Fragen und Antworten zum Zölibat

Um des Himmelreiches Willen

Aktualisiert am 03.09.2016  –  Lesedauer: 
Im Vordergrund ein Priester mit Kollarkragen und im Hintergrund eine Frau.
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Zölibat

Bonn ‐ Priester der katholischen Kirche sind in der Regel zu einem ehelosen Leben verpflichtet: sie leben im Zölibat. Doch woher stammt dieser eigentlich und womit wird er begründet?

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Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), hat mit seiner Forderung nach der Abschaffung des Pflichtzölibats erneut eine Debatte über die Ehelosigkeit der Priester ausgelöst. Katholisch.de nennt wichtige Daten und Fakten zur Geschichte des Zölibats.

Was versteht man unter Zölibat?

Unter "Zölibat" (von lateinisch "caelebs", unverheiratet) versteht man gemeinhin die Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit bei kirchlichen Amtsträgern. In der römisch-katholischen Kirche ist der Zölibat seit dem Mittelalter die für Priester und Bischöfe verbindliche Lebensform. Bei den Orden gehört die Ehelosigkeit seit den Ursprüngen des Ordenslebens in der ägyptischen Wüste zu dieser Lebensform.

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Die Zahl der Priesterweihen in Deutschland geht zurück. Das Zentrum für Berufungspastoral versucht, dem Trend entgegenzusteuern. Direktor Michael Maas über Gebet und andere Werbung für den Priesterberuf.

Wo liegen die Ursprünge des Zölibats?

Der Glaube, die Nähe zu Göttern erfordere sexuelle Abstinenz und kultische Reinheit, war bereits bei Priestern in Babylonien, Ägypten oder Phönizien verbreitet. Auch Griechen und Römer kannten sie.

Was sagt die Bibel über die Ehelosigkeit?

Mehrfach wird im Neuen Testament die Ehelosigkeit "um des Himmelreiches willen" gewürdigt (Mt 19,12). Befürworter verweisen darauf, dass die Apostel alles verlassen hätten, um Jesus nachzufolgen. Allerdings ist Ehelosigkeit keine absolute Forderung Jesu. Auch Petrus war laut den Evangelien verheiratet. Zugleich gibt es etwa in den sogenannten Pastoralbriefen des Neuen Testaments auch Hinweise auf verheiratete Amtsträger in der frühen Kirche. So heißt es im 1. Brief an Timotheus: "Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet...Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen..."

Papst Franziskus sagt über das zölibatäre Leben der Priester, er empfinde es als ein Geschenk an die Kirche.
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Papst Franziskus sagt über das zölibatäre Leben der Priester, er empfinde es als ein Geschenk an die Kirche.

Warum ist es dann zum Pflichtzölibat gekommen?

Bereits im vierten Jahrhundert gab es erste - oft regionale - rechtliche Bestimmungen zum Zölibat für Geistliche. Gemeint war damit allerdings meist, dass verheiratete Bischöfe und Priester sich in der Ehe sexueller Aktivitäten enthalten sollten. In der Synode von Elvira Anfang des vierten Jahrhunderts wurde etwa beschlossen: "Man stimmt in dem vollkommenen Verbot überein, dass für Bischöfe, Priester, Diakone, das heißt, für alle Kleriker, die im Altardienst stehen, gilt, dass sie sich ihrer Ehefrauen enthalten und keine Kinder zeugen, wer aber solches getan hat, soll aus dem Klerikerstande ausgeschlossen werden."

Endgültig wurde das Gebot der Ehelosigkeit und sexuellen Enthaltsamkeit beim 2. Laterankonzil 1139 als eine unabdingbare Zugangsvoraussetzung für den Empfang der Priesterweihe beschlossen. Daran hielt die katholische Kirche auch fest, als Martin Luther von evangelischen Geistlichen kein zölibatäres Leben mehr verlangte. Für ihn widersprach die Ehelosigkeit den Gesetzen Gottes.

Was sagt Papst Franziskus zum Zölibat?

Im Mai 2014 hat Papst Franziskus erklärt, der Zölibat habe nicht den Rang eines Dogmas, sondern sei nur eine Vorschrift, die geändert werden könne. Derzeit seien jedoch andere Themen wichtiger. Zugleich erklärte er, der Zölibat sei ein Geschenk für die Kirche, das er sehr schätze. Diese Äußerungen nährten Spekulationen, Franziskus denke möglicherweise über eine Lockerung des Zölibats nach. Vor wenigen Monaten gab es allerdings Berichte, nach denen Franziskus ein Abrücken vom Zölibat ausgeschlossen habe. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. bezeichnete die priesterliche Ehelosigkeit als "ein leuchtendes Zeichen" für ein "ungeteiltes Herz" und eine vollständige Hingabe an den seelsorgerischen Dienst für Christus.

Linktipp: ZdK fordert Lockerung des Zölibats

Aufgrund des Priestermangels sollten verheiratete Diakone zu Priestern geweiht werden können, sagt ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Das Weiheamt müsse zudem noch weiter geöffnet werden.

Was sagen die Gegner der Zölibatspflicht?

Sie verweisen auf den immer größer werdenden Priestermangel zumindest in der westlichen Welt. Für viele junge Männer sei die verpflichtende Ehelosigkeit ein entscheidendes Hindernis, Priester zu werden. Das Zeichen der Ehelosigkeit werde in der heutigen Welt nicht mehr verstanden. Verheiratete Priester könnten näher an den Problemen der Menschen sein, während zölibatär lebende Geistliche häufig vereinsamten. Immer wieder wird die Forderung laut, "viri probati", also "bewährte" verheiratete Männer zu Priestern zu weihen.

Linktipp: Woelki kritisiert Sternberg in Zölibatsdebatte

Angesichts rückgängiger Priesterzahlen fordert ZdK-Präsident Thomas Sternberg eine Lockerung des Zölibats. Kölns Erzbischof Woelki kontert und weist die Aussagen Sternbergs zurück.

Wie gehen andere christliche Kirchen mit dem Zölibat um?

Auch in der katholischen Kirche gibt es Ausnahmen vom Pflichtzölibat. Tritt ein verheirateter Pfarrer aus der protestantischen oder anglikanischen zur katholischen Kirche über, kann er auch als verheirateter Mann zum Priester geweiht werden. Die alt-katholische Kirche Deutschlands beschloss 1878, den Pflichtzölibat aufzuheben. Die Ostkirchen fühlten sich, ebenso wie die Protestanten, an die Zölibatsforderung nie gebunden. Die orthodoxen Priester und sogar die Priester der mit Rom unierten Ostkirchen können bis heute vor der Ordination die freie Wahl zwischen Ehe und Ehelosigkeit treffen. Bischöfe werden allerdings ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt.

Von Christoph Ahrens (KNA)