Aufnahme von Papst Franziskus im Profil.
Friedenstreffen geht mit gemeinsamem Appell der Religionsvertreter zu Ende

Papst prangert Ablehnung von Flüchtlingen an

Friedenstreffen - Papst Franziskus prangerte erneut Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen an. Er bezeichnete diese als "Brüder und Schwestern" des gekreuzigten Jesus. Am Dienstag ging das Friedenstreffen in Assisi zu Ende.

Vatikanstadt/Assisi - 20.09.2016

Papst Franziskus hat erneut mit scharfen Worten Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen angeprangert. Zu oft begegneten sie kaltherzigen Menschen, "die ihren Hilfeschrei mit jener Mühelosigkeit abstellen, mit der sie den Fernsehkanal umschalten", sagte er am Dienstag beim Friedenstreffen der Religionen in Assisi.

Flüchtlingen werde oft wie einst Jesus selbst der "bittere Essig der Ablehnung" gereicht, so Franziskus anlässlich eines ökumenischen Gebets in der Unterkirche der Basilika des Heiligen Franziskus. In seiner Meditation kritisierte er ein "betäubendes Schweigen der Gleichgültigkeit" und den Egoismus, "derer, die sich belästigt fühlen".

"Brüder und Schwestern des gekreuzigten Jesus"

Er betonte, dass alle, die unter der Drohung von Bombardierungen lebten oder gezwungen seien, ihr Zuhause zu verlassen und aller Dinge beraubt ins Unbekannte zu ziehen, "Brüder und Schwestern" des gekreuzigten Jesus seien. Zuvor hatte der Papst im Franziskanerkloster neben der Franziskus-Basilika gemeinsam mit zwölf Flüchtlingen aus Kriegsgebieten ein Mittagessen eingenommen.

Zu dem ökumenischen Gebet waren unter anderen auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Patriarch Bartholomaios I. sowie der Anglikaner-Primas Justin Welby gekommen. Nach dem Gebet unterzeichneten der Papst und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. gemeinsam mit Rabbiner David Brodman aus Israel, dem Vizerektor der sunnitischen Al-Azhar-Universität in Kairo, Abbas Shuman, dem buddhistischen Patriarchen Koei Morikawa und anderen, zum Abschluss des Friedenstreffens einen gemeinsamen Appell.

Linktipp: Selig die Friedfertigen

Erstmals vor 30 Jahren fand in der Franziskus-Stadt Assisi ein großes Friedenstreffen statt. Ab Sonntag versammeln sich die Glaubensrichtungen wieder, um über Wege aus den globalen Krisen nachzudenken.

Mit einem "Nein zum Krieg" erteilten sie jeder Rechtfertigung von Krieg und Terrorismus im Namen der Religion eine Absage und bekannten sich zum Dialog. Zugleich riefen die geistlichen Oberhäupter die Regierenden auf, Konfliktursachen wie Machtgier und Waffenhandel, aber auch Armut und Ungleichheit zu beseitigen.

"Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer"

"Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer, auch die Sieger", heißt es in dem Dokument. Niemand könne sich auf Gott berufen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen. "Ein Krieg im Namen der Religion richtet sich gegen die Religion selbst." Ausdrücklich beschworen die Religionsführer die politischen Verantwortungsträger, auch einer "Rache wegen vergangener Ereignisse" Einhalt zu gebieten. Der Friedensappell knüpft an eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 1986. Das damalige Treffen begründete laut den Unterzeichnern einen "Pilgerweg", auf dem Religionsvertreter aus aller Welt seither den "untrennbaren Zusammenhang zwischen dem großen Gut des Friedens und einer glaubwürdigen religiösen Lebensführung" bekannten.

Vor der feierlichen Verlesung gedachten die Religionsführer schweigend der Opfer des Kriegs und des Terrorismus. Anschließend wurde der Appell von den geistlichen Oberhäuptern an Kinder übergeben, die das Dokument zu Vertretern der einzelnen Staaten bringen sollten. Vor der Verlesung des Appells hatte der Papst die Gläubigen aller Religionen zur Ächtung fundamentalistischer Gewalt aufgefordert. (jml/KNA)

20.09., 19.10 Uhr: ergänzt um Friedensappell der Religionsvertreter