Anschlag auf eine Kirche in Colombo (Sri Lanka)
Bombenexplosionen in mehreren Städten

Sri Lanka: Viele Tote bei Anschlägen auf Kirchen und Hotels

Die Explosionen ereigneten sich am Ostermorgen: Auf Sri Lanka sind bei Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels über 200 Menschen ums Leben gekommen. Es ist der schwerste Anschlag seit zehn Jahren in dem Inselstaat.

Colombo - 21.04.2019

Bei Bombenanschlägen auf drei katholische Kirchen und drei Luxushotels sind in Sri Lanka mindestens 207 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Die Bomben in der St. Anthony Kirche in Colombo, der Kirche St. Sebastian in Nigombo und einer Kirche in Batticaloa explodierten am Ostersonntagmorgen zwischen 8 Uhr 30 und 9 Uhr Ortszeit. In den katholischen Kirchen hatten die Gläubigen zum Zeitpunkt der Explosionen die Ostermesse gefeiert.

Schwerster Anschlag seit zehn Jahren

Etwa zur gleichen Zeit seien Bomben in den drei Fünfsternehotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo in die Luft gegangenen. Die Hotels sind ein beliebtes Reiseziel auch von europäischen Touristen. Es handelt sich um den schwersten Anschlag seit dem Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben sieben Personen fest, nähere Informationen über Täter und Hintergründe des Terrors gab es bisher jedoch nicht.

Politiker aller Parteien in Sri Lanka verurteilten die Bombenanschläge in Colombo und anderen Städten des Landes. Premierminister Ranil Wickremesinghe verurteilte laut dem Nachrichtenportal der Regierung News.lk die Anschläge vom Ostersonntag als "feige Attacken". Oppositionsführer Mahinda Rajapaksa sagte News.lk: "Ein dermaßen gewalttätiger Anschlag an so einem heiligen Tag ist absolut barbarisch." 6,1 Prozent der 22 Millionen Einwohner des mehrheitlich buddhistischten Inselstaates sind Katholiken.

Die Bundesregierung verurteilte die Taten. Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter: "Entsetzen über die Nachricht, dass Christen auf Sri Lanka während der Ostermessen angegriffen und getötet wurden. Wir trauern um sie und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge auf Sri Lanka als "feige Terroranschläge". Besonders niederträchtig sei, "dass zahlreiche friedlich Betende in Gotteshäusern am Ostersonntag Ziel dieser hinterhältigen Angriffe wurden", heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten Schreiben Steinmeiers an den Präsidenten von Sri Lanka, Maithripala Sirisena: "Deutschland steht an Ihrer Seite in der Entschlossenheit, dem menschenverachtenden Terror entgegenzutreten."

Kardinal Marx: Ostertag wurde zu Karfreitag

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach der Kirche des Landes und allen Angehörigen sein Mitgefühl aus. In einem Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Sri Lanka, Bischof Julian Winston Fernando, schreibt Marx: "Sprachlos stehen wir dieser Welle blinder Gewalt gegenüber, die zum Osterfest die gesamte Bevölkerung Sri Lankas, die vielen Gäste aus dem Ausland und insbesondere die Kirche getroffen hat." Dass der Ostertag in Sri Lanka zu einem dunklen Karfreitag werde, an dem der Tod versucht die Macht über das Leben zu gewinnen, lasse jeden Menschen fassungslos dastehen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, reagierte mit Trauer und Entsetzen auf die Anschlagsserie in Sri Lanka. "Ich denke an die Menschen in Sri Lanka, die weinen, wie Maria am Grab Jesu. Ich denke an die vielen Toten und Verletzten, an all die Menschen, die jetzt Tränen der Verzweiflung vergießen", erklärte Bedford-Strohm am Sonntag auf Facebook. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte auf Twitter, der Terrorismus werde niemals siegen. Leider würden die Anschläge bereits jetzt im Netz wieder instrumentalisiert, um Hass und Zwietracht zu streuen.

Die Katholiken im Heiligen Land beteten während der Ostergottesdienste für die Opfer. "Wir bekunden unsere Solidarität mit Sri Lanka und allen Einwohnern mit den verschiedenen religiösen und ethnischen Hintergründen, hieß es in einer in Jerusalem verbreiteten Erklärung. Trotz der großen Bedrängnis wolle man die Auferstehung Christi feiern und denen Hoffnung geben, die in Not seien. (mal/KNA/epd)

21.04.2019, 11.39 Uhr: Zahl der Opfer korrigiert; Artikel um weitere Stellungnahmen ergänzt.

21.04.2019, 13.30 Uhr: Ergänzt um Auszüge aus dem Brief von Kardinal Marx.

21.04.2019, 15.37 Uhr: Opferzahlen erneut korrigiert; zweiter Absatz ergänzt um weitere Informationen.