Theologin: Laien und Kleriker gab es in Anfangszeit nicht
Verschiedene Modelle von Gemeindestrukturen

Theologin: Laien und Kleriker gab es in Anfangszeit nicht

Das neue Testament ermutige die Kirche zu transparenten, partizipativen und demokratischen Strukturen, sagt die Eichstätter Neutestamentlerin Sabine Bieberstein. Das könne auch Konsquenzen für Gemeindestrukturen und -leitungen haben.

Bamberg - 31.03.2019

Die Eichstätter Professorin für Exegese des Neuen Testaments, Sabine Bieberstein, hat daran erinnert, dass das Neue Testament die Kirche zu transparenten, partizipativen und demokratischen Strukturen ermutigt. Eine Unterteilung zwischen Laien und Klerikern habe es in der Anfangszeit der Christen nicht gegeben, sagte die Theologin am Samstag in Gremsdorf beim Tag der Räte des Erzbistums Bamberg. Stattdessen seien verschiedene Modelle von Gemeindestrukturen üblich gewesen, etwa ein Ältestenrat, ein Leiter als Aufseher oder auch ein Gremium von Witwen. Von dieser Vielfältigkeit sollte sich die Kirche auch heute inspirieren lassen.

Schick: Mit Schuld und Versagen umgehen

Mit Blick auf den derzeit laufenden Strukturprozess im Erzbistum Bamberg stellte Bieberstein infrage, ob größere Seelsorgebereiche für das Engagement der Gläubigen vor Ort förderlich seien. Auch der Diözesanratsvorsitzende Günter Heß warnte davor, dass beim Strukturprozess etwas zusammenwachsen müsse, was nicht zusammengehöre. Es bestehe die Gefahr einer Entfremdung von der Amtskirche. Die stellvertretende Diözesanratsvorsitzende Astrid Schubert appellierte an die Frauen, sich mehr in die Kirche einzubringen und ihre Beteiligung auch einzufordern.

Neutestamentlerin Sabine Bieberstein
Bild: © Privat

Sabine Bieberstein ist Professorin für Exegese des Neuen Testaments und Biblische Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Erzbischof Ludwig Schick ging beim Tag der Räte auf die Krise ein, in der die Kirche in Deutschland und weltweit wegen der Missbrauchs- und Finanzskandale jetzt stecke. Es sei an der Zeit, sich nicht mit gegenseitigen Vorwürfen zu zerfleischen oder in Klagen und Selbstmitleid zu versinken. Christen müssten vielmehr mit dieser Schuld und dem Versagen umgehen. Wer Schuld auf sich geladen habe, müsse dazu stehen und es öffentlich machen, Wiedergutmachung geleistet und Missbrauch künftig mit allen Mitteln verhindert werden. (gho/KNA)