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Standpunkt

Die verräterische Sprache des "Forums Deutscher Katholiken"

Am vergangenen Wochenende verabschiedete das konservative "Forum Deutscher Katholiken" eine Resolution, die mit rechtspopulistischen Schlagwörtern gespickt ist. Damit hätten die Teilnehmer des Kongresses "Freude am Glauben" ihre Gesinnung offenbart, kommentiert Matthias Drobinski.

Von Matthias Drobinski |  Bonn - 18.06.2019

Nur um das klarzustellen: Wer dafür eintritt, dass in der katholischen Kirche offen um den richtigen Weg gerungen wird, der muss auch dafür eintreten, dass es dort sehr unterschiedliche und damit auch sehr konservative Meinungen geben darf. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen erstaunt doch sehr, was das "Forum Deutscher Katholiken" am Wochenende auf seinem Kongress "Freude am Glauben" in Ingolstadt verabschiedet hat: eine Resolution über die angebliche "Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit und unserer Freiheit", ein politisches Programm also.

Da ist von einer "Gedankenpolizei" in Deutschland die Rede, die "heute mit der Keule der 'political correctness'" "Gesinnungs- und Sprachdiktate" errichte. "Jeder, der davon abweicht, was die Regierung vorgibt, wird diffamiert oder sanktioniert", behauptet "Freude am Glauben". Der "zwangsfinanzierte Staatsfunk" und "zahlreiche Pressevertreter" kommentierten, "als ob sie zum bezahlten Hofstaat der Regierung gehörten". In der Flüchtlingskrise habe "unsere Regierung wissentlich und willentlich die eigene nationale Souveränität aufgegeben und den Begriff 'Rechtssicherheit' durch 'Willkommenskultur' ersetzt". Was die Autoren mit dem Satz "Das grundgesetzlich verbriefte Wort 'Deutsches Volk' wird von Regierungsvertretern in 'Bevölkerung' umgewandelt" meinen, wissen vermutlich nur sie selbst. Werfen sie "Regierungsvertretern" vor, das deutsche Volk auslöschen zu wollen?

Es ist eine verräterische Sprache, die da gesprochen wird. Und eine Passage erklärt die Geisteskindschaft des Textes: Claudia Roth nenne "Deutschland ein 'mieses Stück Scheiße'", behauptet eine Fassung der Resolution, die am Samstag um kurz vor 20 Uhr in alle Lande geschickt wurde. Nur: Claudia Roth hat das nie so gesagt, die Behauptung hält sich aber hartnäckig in rechtsradikalen Hetzblogs. Erst im zweiten Anlauf wurde sie gestrichen, ohne jede Entschuldigung.

Es ist der Duktus der Rechten, der Rechtspopulisten und der AfD, dem der Kongress "Freude am Glauben" mit dieser Resolution gefolgt ist, mit seiner blasenhaften Wahrnehmung, es gebe in Deutschland eine Regierung, die die "Umvolkung" des Landes plane und eine Gedankenpolizei steuere, mit gekauften Journalisten als Helfershelfern. Das ist in Deutschland nicht verboten - denn hier herrschen Meinungs- und Gedankenfreiheit. Man wüsste aber schon gerne, was die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Gregor Maria Hanke aus Eichstätt von der Resolution halten. Der eine zelebrierte den Auftakt-, der andere den Schlussgottesdienst. Wird da noch etwas kommen?

Von Matthias Drobinski

Der Autor

Matthias Drobinski ist Redakteur bei der "Süddeutschen Zeitung" und dort unter anderem für die Berichterstattung über Kirchen und Religionsgemeinschaften zuständig.

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