Sternsinger stehen vor einer Tür und warten auf Einlass.
61. Aktion Dreikönigssingen in Altötting eröffnet

Sternsinger: Kinder helfen Kindern weltweit

Es ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit: das Sternsingen. Heute wurde die 61. Aktion Dreikönigssingen in Altötting eröffnet, rund um den 6. Januar werden dann die kleinen Könige von Haus zu Haus ziehen. Doch es wird immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für das Sternsingen zu begeistern.

Von Roland Müller |  Bonn - 28.12.2018

Rund um den 6. Januar ziehen Hunderttausende Sternsinger von Haus zu Haus, verkünden die Geburt Jesu und schreiben den Segen an die Wohnungstüren. Begleitet werden sie von vielen Tausenden jugendlichen oder erwachsenen Gruppenleitern. Bereits zum 61. Mal findet die bundesweite Aktion Dreikönigssingen statt, organisiert vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Heute wurde das diesjährige Sternsingen im Marienwallfahrtsort Altötting feierlich eröffnet. Das ist nicht nur für den gastgebenden Bischof Stefan Oster eine Premiere – denn zum ersten Mal seit Beginn der Aktion im Jahr 1959 fällt der Startschuss im Bistum Passau.

Das Motto des Dreikönigssingens verrät das diesjährige Beispielland: "Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!". Zudem wird durch die Anspielung auf Inklusion ausgedrückt, dass der Fokus in diesem Jahr auf Kindern mit einer Behinderung liegt. In der Vorbereitung auf die Teilnahme an der Aktion sollen sich die Sternsinger damit auseinandersetzen, wie schwierig das Leben behinderter Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern oft ist. Um sich in die Lebenssituation Gleichaltriger hineinversetzen zu können, hat das Kindermissionswerk auch in diesem Jahr wieder einen kurzen Dokumentarfilm mit Willi Weitzel gedreht.

Der bekannte Moderator von Fernsehsendungen für Kinder nimmt die Sternsinger mit auf eine Reise in das Beispielland Peru. In der Hauptstadt Lima trifft er Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen: Eddú ist Autist, Romy hat das Down-Syndrom und Ángeles sitzt im Rollstuhl. Die Achtjährige kann wegen einer Muskelerkrankung ihre Beine nicht bewegen und besucht deshalb eine Schule für Kinder mit Behinderungen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in Peru, wo behinderte Menschen oft nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und sogar versteckt werden. Außerdem wohnt Ángeles mit ihrer Mutter Helen und dem kleinen Bruder Jesús in einem Armenviertel am Rande Limas. Auf dem Weg zur Schule muss sie einige Berghänge zurücklegen. Doch das geht nur mit der Hilfe ihrer Mutter, die sie auf den Schultern trägt. "Jetzt kann ich Ángeles noch tragen. Aber sie wird größer und schwerer", sagt die 35-Jährige besorgt.

In die Schule geht sie sehr gerne, erzählt Ángeles ihrem Besucher Willi. "Mathe ist mein Lieblingsfach", sagt sie und lacht. Das Mädchen ist froh, dass sie dort mit ihren Freundinnen lernen und spielen kann. Für Melanie, Camila und Sol ist es kein Problem, dass Ángeles nicht laufen kann. "Wir helfen ihr manchmal in der Pause", sagt Melanie. Gerne spielen sie zusammen, besonders Klatsch- und Ballspiele. Doch auch die therapeutische Behandlung ist für Ángeles wegen ihrer Krankheit wichtig. Sternsinger-Reporter Willi zeigt sich beeindruckt von der Arbeit der Schule und ihren Einsatz für behinderte Kinder.

Fröhliche Begrüßungen vor Schulbeginn. Ángeles freut sich, ihre Freundinnen zu sehen.

Der Film will deutschen Kindern und Jugendlichen klarmachen, warum es sich lohnt, als Sternsinger für bedürftige Kinder in aller Welt um die Häuser zu ziehen. Denn wie die Schule von Ángeles in Lima wurden im vergangenen Jahr 1436 Projekte weltweit vom Kindermissionswerk gefördert. Das Geld dafür haben die Sternsinger gesammelt, denn neben der Verkündung der Geburt Jesu bitten die kleinen Könige um Spenden für bedürftige Kinder in aller Welt. So sind in diesem Jahr mehr als 48 Millionen Euro zusammengekommen. Die Gesamtsumme seit 1959 beträgt sogar etwas mehr als über eine Milliarde Euro. Wegen der jedes Jahr kontinuierlich steigenden Sammelergebnisse der Sternsinger gilt das Dreikönigssingen als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.

Trotz der stetigen Spendenrekorde fanden sich in den letzten Jahren immer weniger Kinder und Jugendliche, die bereit waren, als Sternsinger unterwegs zu sein. "In den 90er Jahren waren es noch rund 500.000 Kinder", sagte Thomas Römer im Januar. "Bei uns melden sich mittlerweile immer häufiger Gruppenleiter, die berichten, dass sie nicht mehr so viele Kinder finden wie in den Vorjahren und dass man deshalb Probleme habe", erklärte der Sprecher des Kindermissionswerks. Er vermutet, dass generell die Bereitschaft zurückgehe, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch das Freizeitverhalten habe sich verändert und Urlaube zwischen den Jahren seien üblicher geworden, so Römer. Dennoch geht das Kindermissionswerk davon aus, dass auch in diesem Jahr wieder an die 300.000 Sternsinger und 90.000 Gruppenleiter bei Wind und Wetter auf den Straßen sein werden, um die Häuser zu segnen und Spenden für Kinder in aller Welt zu sammeln.

Von Roland Müller