reichte deshalb die kleine St. Olavskirche. Doch seit den 1990er Jahren steigen in ganz Norwegen die Katholikenzahlen durch Einwanderer aus Polen, von den Philippinen, aus Vietnam, Äthiopien oder Eritrea. Die passten nicht mehr in die kleine Kirche von Trondheim. Planungen für den Neubau zogen sich fast 20 Jahre hin, weil die Gemeinde das Projekt finanziell alleine nicht stemmen konnte. Das deutsche Bonifatiuswerk sammelte deshalb für die Trondheimer jahrelang Spenden. Letztlich kam so ein Drittel der Gesamtkosten von 12 Millionen Euro zusammen. Am 21. November 2016 konnte der neue Olavsdom nach etwa einjähriger Bauzeit feierlich geweiht werden. Die Weihe von St. Olav war die erste Domkirchweihe in Europa seit zehn Jahren. In seinen Formen erinnert der Bau an die frühchristliche Kirchen Roms: eine dreischiffige, aus roten Ziegeln gemauerte Basilika mit flachen Kupferdächern. Die Architekten erfüllten damit den Wunsch der Trondheimer Gemeinde nach einem bewusst schlichten Gotteshaus.

Indonesien: Kathedrale Unserer Lieben Frau der immerwährenden Hilfe, Samarinda und Kathedrale des Heiligsten Herzens Jesu, Sanggau

Diese beiden Kathedralen stehen auf der gleichen Insel und könnten unterschiedlicher kaum sein: Samarinda liegt im Osten der Insel Borneo. Die Provinz ist mehrheitlich muslimisch geprägt. Trotzdem mussten "bei jeder Messe (in der alten Kathedrale, die nur 800 Menschen fasste, Anm. d. Red.) dutzende Menschen vor den Türen der Kirche bleiben", sagte der Dompfarrer im Rahmen der Einweihung. Die Gemeinde entschied sich für den Bau eines größeren, repräsentativen Gotteshauses. Das Äußere zitiert recht frei gotische Formen. Doch die Erbauer legten Wert darauf, außen wie innen Schnitzerei und Malerei der Dayak einzubinden. Diese indigene Gruppe, wurde vor über 100 Jahren christianisiert, "deshalb ist diese Kathedrale zu ihren Ehren ausgestaltet worden", sagte der Dompfarrer. Das Ende April geweihte Gebäude bietet 2000 Gläubigen Platz.

Anders als der Osten ist der Westen Borneos traditionell katholisch. Die Diözese von Sanggau hat über 300.000 Katholiken, die alte Kathedrale fasste jedoch nur 500 Personen. Deshalb plante man einen Neubau, der nach achtjähriger Bauzeit im September 2018 durch Bischof Giulio Mencuccini geweiht werden konnte. Berichten von "AsiaNews" zufolge sollen zu der Zeremonie 15.000 Gläubige erschienen sein. Mit seinen vielen, sehr spitzen Dächern und bunten Farben zitiert dieser Neubau ganz bewusst die Bautradition lokaler Volksgruppen. Der Kirchenraum hat einen quadratförmigen Grundriss. An drei Ecken flankieren die spitzen Dächer, die bis zum Boden reichen, die säulengetragenen Eingänge in den Kirchenraum. Das Hauptdach steigt vom Eingang im Westen Richtung Osten hin an, über dem Altarraum erhebt sich – weithin sichtbar – ein weiteres Spitzdach mit Kreuz.

USA: Kathedrale des Heiligsten Herzens Jesu Christi, Knoxville, TN

300.000 Ziegel , 20.000 Kalksteinplatten und 17 verschiedene Marmorsorten: Die neue Kathedrale von Knoxville ist ein Tempel nach alten Formen. Der Bau im Stil der Renaissance zitiert die großen Vorbilder italienischer Kirchenarchitektur. Die Kathedrale hat einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes, Säulen tragen den Portikus der dreischiffigen Basilika und eine imposante Kuppel überragt die Vierung. Die Decken im Inneren der Kirche sind farbig gefasst. Ehrfurchtgebietend deutet ein fast acht Meter hoher Christus, der auf die Innenseite der Kuppel gemalt worden ist, auf sein blutendes Herz, das der Kathedrale ihren Namen gibt. Neben ihm stehen Joseph, Maria und die zwölf Apostel. Darunter sind für das Bistum wichtige Heilige wie Patrick und Franziskus dargestellt. Zu Füßen des heiligen Franziskus haben die Maler übrigens die beiden Hunde des Bischofs verewigt. Der starke Kontrast der neuen Kathedrale zu ihrer Vorgängerin, einem funktionalen Backsteinbau aus den 1950er Jahren, ist übrigens weiterhin sichtbar: Anstatt das alte Gotteshaus abzureißen, ließ man es direkt neben dem im März 2018 konsekrierten Neuabu stehen und baute es zum Gemeindezentrum um. Das über 30 Millionen US-Dollar (27 Millionen Euro) teure Bauprojekt hatte in der Planungsphase heftige Kritik hervorgerufen. Doch Bischof Richard Stika verteidigte das Vorhaben damit, dass man ein Gebäude baue, das die nächsten 250 Jahre stehen solle.

Kamerun: St. Josephskathedrale, Sangmélima

Für einen Bischof sei es stets eine große Freude, eine neue Kirche zu weihen, sagte Julio Murat, Päpstlicher Nuntius von Kamerun und Äquatorialguinea. Was muss es dann erst für eine Freude sein, eine Kathedrale zu weihen? In Sagmélima, ganz im Süden des zentralafrikanischen Landes, konnte der Nuntius das zusammen mit dem Ortsbischof und tausenden Gläubigen tun. Denn am 27. April 2019 war die St. Josephskathedrale nach achtjähriger Bauzeit fertig. Es fehlten zwar noch die letzten Anstriche, aber die Glocken im etwas abseits stehenden Glockenturm läuteten bereits. Der rotgestrichene Bau ist 75 Meter lang und an seiner breitesten Stelle 65 Meter breit, sodass er 5000 Gläubige aufnehmen kann. Zum Weihefest reichte nicht einmal das. Man baute große Leinwände für die unzähligen Menschen vor der Kathedrale auf, auf denen der Gottesdienst übertragen wurde. Der Innenraum ist von einer fast spartanischen Schlichtheit. Mit seinen flachen, recht tief gezogenen Metalldächern wirkt das Gotteshaus technisch-funktional, Kritiker nannten es deshalb einen "Hangar".

China: Kathedrale St. Peter und Paul, Ningde

Bischöfe und Priester auf der großen Freitreppe vor der neuen Kathedrale der Diözese von Mindong.

Bischöfe und Priester auf der großen Freitreppe vor der neuen Kathedrale der Diözese von Mindong.

Über der Bucht von Ningde, einer Hafenstadt auf halber Strecke zwischen Hongkong und Shanghai, erhebt sich der strahlendweiße Turm der Kathedrale St. Peter und Paul. Schmal und hoch fügt er sich harmonisch in die Felsformationen der Umgebung ein. Die Verzierungen der am 29. Juni 2019 geweihten Kirche muten auf den ersten Blick europäisch an. So folgen die Apostelfiguren an der Fassade in ihrer Gestaltung und Symbolik westlichen Vorbildern des 19. Jahrhunderts. Doch die korinthisch wirkenden Kapitelle im Innenraum tragen keine Akanthusblätter, sondern stilisierten Pflanzen des asiatischen Raums. Die Baumeister haben hier einen interessanten Stilmix aus gotischen Bögen, klassizistischen Skulpturen und chinesischen Formen geschaffen. Doch ist dieser prächtige Kathedralneubau nicht unumstritten. Er spiegelt die schwierige Situation der Katholiken in China wieder. Im Rahmen des Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und dem sozialistischen Land trat der Untergrundbischof, der die Diözese bisher geleitet hatte, zugunsten eines von der Regierung eingesetzten Bischofs zurück. Daraufhin finanzierte die Provinzregierung die Bauarbeiten mit. Wodurch wiederum, so berichtet "AsiaNews", bei den Gläubigen der Eindruck entstanden sei, dass man mit dem Gotteshaus ihre Zustimmung erkaufen wolle.

Frankreich: Notre-Dame de Créteil, Créteil

Als der neue Bischof von Créteil, Michel Santier, 2007 in sein neues Bistum kam, fand er nach eigener Aussage seine Kathedrale nicht. So unscheinbar fügte sich der – ganz nach den Bauvorstellungen der Moderne – niedrige, weißverputzte Bau in seine Umgebung aus brutalistischen Wohnkomplexen und Hochhäusern. Anfang der 1960er Jahre hatte sich die Einwohnerzahl der Pariser Vorstadt Créteil mehr als verdoppelt. Man begründete dort ein eigenes Bistum, um die Seelsorge für die Menschen weiterhin gewährleisten zu können. Und diesem Bistum baute man die schlichte Kathedrale. Doch weil sich Paris bei Amtsantritt Santiers noch immer in die umliegenden Orte ausdehnte, war die Kirche längst zu klein geworden. Deshalb der Neubau. Die beauftragten Architekten schufen eine interessante Symbiose aus den vorgelagerten Eingangsräumen der alten Kathedrale und einem muschelförmigen Kirchenschiff aus Holz. Die zwei komplett aus Holz geschaffenen Kuppelhälften, die Wände und Dach formen, seien "Hände, die sich zum Gebet falten", interpretiert Bischof Santier den Bau. Und endlich habe die Kirche auch einen Glockenturm, die die katholische Gemeinde neben der Synagoge und der Moschee im Stadtbild von Créteil sichtbar verorte. Am 20. September 2015 wurde die neue Kathedrale geweiht.

Von Cornelius Stiegemann