Spahn kritisiert Franziskus' Haltung zu Homosexualität
CDU-Politiker ist dennoch gerne katholisch

Spahn kritisiert Franziskus' Haltung zu Homosexualität

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist schwul und gerne katholisch. Doch einiges stört ihn an "seiner" Kirche. Das betrifft Papst Franziskus genauso wie auch die deutschen Bischöfe.

Berlin - 08.05.2018

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Haltung von Papst Franziskus zu Homosexualität als inkonsequent kritisiert. Man könne nicht einerseits von Wertschätzung gegenüber Homosexuellen sprechen und sie um Vergebung bitten, "und andererseits sagen 'Sorry, Sünde bleibt es doch. Bereut!", sagte Spahn mit Blick auf den Papst in einem Interview der Zeit-Beilage "Christ und Welt" (Mittwoch).

Dass gelebte Sexualität nach katholischer Lehre Sünde sei, könne er nicht akzeptieren, so der CDU-Politiker, der seit Dezember mit seinem langjährigen Partner verheiratet ist. "Da gibt es nichts zu bereuen. Ich habe mir meine Homosexualität schließlich nicht ausgesucht. Und sie schadet auch niemandem."

Papst Franziskus hatte entschiedener als seine Vorgänger bekräftigt, dass die Kirche Homosexuelle nicht ausgrenzen dürfe und gefordert, dass sie sich für Vergangenes Unrecht entschuldigen müsse. Er hält jedoch an der katholischen Lehre fest, dass gelebte Homosexualität Sünde ist.

Spahn ist dennoch gerne katholisch

Katholisch ist Spahn nach eigenem Bekunden dennoch gerne: "Weil ich überzeugt bin, dass Gott mich so nimmt, wie ich bin. Weil mein Glaube so selbstverständlich zu mir gehört wie mein Schwulsein." Die Ablehnung der "Ehe für alle" durch die katholischen Bischöfe habe er "zur Kenntnis genommen", sie bereite ihm allerdings "keine schlaflosen Nächte", erklärte Spahn. Mit dem Gedanken aus der Kirche auszutreten, habe er nie gespielt, obwohl er manchmal irritiert und oft anderer Meinung sei als "die Vertreter der Amtskirche"

Spahn wandte sich in dem Interview auch gegen die These, das die Abschaffung des Zölibats zu mehr Priestern führen würde. Er glaube nicht, dass dies "die Lösung" sei. "Unabhängig von Zölibat und Kirche ist es in der Gesellschaft schwieriger geworden mit der Berufung", so Spahn.

Erstaunt zeigte sich der Bundesgesundheitsminister darüber, dass die beiden großen Kirchen sich in der Debatte über die Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen nicht deutlicher zu Wort melden. "Ich finde es erstaunlich, um nur ein Beispiel zu nennen, wie wenig die Kirchen momentan zu sagen haben zum Thema Abtreibung". Von den deutschen Bischöfen sei dazu "kaum etwas zu hören". Wenn es um den Schutz des unbgeborenen Lebens gehe, hätten die Kirchen eine wichtige Stimme. "Eine Zurückhaltung in der Sprache ist dabei angemessen, eine Zurückhaltung in der Sache nicht." Er hoffe dass "zumindest vom Katholikentag in Münster ein klares Signal ausgeht", so Spahn. (tja)