Franziskus I., seit dem 13. März 2013 Oberhaupr der katholischen Kirche.
Vatikan-Experte über das Konklave 2013

Zahlen enthüllt: So lief die Wahl von Papst Franziskus

Der Mailänder Kardinal Angelo Scola war heißester Kandidat für die Nachfolge von Benedikt XVI. Doch es sollte anders kommen. Wie das Konklave ablief, hat nun der irische Vatikan-Experte Gerard O'Connel enthüllt.

New York - 22.03.2019

Der heutige Papst Franziskus hat offenbar beim Konklave vor sechs Jahren auf Anhieb mehr Stimmen erhalten als zunächst angenommen. Das enthüllt der irische Vatikan-Experte Gerard O'Connell in seinem neuen Buch "The Election of Pope Francis" (Die Wahl von Papst Franziskus). Laut O'Connells Recherchen erhielt der damalige Kardinal Jorge Mario Bergoglio bereits im ersten Wahlgang 26 gültige Stimmen. Dies berichtete am Freitag die vom Jesuitenorden herausgegebene Zeitschrift "America" vorab.

Der damals von italienischen Medien haushoch favorisierte Mailänder Kardinal Angelo Scola lag demnach mit 30 Stimmen zwar vorne, konnte aber nicht so viele Stimmen auf sich vereinen, dass er uneinholbar gewesen wäre. An dritter Stelle lag zunächst der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet mit 22 Stimmen, gefolgt vom Bostoner Kardinal Sean O'Malley mit 10. Schon im zweiten Wahlgang habe Bergoglio deutlich vor Scola gelegen. Bergoglios Wahl erfolgte im fünften gültigen Wahlgang, der am frühen Abend des 13. März stattfand.

O'Connell hat für seine Recherchen mit zahlreichen wahlberechtigten sowie älteren Kardinälen und mit einigen am Vatikan akkreditierten Botschaftern gesprochen. Die 115 Konklaveteilnehmer selbst sind durch einen Eid zur Verschwiegenheit über die Abstimmungsergebnisse verpflichtet. Zu den Favoriten zählten vor dem Konlave neben Scola und Ouellet auch der italienisch-argentinische Kurienkardinal Leonardo Sandri, Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras, der Ghanaer Peter Turkson sowie der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan.

Ein Bündel von Faktoren

In seinem Buch nennt der langjährige Vatikan-Korrespondent ein Bündel von Faktoren, die dazu führten, dass Bergoglio am 12. März 2013 trotz seines damaligen Alters von 76 Jahren auf Anhieb viele Stimmen auf sich vereinen konnte. So seien die Italiener als größte Wählergruppe in mehrere Lager zerstritten gewesen. Andere Experten hatten vor der Wahl gemutmaßt, dass sie sich nach zwei Nicht-Italienern in Folge auf dem Stuhl Petri zusammenraufen würden.

Bergoglio habe dagegen Unterstützung aus Lateinamerika, Asien und der englischsprachigen Welt erhalten, so O'Connell. Zu dieser Koalition hätten der damalige britische Vatikan-Botschafter Nigel Baker und der englische Kardinal Cormac Murphy-O'Connor mit der Organisation diskreter Kardinals-Treffen in Rom beigetragen. Außerdem habe der damalige vatikanische Finanzaufseher, Kardinal Attilio Nicora, bei einem Treffen im Vatikan Bergoglio-Befürworter aus Italien und reformwillige Kardinäle der vatikanischen Kurie zusammengebracht. Sehr wirksam sei zudem eine kurze und überzeugende Rede gewesen, die Bergoglio am vorletzten Tag des "Vorkonklaves" vor allen Kardinälen hielt. (bod/KNA)