Stadtdechant: Aussagen deutscher Kardinäle untragbar und diffamierend
Robert Kleine übt scharfe Kritik an Müller und Brandmüller

Stadtdechant: Aussagen deutscher Kardinäle untragbar und diffamierend

Deutliche Kritik an den Kardinälen Müller und Brandmüller: Kölns Stadtdechant Robert Kleine wirft ihnen eine bösartige Diffamierung Homosexueller und ein Ablenkungsmanöver vom Missbrauchsskandal vor.

Köln - 08.01.2019

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine hat im Zusammenhang mit der Missbrauchsdebatte die deutschen Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller scharf kritisiert. "Wenn ein römischer Kardinal die aufkommende Diskussion über Zölibat, kirchliche Sexualmoral und Priesterausbildung […] als 'Missbrauch des Missbrauchs' geißelt, halte ich das – nicht zuletzt auch den Missbrauchsopfern gegenüber – für untragbar", sagte Kleine laut domradio.de beim Dreikönigsempfang des Katholikenausschusses der Stadt Köln am Montagabend.

Bösartige Diffamierung

Wenn ein anderer Kardinal behaupte, ein Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität sei statistisch erwiesen, dann "handelt es sich um eine bösartige Diffamierung Homosexueller, um vom eigentlichen Skandal abzulenken", so der Stadtdechant weiter.

Müller hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach zum Thema geäußert. Unter anderem sagte er, dass der sexuelle Missbrauch von manchen Akteuren innerhalb der katholischen Kirche instrumentalisiert werde, um eigene Interessen durchzusetzen. "Man will das sakramentale Priestertum mit der Missbrauchskrise aus den Angeln heben", so der Kardinal. Im Zusammenhang mit der Causa Wucherpfennig hatte Müller zudem gesagt, "dass die Sexualmoral der Kirche durch die weltliche Akzeptanz von Homosexualität nicht relativiert werden kann". Es sei Teil der Krise, "dass man die wahren Ursachen nicht sehen will und sie mit Propagandasätzen der Homo-Lobby vertuscht".

Brandmüller hatte in der vergangenen Woche die gesellschaftliche Empörung über Missbrauch in der Kirche als "Heuchelei" bezeichnet. Sexueller Missbrauch sei alles andere als ein spezifisch katholisches Phänomen. "Nicht weniger wirklichkeitsfremd ist es, zu vergessen beziehungsweise zu verschweigen, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen", kritisierte der Kardinal. Es sei "statistisch erwiesen", dass es einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gebe. (tmg)