Starker Beitrag zum Friedensprozess
Bild: © KNA
Reaktionen auf und Missverständnisse über das Friedensgebet im Vatikan

Starker Beitrag zum Friedensprozess

Der Papst spricht immer über die Kultur der Begegnung: Genau das war dieses Treffen, eine Begegnung zwischen Menschen im Zeichen des Glaubens." Mit diesen Worten ordnete Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag den Friedensgipfel zwischen Papst Franziskus und den Präsidenten Israels und Palästinas ein. Schimon Peres und Mahmud Abbas hatten am Sonntagabend an einem 90-minütigen Gebetstreffen in den Vatikanischen Gärten teilgenommen. Eingeladen hatte sie der Papst vor zwei Wochen bei seiner Nahost-Reise.

Rom/Bonn - 10.06.2014

Das Treffen sei ein starker Beitrag zum Friedensprozess im Heiligen Land, so Lombardi laut Radio Vatikan. Anstelle des als Friedensgeste vorgesehenen Händeschüttelns kam es am Ende zu herzlichen Umarmungen. Auch die Präsidenten der verfeindeten Nachbarstaaten Israel und Palästina umarmten einander. "Das war eine Art Befreiung der Protagonisten, der Völker, die aufrichtig den Frieden wünschen, aber Mühe haben, den rechten Weg zu finden. Diese Umarmung hat die Sehnsucht nach Frieden sehr gut ausgedrückt", sagte der Vatikansprecher.

Kein Synkretismus oder Relativismus

Das ganze Treffen sei "ein Akt des Mutes" gewesen. Realismus führe letztlich zur Entmutigung, wenn auf dem Weg zum Frieden so viele Hindernisse auftauchten. "Der Papst spricht so oft von den Überraschungen in der Geschichte, die vom Heiligen Geist kommen können, wenn er einschreitet", so Lombardi. Das Friedensgebet fand an Pfingsten statt, dem Fest des Heiligen Geistes. "Wir glauben, dass etwas Neues immer möglich ist, und darum bitten wir Gott und versuchen, uns mit ihm auf den Weg zu machen", sagte der Jesuit.

Vor der Kulisse des Petersdoms sitzen der Papst und Politiker in den Vatikanischen Gärten.
Bild: © KNA

Friedensgebet mit Israels Staatschef Schimon Peres; Palästinenserpräsident Mahmut Abbas, Papst Franziskus und dem ökumenische Patriarch Bartholomaios I. im Vatikan.

Unterdessen räumte sein Ordensbruder von der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan Missverständnisse über das Treffen aus: Redaktionsleiter Bernd Hagenkord wies im Internet aufgetretene Gerüchte zurück, nach denen bei dem Treffen etwa der Koran mit der Aufforderung zitiert worden sei, die Ungläubigen zu vernichten. Auch seien die Gebete weder Synkretismus – die Vermischung religiöser Ideen – "noch Atheismus, noch Relativismus" gewesen, so der Jesuit in seinem Blog. Wenn bei einem Treffen drei Religionen ihre Gebete sprechen, bedeute das nicht, dass alle glaubten, "dass alles irgendwie gleich sei und eins. Der Papst glaubt weiterhin an Jesus Christus," schreibt Hagenkord.

Nüchternes Urteil in Israels Medien

Ähnlich wie bei der Friedensinitiative von Papst Johannes Paul II. in Assisi 1986 sei das Friedensgebet von Pfingstsonntag nun "ein Fest" für "Verschwörungstheoretiker und Gegner jedweder Form des interreligiösen Respektes". Papst Franziskus gehe es jedoch darum, eine Kultur der Begegnung zu fördern, erklärt Hagenkord. "Begegnung auf allen Ebenen - von den Umarmungen auf dem Petersplatz bis zu politisch höchst komplexen Veranstaltungen wie den Gebeten und Friedensbitten am Sonntag." Die Texte des Treffens stellte er in der korrigierten – tatsächlich gesprochenen – Fassung unter seinen Blogeintrag.

Während die Medien in Deutschland und Europa das Friedenstreffen überwiegend positiv bewerteten, fällt das Urteil in Israel deutlich nüchterner aus. Die "Jerusalem Post" unterstreicht laut Radio Vatikan einen sehr "formalen" Charakter der Begegnung. Es habe keinen Durchbruch in Rom gegeben, so die Zeitung. Die beiden Präsidenten hätten zwar "versöhnliche" Worte gefunden, Signale eines möglichen Kompromisses im Konflikt habe es allerdings nicht gegeben.

Als "leeres Gebet für Frieden" beschreibt die israelische Zeitung "Ha'aretz" das Gebetstreffen. Die beiden Präsidenten hätten wohl "einen Tag Pause mit Franziskus" begrüßt, mit dem Treffen selbst aber nicht viel anfangen können, heißt es in einem Kommentar. Bei der "tadellos durchchoreografierten Zeremonie" in den Vatikanischen Gärten hätten die beiden Politiker gleichmütig ihre jeweilige Rolle gespielt: "Die Musik war ein Traum und die Liturgie perfekt, doch keiner von beiden schien große Gebete zu sprechen. Möglicherweise dachten sie für sich: Dies ist nicht Religion, wie sie im Nahen Osten verstanden wird," heißt es in der "Ha'aretz".

Von Agathe Lukassek