Das Präsidium des ZdK steht hinter dem Logo der Organisation für ein Gruppenbild.
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Kritik aus den eigenen Reihen

Zieht das ZdK von Bonn nach Berlin?

Seit der Gründung im Jahr 1952 hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken seinen Sitz in Bonn. Jetzt schlägt das ZdK-Präsidium einen Umzug in die Hauptstadt Berlin vor. Doch an den Plänen wird Kritik laut.

Bonn - 19.11.2018

Das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) schlägt nach Informationen des Bonner "General-Anzeigers" einen Umzug des Generalsekretariats von Bonn nach Berlin vor. Das geht aus einer Debattenvorlage für die Vollversammlung am kommenden Wochenende in Bonn-Bad Godesberg hervor, wie die Zeitung (Montag) berichtete. Der Grund für einen Wechsel sei unter anderem eine stärkere Nähe zur Politik in der Hauptstadt. ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass die Vollversammlung sich mit dem Thema beschäftigen werde.

Die Vorlage, die der KNA vorliegt, schlägt eine Entscheidung bei der im Mai 2019 folgenden Vollversammlung vor. Den Spitzen der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD), der rund 125 katholische Verbände, Institutionen und Initiativen angehören, geht das Ganze laut "General-Anzeiger" zu schnell. Sie fordern demnach in einem Schreiben an das ZdK-Präsidium, den Beratungsprozess "ergebnisoffen" zu beginnen.

ZdK-Präsidiumsmitglied Claudia Lücking-Michel erklärte der Zeitung, sie könne nachvollziehen, dass das Katholikenkomitee eine stärkere Präsenz in Berlin zeigen müsse. "Ich frage mich aber, ob man nicht eine andere Regelung finden könnte als einen Komplettumzug", so die ehemalige Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete.

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Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Derweil forderte ZdK-Präsident Thomas Sternberg angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche eine tiefgreifende Kirchenreform. Vor dem Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz an diesem Montag setzt sich Sternberg in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montag) für fünf Reformvorschläge ein, die über die reine Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hinausgehen. Um für die Zukunft vorzubeugen, forderte Sternberg "das Aufbrechen klerikaler Führungs- und Leitungsstrukturen", durch einen stärkere Mitwirkung gewählter Laien auf "allen Ebenen der Kirche". Dabei sollte Frauen mehr Bedeutung als bisher zukommen. Zudem sei das ZdK nicht erst seit den Missbrauchsfällen der Überzeugung, "dass die Kirche ihr Verständnis von Sexualität überdenken muss".

Unabhängige Kommission und Gerichtsbarkeit

Zur Aufarbeitung fordert das ZdK die Einrichtung einer unabhängigen Kommission, die die Fortschritte im Kampf gegen Missbrauch in allen 27 deutschen Diözesen prüft und darüber jedes Jahr einen Bericht veröffentlichen soll. Darüber hinaus sei die Einrichtung einer unabhängigen kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit überfällig: "Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit dürfen auch in der Kirche nicht länger in einer Hand liegen." Es sei ein Problem des kirchlichen Umgangs mit sexuellem Missbrauch gewesen, dass versucht worden sei, die Fälle innerkirchlich zu regeln. Das ZdK fordert daher eine Untersuchung aller noch nicht verjährten Fälle durch die Staatsanwaltschaft.

Sternberg unterstrich zugleich, es sei gut, dass sich die Bistümer mit der Ende September vorgestellten Studie zum sexuellen Missbrauch "der Problematik" gestellt haben. "Der Forschungsbericht ist im Rahmen seiner Möglichkeiten von großer Offenheit geprägt", sagte der Präsident des katholischen Laiengremiums. "Kein mögliches Problemfeld, insbesondere im Hinblick auf spezifische Problemstellungen in der katholischen Kirche, wird ausgespart."

In der "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" hatte das von den Bischöfen beauftragte Forscherteam in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind. (tmg/KNA)